QE-freie Pfade beschreiten Werkzeuge gegen schwindende EZB-Liquidität

John Taylor ist bei Alliance Bernstein Portfoliomanager im Bereich Fixed Income  | © Alliance Bernstein

John Taylor ist bei Alliance Bernstein Portfoliomanager im Bereich Fixed Income Foto: Alliance Bernstein

Europäische Anleihe-Investoren schwimmen derzeit noch in Zentralbankliquidität. Doch diese Zeiten dürften bald vorbei sein – und Anleger benötigen neue Strategien und Technologien. Sonst laufen sie Gefahr, bei sich häufenden Liquiditätsschocks auf dem Trockenen zu landen.

Dabei dürfte das Ende der lockeren Geldpolitik (oder Quantitative Easing – QE) in Europa größere Auswirkungen haben als die Drosselung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) im Jahr 2014. Diese verlief relativ glimpflich, denn die globalen Liquiditätsbedingungen unterschieden sich damals deutlich von der heutigen Situation: Damals kaufte die Bank of Japan bereits seit einem Jahr Anleihen und die EZB tat es ihr ein paar Monate später nach. Heute jedoch ist die Bank of Japan die einzige große Zentralbank, die noch überschüssige Liquidität an die Märkte liefert. Die Fed dagegen erhöht die Zinsen sogar.

Hinzu kommt, dass der Anteil passiver Strategien und ETFs gestiegen ist. Passive Strategien machen heute rund 20 Prozent des Marktes aus. Vor 10 Jahren betrug ihr Anteil noch weniger als 5 Prozent. Und obwohl sie scheinbar eine liquide und relativ sichere Möglichkeit bieten, in eine zunehmend illiquide Anlageklasse zu investieren, könnten Vehikel wie ETFs die Kursschwankungen verstärken. Wenn Anleger beginnen, ETFs abzustoßen, oder wenn ein Ereignis wie eine Ratingherabstufung Zwangsverkäufe auslöst, können ETFs Anleihen auf den Markt werfen und so den bestehenden Abwärtsdruck noch verstärken.

Welche Folgen fehlende Liquidität auf den Märkten haben kann, zeigte sich Ende Mai, als der Markt verspätet auf den Sieg der populistischen Parteien in Italien reagierte: Innerhalb von weniger als zwei Wochen stiegen die Renditen italienischer Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit von 0,5 auf etwas weniger als 3 Prozent. Markteilnehmer weiteten aggressiv die Geld-Brief-Spreads aus, um überstürzten Ausverkäufen entgegenzuwirken. Verkäufer mussten Käufer finden, die bereit waren, auf ihre Positionen zu bieten – eine Art des Handels, die viel mühsamer war, als es auf den relativ liquiden Märkten für Staatsanleihen sonst üblich ist.

Eine solche Situation war Anlegern nicht vertraut. All das passierte, noch bevor die Europäische Zentralbank (EZB) ihr Anleiheankaufprogramm beendete, und dazu auch noch auf dem Markt für Staatsanleihen. Diese sind unter normalen Umständen nicht annähernd so anfällig für Liquiditätsengpässe wie Unternehmensanleihen. Solche heftigen Kursschwankungen dürften in ein paar Monaten jedoch häufiger und dramatischer werden. Wie können Anleger vermeiden auf Wertpapieren sitzen zu bleiben, die sie in der neuen, relativ liquiditätsarmen Umgebung nicht zu einem angemessenen Kurs verkaufen können? Dazu ein paar Denkanstöße.