Nach eigenen Regeln So tickt der Markt unabhängiger Vermögensverwalter hierzulande

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Diese eigenen Regeln sind ein Grund für die bislang geringe Zahl von Fusionen und Übernahmen. Während bei Transaktionen in anderen Branchen der Preis ganz oben steht, geht es dem Vermögensverwalter, der sein Geschäft abgeben will, vor allem um eine beruhigende Nachfolgelösung für seine Kunden. Das Wichtigste für ihn: Der Käufer muss zu seinen Kunden passen. Der Preis sei eher Begleiterscheinung, meint Gillessen: „Kaufen und Verkaufen erfolgt bei Vermögensverwaltern unter ganz anderen Rahmenbedingungen.“ Aktuell zahlen Käufer nach PBF-Schätzungen im Schnitt 1,2 bis 1,7 Prozent auf die Assets.

Durch Übernahmen von außen kommt nun Bewegung in die Preise und den Markt. Das Osnabrücker Multi Family Office Attentium etwa hat mit DVAM und KHP 2019 zwei Vermögensverwalter gekauft. Der Anschluss von Vermögensverwaltern als Teil der Geschäftsstrategie ist Branchenkennern zufolge eine neue Entwicklung. Zudem entstehen neue Beteiligungsmodelle: Die Hamburger Investmentgesellschaft Lloyd Fonds hat sich die Vermögensverwalter Lange Asset & Consulting sowie SPSW Capital einverleibt.

Ebenfalls in Hamburg sitzt die Hövelrat Holding, zu der mit der Proaktiva, Andreas Meißner Vermögensmanagement und Tiger Asset Management drei unabhängige Anbieter gehören. Die Häuser geben Aufgaben wie Regulierung und Backoffice an den Käufer ab, bleiben mit ihrer Marke und spezifischen Investmentstrategie aber bestehen.

Die nächsten Jahre werde es zu den Varianten mehr Gespräche geben, schätzt Robert Fuchsgruber, B2B-Chef der DAB BNP Paribas. Bei der Bank führen mehr als 60 Prozent der Finanzportfolioverwalter mit Bafin-Zulassung ihre Kundendepots. „Bei der Konsolidierung der Vermögensverwalter muss und wird etwas passieren“, sagt er. „Größere Einheiten können auf Dauer wirtschaftlich arbeiten, aufgrund der Digitalisierung und wegen der Regulierung.“ Hinzu komme der anstehende Generationswechsel bei den unabhängigen Vermögensverwaltern.

Fuchsgrubers Ruf nach größeren Einheiten findet bei Neugründungen bereits statt. „Es entstehen größere Einheiten mit direkt zwei bis vier Geschäftsführern“, sagt Grünewald. Auch Gillessen bestätigt den Trend: „Existenzgründer, die eine Lizenz beantragen, sind vom Start weg personell und von den Startvolumina sehr viel größer als in der Vergangenheit.“ Als Einzelkämpfer ins Rennen zu gehen, ergebe gar keinen Sinn mehr, so Gillessen.

Keine Nachfolger, kaum Übergaben

Dennoch gibt es diese Einzelkämpfer am Markt. Für sie sei es sinnvoll, sich einem Haftungsdach oder größeren Vermögensverwalter anzuschließen. „Wir haben die vergangenen fünf Jahre rund 40 Gesellschaften in die Selbstständigkeit begleitet“, berichtet Gillessen. Davon sei die Mehrheit unter ein Haftungsdach gegangen, nur eine Handvoll habe eine eigene Lizenz erworben. Es sind in der Regel Fondsberater, die keine Statistik erfasst. Die Experten von Pro Boutiquenfonds haben ermittelt, dass die Vermögensverwalter-Branche ihren Marktanteil von rund 2 Prozent 2009 auf 4,2 Prozent Ende 2017 verdoppelt hat. Der Anteil entspreche rund 240 Milliarden Euro verwaltetes Vermögen, das sich auf 534 Anbieter verteilt. Das Problem: Die ersten 100 Vermögensverwalter betreuen rund 90 Prozent des Volumens.

Wenige große Anbieter, viele kleine: Nicht wenige Vermögensverwalter sind Einzelkämpfer, seit 20 Jahren und länger am Markt. „Viele Kollegen in der Branche sind Ende 50, haben noch fünf bis sieben Jahre bis zur Rente und werden die Situation bis dahin aussitzen“, so André Spee, Vorstandskollege von Brücher. VuV-Chef Grünewald sieht das genauso: „Viele Vermögensverwalter müssen und werden trotz der Regulierung weitermachen.“ Diese haben meist keinen Nachfolger, auch eine Übergabe an andere Vermögensverwalter findet nur teilweise statt.