Interview mit Berater Karl Heinz Krug „Ein Fintech kann ein sehr valider Partner sein“

Karl Heinz Krug berät Finanzministerien rund um die Digitalisierung.  | © Michael Kolb

Karl Heinz Krug berät Finanzministerien rund um die Digitalisierung. Foto: Michael Kolb

private banking magazin: Herr Krug, Sie beraten Finanzministerien des Bundes und der Länder in Fragen der Digitalisierung. Das klingt nach einer Mammutaufgabe.

Karl Heinz Krug: Die öffentliche Verwaltung durchläuft einen massiven Transformationsprozess. Denn die Prozesse der Verwaltung werden im Zuge der Digitalisierung umgestellt. Das ist in der Tat ein großes Vorhaben.

Wie gehen Ihre Kunden dabei vor?

Krug: Die Behörden wollen die Verwaltung auf die Wünsche der Bürgerinnen und Bürger zuschneiden. Ein Treiber für den Transformationsprozess ist das Gesetz zur Verbesserung des Onlinezugangs zu Verwaltungsleistungen, das sogenannte Online-Zugangsgesetz aus dem Jahr 2017. Damit sollen den Bürgern insgesamt 575 Verwaltungsdienstleistungen auf einem einheitlichen Portal bereitgestellt werden. Die öffentliche Verwaltung schafft damit aber auch die Grundlage, interne Prozesse effizienter zu gestalten.

Welche Aspekte sind Ihren Kunden dabei besonders wichtig?

Krug: Eine Aufgabe besteht beispielsweise darin, die Künstliche Intelligenz in bestehende Systeme einzubauen. Aber auch Authentifizierungslösungen im Bereich der Blockchain-Technologie müssen im Angebot der öffentlichen Verwaltung integriert werden. Dazu müssen regulatorische Vorgaben und der Rechtsrahmen geschaffen werden.

Spielen die Blockchain-Technologie und die Künstliche Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung der Zukunft eine Rolle? Oder reden wir bestenfalls von Versuchsballons?

Krug: Wir sind als Beratungsunternehmen in der Umsetzungsberatung involviert. Das heißt, wir sind diejenigen, die Lösungen realisieren und implementieren. Es geht also weniger um Versuchsballons, sondern um konkrete Umsetzungsthemen.

Die Digitalisierung bringt neue Geschäftsmodelle mit sich. Zum Beispiel Plattformen, die Kommunen mit Refinanzierungsbedarf und institutionelle Investoren zusammenbringen. Was halten Sie als ehemaliger Kämmerer davon?

Krug: Plattformen für Kommunen sind ein großes Thema. Ihre Bedeutung wird nach meiner Einschätzung deutlich zunehmen. Denn sie schaffen Transparenz und ermöglichen es, alle Anbieter zu bündeln. Gleichzeitig sind Plattformen auch eine Bedrohung für etablierte Anbieter. Denn eine Plattform kann zu einer Marktkonzentration führen, wenn sich immer mehr Angebot und Nachfrage auf der Plattform bündelt. Dann kommt man als Unternehmen nicht mehr an einer solchen Plattform vorbei.

Wir sehen das beispielsweise in Teilen des Online-Handels oder bei Online-Hotelreservierung. Damit kommt es zu einer Quasi-Monopolstruktur. Plattformen können dazu führen, dass die Gewinnmargen der darauf vertretenen Unternehmen drastisch sinken.