Jens Spudy im Gespräch „Wir müssen erklären, dass Family Office nicht gleich Family Office ist“

Jens Spudy: Der Family-Office-Pionier treibt die Entwicklung seines Spudy Family Office voran. | © Spudy Family Office

Jens Spudy: Der Family-Office-Pionier treibt die Entwicklung seines Spudy Family Office voran. Foto: Spudy Family Office

private banking magazin: Herr Spudy, vor rund einem Jahr haben sie mit dem Kauf der UBS-Tochter ICR einen kleinen Coup gelandet. Was ist seitdem passiert?

Jens Spudy: Wir haben heute 42 Mitarbeiter an den beiden Standorten Hamburg und Frankfurt, betreuen rund 150 Familien und Mandantenvermögen von mehr als elf Milliarden Euro. Zunehmend profitieren unsere Mandanten dabei von der erweiterten Dienstleistungspalette und den Synergien der Unternehmen, die unsere Leistungsfähigkeit nochmal deutlich gesteigert haben.

Ein Jahr später führen sie Spudy Invest, Spudy Real Estate und ICR unter der Marke Spudy Family Office zusammen. Ändert sich etwas an den Gesellschaften im Hintergrund?

Spudy: Die bisherige Spudy Invest haben wir umfirmiert zur Spudy Family Office. Die Marke Spudy steht ja für Family Office und so wollen wir Verwirrungen vermeiden. Der Verzicht auf das Wort „Invest“ grenzt uns besser ab von Investmentfirmen und anderen Dienstleistern. Ansonsten ist die Gesellschaftsstruktur gleichgeblieben.

Beim Vermögensreporting und -Controlling setzen Sie auf eine eigene Software-Lösung. Womit kann man in diesem Bereich beim Mandanten punkten?

Spudy: Wir setzen auf eine für uns maßgeschneiderte Lösung auf Basis der iComps-Plattform, reporten damit sämtliche Asset-Klassen vom liquiden Vermögen bis hin zu Immobilien und Direktbeteiligungen. Seit Jahresbeginn verwendet auch die ICR diese Software-Lösung anstelle des früheren Fame-Systems. Sie bietet über die bisherigen Möglichkeiten hinaus ein deutlich erweitertes Leistungsspektrum, wie zum Beispiel einen sicheren Online-Zugriff für Mandanten. Das wird zwar nicht von allen Mandanten genutzt, ist aber ein tatsächlich sinnvolles Feature, das sich von vielen eher fragwürdigen Spielereien wie zum Beispiel der mitunter propagierten Mandantenbetreuung per Whatsapp am Markt absetzt. Prinzipiell setzen wir aber auf die fortschreitende Digitalisierung und arbeiten an innovativen Lösungen.

Das Spudy Family Office will sich von einigen herkömmlichen Multi Family Office abgrenzen und mehr Single Family Office für mehrere Kunden sein. Können Sie etwas mit dem Begriff des Multi Single Family Office anfangen?

Spudy: Der Begriff Multi Single Family Office führt erstmal in die Irre, da ein Single Family Office ja allein einer Familie verpflichtet ist. Insofern kann es ja kein Multi Single Family Office geben.
Der maßgebliche Unterschied liegt aber in der Unabhängigkeit: Ein Single Family Office ist allein den Interessen des Mandanten verpflichtet und immun gegen Provisionen und ähnlichen Zusatzeinkünften. Bei Vermögensverwaltern gehören diese dagegen zum Geschäftsmodell, auch auf die Gefahr, mit den Mandanteninteressen zu kollidieren. Wir legen deshalb viel Wert darauf, genau wie ein Single Family Office zu agieren – nur eben für mehrere Mandanten.

Sie kehren mit der neuen Marke zum Family-Office-Begriff zurück, gelten selbst als einer der Family-Office-Pioniere in Deutschland. Wie kommt der Begriff Anfang der 1990er, wie heute bei der Zielklientel an?

Spudy: Leider ist der Begriff inzwischen ziemlich verwässert durch die Vielzahl ganz verschiedener Dienstleistungen, die unter dem attraktiven Family-Office-Label, oft als Königsdisziplin bezeichnet, vermarktet werden. Diese Entwicklung hat Vor- und Nachteile: Einerseits ist der Begriff heute viel bekannter und gebräuchlicher als früher, wir müssen auf der anderen Seite aber viel mehr erklären, was genau sich dahinter verbirgt und dass Family Office nicht gleich Family Office ist.