Fonds für kommunale Anleger „Man kann nicht allen gerecht werden“

Adem Memis ist Fondsmanager bei der Deka.  | © Deka

Adem Memis ist Fondsmanager bei der Deka. Foto: Deka

private banking magazin: Dank der EZB-Politik sparen klamme Kommunen Millionen an Zinsen. Gleichzeitig sprudeln die Einnahmen aus der Gewerbesteuer. Für Kämmerer bedeutet das den sicheren Anlagenotstand. Wie passt das zum Deka-Fonds für kommunale Anleger?

Adem Memis: Der Deka-Kommunal Euroland Balance wurde am 17. Juni 2002 aufgelegt. Seit Auflage lehnen sich die Anlagerichtlinien des Fonds an die Gemeindehaushaltsverordnung von Baden-Württemberg, kurz GemHVO, beziehungsweise dem darauf aufbauenden „Muster einer Anlagerichtlinie nach GemHVO“ an. Die Portfoliosteuerung erfolgt über einen seit 20 Jahren erfolgreich eingesetzten quantitativen Ansatz, der auf monatlichen Prognosen aller relevanten Anlageklassen beruht und einen besonderen Fokus auf ein – den kompletten Investmentprozess begleitendes – aktives Risikomanagement legt.

Sind Aktien Teil der Strategie? 

Memis: Die aktuellen Anlagerichtlinien des Deka-Kommunal Euroland Balance ermöglichen Aktieninvestments bis zu einer Maximalquote von 30 Prozent des Fondsvermögens. Anleihen im Fonds müssen ein Mindestrating von AA- haben. Für Aktien und Anleihen sind nur Unternehmen/Emittenten aus Euroland und nur in der Währung Euro zugelassen.

Das anhaltende Niedrigzinsumfeld und die sehr restriktiven Anlagerichtlinien führen aktuell zu Herausforderungen bezüglich der zukünftigen Renditemöglichkeiten des Fonds. Wir sind an dieser Stelle ständig bestrebt, die Anlagerichtlinien des Fonds im Spannungsfeld zwischen den kommunalen Vorgaben und den aktuellen Marktgegebenheiten bestmöglich auszugestalten und stehen hierzu auch im Austausch mit kommunalen Spitzenverbänden und deren Aufsichtsbehörden.

Was heißt das genau?

Memis: Die Zielsetzung dieser Bestrebungen und Gespräche ist es, die Performance-Chancen des Fonds im aktuellen Marktumfeld unter Berücksichtigung entsprechender kommunaler Vorgaben zu verbessern beziehungsweise zu optimieren. Da für viele Kommunen seit einigen Jahren neben der Rendite auch Anlagen unter Berücksichtigung von ESG-Kriterien an Bedeutung gewinnen, werden auch diese Aspekte im Rahmen der aktuellen Gespräche geprüft und berücksichtigt.

Wollen Sie weitere Fonds für kommunale Anleger auflegen?

Memis: Neben dem Publikumsfonds Deka-Kommunal Euroland Balance verwalten wir per 31. März 2019 für Kommunen beziehungsweise kommunale Unternehmen circa 1,2 Milliarden Euro in Pool- beziehungsweise Spezialfonds. Die Anlagerichtlinien dieser Fonds folgen – neben den jeweiligen gesetzlichen Restriktionen wie zum Beispiel den Haushaltsverordnungen – den individuellen Kundenwünschen. Daher sind die Fonds sehr heterogen bezüglich der Anlageuniversen, zum Beispiel Euroland vs. Global, Anzahl der investierbaren Asset-Klassen, Maximalgewichte pro Asset-Klasse, Mindestratings. Auch das Thema Nachhaltigkeit wird je nach Kundenvorgabe unterschiedlich berücksichtigt.

Kommunale Anleger achten vor allem auf Sicherheit und weniger auf Rendite. Arbeiten Sie mit Risikobudgets und Schutzmechanismen, um das Kapital vor größeren Verlusten zu schützen?

Memis: Im Deka-Kommunal Euroland Balance liegt genau aus diesem Grund ein sehr starker Fokus auf dem Risikomanagement. Die Anlagerichtlinien mit einer maximalen Aktienquote von 30 Prozent, einem Mindestrating von AA- sowie der Ausschluss von Fremdwährungsrisiken verdeutlichen bereits den konservativen Charakter des Fonds. Ein weiteres Grundmerkmal des Fonds ist das Ausnutzen von Diversifikationsvorteilen durch das Investieren in verschiedene Asset-Klassen und innerhalb der Asset-Klassen in eine hohe Anzahl von Wertpapieren.

Weiterhin berücksichtigt der zugrundeliegende quantitative Prozess für den Fonds beispielsweise bei der Prognose von Marktrenditen und der darauffolgenden Portfoliooptimierung – neben den üblichen Risiken – auch die Variabilität in der Prognosegüte und passt die Positionen im Fonds entsprechend an. Eine dynamische Value-at-Risk-Steuerung im Rahmen der Portfoliooptimierung reduziert zusätzlich die Risiken und dient dem Bestreben mit einer hohen Wahrscheinlichkeit mittelfristig das Kapital mindestens zu erhalten. Eine weitere Komponente unseres Risikomanagements ist die dynamische Wertsicherung, die insbesondere in unseren Pool- und Spezialfonds Verlustrisiken für die Kunden minimiert.

Wie sieht ein Fonds aus, der allen kommunalen Anlegern gleichermaßen „passt“ und ihre Anlagerestriktionen unter einen Hut bringt?

Memis: Durch unterschiedliche gesetzliche Rahmenbedingungen und unterschiedliche finanzielle Spielräume der Kommunen ist es nicht möglich, mit einem Fonds allen kommunalen Anlegern gerecht zu werden. Der Deka-Kommunal Euroland Balance als Publikumsfonds deckt zwar eine hohe Anzahl, aber bei weitem nicht alle Anlagerestriktionen kommunaler Anleger ab. Pool- und Spezialfonds bieten Möglichkeiten der kundenindividuellen Anlage. Diese Möglichkeit nutzen, wie oben beschrieben, bereits jetzt viele unserer kommunalen Anleger. 


Über den Interviewten: 
Adem Memis ist Anlagespezialist bei der Fondsgesellschaft Deka Investment. Steckenpferd des Diplom-Kaufmanns Memis, der auch auf berufliche Stationen bei Union Investment und Lupus Alpha zurückblickt, sind quantitative Anlagekonzepte.