Mainsky-Berater Adolf Rosenstock Fallende Realzinsen sind ein Dilemma für die EZB

Adolf Rosenstock ist volkswirtschaftlicher Berater und Aufsichtsratsvorsitzender bei Mainsky Asset Management.  | © Mainsky

Adolf Rosenstock ist volkswirtschaftlicher Berater und Aufsichtsratsvorsitzender bei Mainsky Asset Management. Foto: Mainsky

In den entwickelten westlichen Ländern fallen die Zinsen seit drei Jahrzehnten. In Deutschland fielen die Renditen für Bundesanleihen von 9 Prozent auf unter null. Kurzfristige Erholungsphasen haben immer wieder zur Prognose einer Wende verleitet, die immer noch auf sich warten lässt. Auf heutigem Niveau sind aber auch keine Rückgänge weit unter die Nulllinie nur schwer vorstellbar. Nur die Abschaffung des Bargeldes würde es erlauben, elektronische Geldanlagen unter absoluter Kontrolle des Staates bzw. der Notenbank mit Negativzinsen zu belegen. Bis jetzt bietet Bargeld noch die zinslose Alternative. Das heißt aber noch lange nicht, dass die Zinsen wieder steigen müssten.

In den letzten Monaten hat die EZB eine Reihe von Forschungsergebnissen zu diesem Thema vorgestellt, die auch langfristig keinen substanziellen Anstieg erwarten lassen.

Der natürliche Realzins fällt

Seit Anfang der 90er-Jahre fällt das Potenzialwachstum der Eurozone von geschätzt 2,3 Prozent auf derzeit 1,2 Prozent. Der reale Kurzfristzins, der das Wachstum in der Nähe des Potenzials bei stabilen Preisen hält, der sog. „Natürliche Zins“, ist entsprechend gefallen. Da seine Schätzung mit großen Unsicherheiten belegt ist, kommen verschiedene Ansätze zu abweichenden Ergebnissen, die am aktuellen Rand zwischen +0,2 Prozent und -1,6 Prozent liegen. Alle bestätigen den fallenden langfristigen Trend. Die schlechte Nachricht ist, dass es wahrscheinlich aufgrund der fortschreitenden Alterung der Gesellschaft so weiter gehen wird.

Geldpolitik verliert an Wirksamkeit

Im Chart oben zeigen wir die am meisten verwandte Schätzung des natürlichen Kurzfristzinses von Holsten, Laubach und Williams. Es fällt auf, dass die EZB in Wachstumsschwächen den realen Euribor für 1 Jahr deutlich in den Negativbereich drücken musste, um das Potenzialwachstum wieder zu erreichen. Den aktuellen Konjunkturabschwung konnten rekordtiefe Realzinsen und massive Assetkäufe der EZB nicht verhindern.