Gespräch mit Stadtwerke-Prokurist „Kreditnehmer können alternative Plattformen parallel nutzen“

Marcus Berghaus ist kaufmännischer Leiter bei den Stadtwerken Velbert.  | © Stadtwerke Velbert

Marcus Berghaus ist kaufmännischer Leiter bei den Stadtwerken Velbert. Foto: Stadtwerke Velbert

private banking magazin: Die Stadtwerke Velbert haben im August über den digitalen Kreditmarktplatz „Loanboox“ ein Bankendarlehen über 50 Millionen Euro aufgenommen. War diese Form der Kreditausschreibung für Sie Neuland?

Marcus Berghaus: Die Stadtwerke Velbert haben mit dieser Darlehensaufnahme gleich doppelt Neuland betreten. Da unser Unternehmen bisher ohne Fremdkapital wirtschaften konnte, war die Kreditaufnahme auch insofern eine Premiere. Mit Blick auf den Umfang des zu finanzierenden Ausbaus unseres lokalen Breitbandnetzes wollten wir eine möglichst große Gruppe potentieller Kreditgeber in die Ausschreibung involvieren. Gleichzeitig sollte der gesamte Prozess so transparent und effizient wie möglich ablaufen. Wenn mit dem Glasfaserausbau schon in die digitale Zukunft Velberts investiert wird, lag es nah, auch bei der Kreditvergabe digitale Wege zu beschreiten.

Mit dem Kredit finanzieren Sie den Ausbau des lokalen Breitbandnetzes und nutzen dabei auch Fördermittel. Hat das die Kreditverhandlungen auf Loanboox erschwert oder erleichtert?

Berghaus: Wir haben es den Kreditgebern freigestellt, ob sie Fördermittel bei ihrem Angebot berücksichtigen. Einzige Forderung war, dass uns die Förderbedingungen nicht in unseren strategischen Festlegungen behindern. Wir waren überrascht, dass mehrere Anbieter am Ende tatsächlich Angebote mit integrierter Fördermittelnutzung vorgelegt haben. Die Transparenz wurde so noch einmal deutlich erhöht, da beispielsweise Vergleiche zwischen unterschiedlichen Förderprogrammen möglich waren.

Die Entscheidung für die Nutzung von Fördermitteln hat dann lediglich den Abschlussprozess ein wenig verzögert, da der Förderantrag nachgelagert noch auf dem klassischen Wege gestellt werden musste. Loanboox arbeitet wohl aber bereits an einer verbesserten Einbindung und Abwicklung von Darlehen mit Fördermitteleinbezug. Insofern war unsere Ausschreibung auch ein wenig Neuland für Loanboox.

Eine überregional tätige Geschäftsbank hat von Ihnen den Zuschlag für das Darlehen erhalten. Sie hatte den besten Zinssatz für die Laufzeit von zehn Jahren abgegeben. Welcher Aufwand war unter dem Strich für Sie mit der Kreditaufnahme verbunden?

Berghaus: Der höchste Aufwand ist mit der Pflege des Profils auf Loanboox verbunden. Hier kommt es darauf an, möglichst alle relevanten Dokumente, die für potenzielle Kreditgeber von Interesse sein könnten, digital bereitzustellen, zum Beispiel Jahresabschlüsse, Wirtschaftspläne, Business Cases. Daneben haben wir uns mit einer vorgeschalteten indikativen Test-Ausschreibung noch einen kleinen Zusatzaufwand gemacht, um ein genaueres Gefühl für den Ausschreibungsprozess zu erhalten. Schließlich folgte dann die echte Finanzierungsanfrage. Hier mussten wir im Verlauf diverse Fragen von interessierten Kreditgebern beantworten. Dabei haben wir aus meiner Sicht einen deutlichen Aufwand einsparen können. Denn die Fragen wurden nur einmal gestellt, und unsere Antworten waren für alle Kreditgeber einsehbar.