Hedgefonds unter der Lupe Wie ein Fonds mit Wandelanleihe-Arbitrage Gewinne erzielt

Online-Spieler daddeln ein Spiel aus dem Hause Garena: Die Wandelanleihe des Mutterkonzerns Sea Limited ist die größte Position im Lazard-Rathmore-Fonds. | © imago images / ZUMA Press / Anusak Laowilas

Online-Spieler daddeln ein Spiel aus dem Hause Garena: Die Wandelanleihe des Mutterkonzerns Sea Limited ist die größte Position im Lazard-Rathmore-Fonds. Foto: imago images / ZUMA Press / Anusak Laowilas

Manchmal ist es ein Jammer, dass interessante Fonds aus Platzgründen nicht mehr in eine Heftgeschichte passen. Ein Wandelanleihen-Arbitrage-Fonds, also damit ein waschechter Hedgefonds aus dem Hause Lazard Asset Management ist so ein Fall. Er hätte gut in die Geschichte über ausgefeilte Anleihestrategien in unserem Schwestermagazin DAS INVESTMENT gepasst. Weshalb wir ihn und den Managementansatz an dieser Stelle separat vorstellen.

Um es vorweg zu nehmen: Nein, auch der Lazard Rathmore Alternative Fund (ISIN: IE00BG1V1C27) ist nicht vor einem Absturz wie im März 2020 gefeit. Wie so viele andere Fonds auch, also geschenkt.

Nichtsdestotrotz liefert der Fonds in normalen Zeiten schön stetige Erträge, wie man es von einem defensiven Hedgefonds auch erwarten möchte. Nur wenn es an den Märkten kräftig rappelt, gibt eben auch er was ab. Dazu aber später mehr. Das Konzept des Fonds ist nicht ganz einfach, leuchtet aber auch ein. Denn Chef-Fondsmanager Sean Reynolds und Portfoliomanagerin Sarah George betreiben Arbitrage mit Wandelanleihen. Die meisten kommen aus den USA, was den Fonds zu einem Dollar-Fonds macht. Allerdings sind währungsgesicherte Anteilsklassen verfügbar. Nachteil ist, dass man – zumindest offiziell – erst ab einer Million Dollar Anlagesumme einsteigen kann.

Doch zunächst ein kleiner Exkurs:

Wandelanleihen sind festverzinsliche Papiere, die ein zusätzliches Recht enthalten. Der Anleiheinhaber darf sie nämlich in einem zuvor festgelegten Verhältnis in Aktien desselben Unternehmens umtauschen (wandeln). Damit sind es quasi Papiere mit einer eingebetteten Kaufoption auf die Aktien.

Dadurch bewegen sie sich auch mit dem Aktienkurs mit. Je höher der steigt, desto stärker steigt der Kurs der Wandelanleihe mit. Man sagt auch, dass der Aktiencharakter dann überwiegt. Der Buchstabe Delta drückt diese Korrelation in Form einer Prozentzahl aus. Bricht der Aktienkurs ein, verliert die Option rapide an Wert, das Delta sinkt damit kräftig, und es bleibt lediglich das Rückzahlungsversprechen aus der Anleihe. Immerhin. Das Ausmaß, wie sehr sich das Delta verändert, drückt man wiederum mit der Kennzahl Gamma aus.

Allerdings ergeben sich bei solch komplizierten Konstruktionen und engen Märkten immer auch Fehler bei den Preisen. Wandelanleihen können wahlweise zu teuer oder zu billig sein, was Reynolds und George für den Fonds nutzen wollen. Sie kaufen Wandelanleihen und sichern das enthaltene Aktienrisiko ab, indem sie die Aktien separat leerverkaufen. Solche sogenannten Short-Positionen sind bei Hedgefonds übliche Wetten auf sinkende Kurse. Dabei muss man aber hier speziell darauf achten, dass das Verhältnis stimmt, also das Delta. Reynolds und George betonen stets, dass sich ihr Fonds deltaneutral verhalten soll. Aber wenn man das Delta genau treffen will, muss man das Gamma beachten – ach, es ist nicht ganz einfach.