Kunstsammlung als digitales Wertpapier Token vereinfachen Investitionen in illiquide Vermögenswerte

Karl im Brahm ist Deutschlandchef von Avaloq, einem Anbieter digitaler Banking-Lösungen, Kernbankensoftware und Vermögensverwaltungstechnologie. | © Avaloq

Karl im Brahm ist Deutschlandchef von Avaloq, einem Anbieter digitaler Banking-Lösungen, Kernbankensoftware und Vermögensverwaltungstechnologie. Foto: Avaloq

Ein Großteil aller Vermögenswerte gehört zur Gruppe der sogenannten nicht-bankfähigen oder illiquiden Vermögenswerte. Schätzungen sprechen von 40 Prozent aller Assets weltweit. Dazu zählen die meisten Immobilien ebenso wie Kunstwerke, Oldtimersammlungen oder Juwelen. Durch die Blockchain oder Distributed-Ledger-Technologie rückt diese Klasse der non-bankable Assets aber derzeit in den Fokus von Anlegern, Banken und Vermögensverwaltern. Denn die Beschäftigung mit Krypto-Anlagen erstreckt sich nicht mehr nur auf hochvolatile Kryptowährungen wie Bitcoin, sondern ebenso auf tokenisierte Assets.

Die Bafin bezeichnete schon im April 2019 die digitalen Tokens als Wertpapiergattung sui generis. Der deutsche Gesetzgeber darf inzwischen EU-weit eine Vorreiterrolle beanspruchen: Krypto-Assets haben bereits Eingang ins deutsche Kreditwesengesetz gefunden, und ihre Verwahrung ist heute eine lizenzpflichtige Finanzdienstleistung, für die eine Bafin-Lizenz erforderlich ist. Die neuen digitalen Wertpapiere erhöhen nicht nur die Effizienz im Handel, sie lassen sich auch in so kleinen Stückelungen ausgeben, dass eine viel breitere Kundenbasis Zugang zu diesen Produkten erhält – die Tokenisierung von Assets fördert die Demokratisierung des Wealth Managements.

Tokenisierte non-bankable Assets eröffnen für Anleger nicht nur interessante Renditechancen, sie verringern in Portfolios aus risikoreichen Anlagen in hochkorrelierten Volkswirtschaften auch das Risiko. Weil nicht-bankfähige Vermögenwerte aber typischerweise nur selten gehandelt werden, braucht es zur Preisfindung und zur Einschätzung des Kursrisikos einschlägiges Fachwissen – ob der Token nun Anteile an einem bestimmten Picasso-Gemälde oder an einer Luxusvilla am Starnberger See repräsentiert.

Doch Digitalisierung und künstliche Intelligenz unterstützen bei der Bewertung: Machine-Learning-Algorithmen und selbstlernende neuronale Netze können zwar ein entsprechendes Expertenwissen nicht vollständig ersetzen, aber sie verhelfen Anlegern und Vermögensverwaltern doch zu etwas mehr Unabhängigkeit von den Spezialisten, wenn es darum geht, Preise, mögliche Preisentwicklungen und Risiken zu beurteilen.

Kunst als nicht-bankfähiger Vermögenswert

Um die Fragen von Investition und Handel mit nicht-bankfähigen Vermögenswerten zu beleuchten, ist der Kunstmarkt ein guter Ausgangspunkt. Kunstsammlungen sind notorisch illiquide, und wird ein Kunstgegenstand auf dem aktuellen Markt verkauft, geschieht dies in der Regel zu 100 Prozent. Erst die Verbindung eines Kunstwerks mit digitalen Tokens ermöglicht es, die Ticketgröße des Investments nach Belieben zu verringern, zum Beispiel durch die Ausgabe von Security Tokens mit jeweils 0,01 Prozent des Gesamtwerts. Dies ist eine unerlässliche Bedingung dafür, dass ein liquider Markt für Sammler und Investoren entsteht – einer, der nicht den Verkauf des gesamten Werks verlangt. Um den Marktteilnehmern ein gemeinsames Eigentum an demselben Kunstwerk zu gestatten, gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Zunächst ist ein Modell vorstellbar, das einem geschlossenen Fonds ähnelt. Wird das Kunstwerk dann irgendwann in der Zukunft verkauft, werden die Eigentümer der Tokens ihren Anteilen entsprechend entschädigt. Alternativ ist vorstellbar, dass die Tokens frei auf einem Markt gehandelt werden. Jeder, der 51 Prozent der Tokenanteile besitzt, könnte die anderen Eigentümer zum Verkauf auffordern – bei Zahlung einer zuvor festgelegten Kontrollprämie über dem Marktwert der Tokens.