Michael Hasenstab zur US-Geldpolitik Der lange Weg der Fed zur Bilanzverkürzung

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Verschiebungen im globalen Wettbewerb sollten den Inflationsschub beschleunigen. Weil die Schwellenländer zu den Industrieländern aufschließen, dürfte allmählich Preisdruck aufkommen, den die Schwellenmärkte bislang verhindert haben. Das Lohnniveau in den großen Schwellenländern ist bereits gestiegen, was ihre Produktionskosten verteuert. Weil die Inflationstrends eine bedeutende globale Komponente haben, dürfte die Zunahme des weltweiten Wachstums und der weltweiten Kapazitätsauslastung den globalen Preisdruck erhöhen. Dies wiederum dürfte die Inflationstrends in den USA und anderen wichtigen Industrieländern beeinflussen.

Der Umstand, dass Löhne und Inflation in den vergangenen Jahren unerwartet gedämpft waren, sollte uns nicht zu der Annahme verleiten, dass die Inflation niemals zurückkehrt. Es besteht das Risiko, dass die Kurve der Preisteuerung steiler wird als erwartet.

Hohe Wahrscheinlichkeit für Deregulierung im Finanzsektor

Unerwartete Überraschungen könnten sich auch durch die Ambitionen des US-Finanzministeriums ergeben, die regulatorischen Bedingungen für den Finanzsektor aufzuweichen. Gelockert werden sollen unter anderem Kapitalanforderungen, Liquiditätsvorschriften und Stresstests für Banken. Die vorgeschlagene Finanzderegulierung soll für schnelleres Kreditwachstum und eine noch stärkere Wirtschaftsdynamik sorgen. Die meisten der vorgeschlagenen Änderungen könnten direkt von den zuständigen Aufsichtsbehörden ohne Beteiligung des Kongresses erlassen werden. Deshalb ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Finanzderegulierung tatsächlich kommt, auch wenn die Umsetzung Zeit braucht und sich bis 2018 hinziehen dürfte.