Geldanlage in volatilem Umfeld Vor dem Aufstocken erst einmal abwarten

Babak Kiani, Co-Head Portfolio Management bei HSBC Global Asset Management (Deutschland): „Der weltweite Konjunkturzyklus hat seinen Höhepunkt überschritten.“ | © HSBC Global Asset Management

Babak Kiani, Co-Head Portfolio Management bei HSBC Global Asset Management (Deutschland): „Der weltweite Konjunkturzyklus hat seinen Höhepunkt überschritten.“ Foto: HSBC Global Asset Management

Die Berichtssaison zum ersten Quartal bestätigte das bisherige Bild einer intakten globalen Konjunkturentwicklung. Und dennoch: Das fundamentale Umfeld für die Aktienmärkte präsentiert sich zwar weiter robust, aber weniger positiv als noch zu Jahresbeginn. Der weltweite Konjunkturzyklus hat seinen Höhepunkt überschritten.

Dafür sprechen eine Reihe konjunktureller Frühindikatoren, die bereits seit Jahresbeginn an Momentum verlieren. Und auch wenn vom Zinsmarkt kurzfristig keine großen Gefahren ausgehen mögen – am langsamen Ende der seit Jahren expansiven Geldpolitik gibt es kaum Zweifel. Mit dem nahenden Finale der Berichts- und Dividendensaison nähert sich zudem der derzeitige Impulsgeber, sprich gute Unternehmensberichte, seinem Ende.

Volatilität dürfte in den kommenden Wochen nicht abnehmen

Die Handelskonflikte zwischen den USA einerseits und Europa und China andererseits sind zwar in Teilen aufgeschoben, aber eben nicht aufgehoben. Die sich daraus ergebende Unsicherheit hat schon für sich genommen das Zeug, je nach Nachrichtenlage für entsprechende Volatilität an den Märkten zu sorgen. Mit der – entgegen allen Bemühungen europäischer Regierungen – letztlich doch erfolgten Kündigung des Atomabkommens mit dem Iran durch die USA gesellt sich zudem ein weiterer in seinen Auswirkungen nur schwer kalkulierbarer potenzieller Belastungsfaktor hinzu. Die jüngst merklich anziehenden Ölpreise mögen hier ein Vorbote sein. Sie könnten womöglich auch das Zinsbild weiter negativ beeinflussen und je nach Fortgang der Episode ebenfalls zur Quelle der Unsicherheit werden. In diesem Umfeld ist es schwer zu sehen, weshalb die Volatilität in den kommenden Wochen nennenswert sinken sollte.

Am langsamen Ende der seit Jahren expansiven Geldpolitik gibt es kaum Zweifel. Dieses Bild beschreibt unseres Erachtens die gegenwärtige Lage recht gut: Aktionäre sind gefangen zwischen (noch) guten Konjunktur- und Gewinnzahlen auf der einen und seit Jahresbeginn vermehrt auftretenden potenziellen Belastungen vor allem auf politischer Ebene auf der anderen Seite. Dies allein kann schon Grund genug sein, Risikopositionen nicht unbedacht aufzustocken.

Steigender Ölpreis belastet einzelne Marktsegmente deutlich

Nun gewinnt zudem der seit Anfang 2016 annähernd verdreifachte Ölpreis hinzu. Hierzu trägt nicht nur die global anhaltend hohe Nachfrage bei. Auch die Produktionskürzungen der größten Förderstaaten wirken preistreibend, ebenso wie die kollabierende Förderung in Venezuela, während die Effekte der Sanktionen auf die iranische Produktion noch nicht ganz klar zu sein scheinen.

Es ist schwer, im gegenwärtigen Umfeld starke Argumente für wieder spürbar rückläufige Ölpreise zu finden. Bleiben diese auf dem aktuellen Niveau, von weiter anziehenden Werten einmal ganz zu schweigen, werden bestimmte Marktsegmente teils merklich belastet. Hierzu zählt sicher die Mehrzahl der entwickelten Volkswirtschaften, die allesamt auf große Importmengen angewiesen sind.

Angesichts hoher Ölinputkosten sollte deren Einfluss auf Verbraucherpreise und Konsumentenverhalten nicht unterschätzt werden. Der nächste Winter kommt bestimmt. Unter den aufstrebenden Volkswirtschaften wird es hingegen nicht nur Belastete, sondern auch Nutznießer geben: Saudi-Arabien, Mexiko, Russland seien als offensichtliche Profiteure genannt – Indien, Südkorea und die Türkei als Leidtragende.

Wir gehen zwar nicht davon aus, dass die großen Zentralbanken ihre bekannten Pfade nun allein mit Blick auf die Ölpreise verlassen werden. Eine unmittelbare geldpolitische Relevanz sollte diesem Faktor somit nicht beigemessen werden. Aber: Konsumausgaben als eine wesentliche Konjunkturstütze können unter hohen Ölpreisen ebenso leiden wie Gewinnmargen durch höhere Faktorkosten. Eventuelle Zweitrundeneffekte in Gestalt von Beschäftigungswirkungen eingeschlossen.