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Flossbach von Storch zum Aktienmarkt Was für eine anhaltende Börseneuphorie spricht

Börsenhändler in Chicago: Beim S&P 500 folgt auf ein überragendes Aktienjahr selten ein Jahr mit negativem Vorzeichen.

Börsenhändler in Chicago: Beim S&P 500 folgt auf ein überragendes Aktienjahr selten ein Jahr mit negativem Vorzeichen. Foto: Getty Images

Thomas Lehr ist Kapitalmarktstratege bei Flossbach von Storch

Manchmal kann es sich lohnen zurückzublicken. Zumindest, wenn man dabei etwas für die Zukunft lernen kann. Das vergangene Jahr war (für viele Marktteilnehmer vielleicht überraschend) eines der besten Börsenjahre seit Beginn der Aufzeichnungen.

Der US-Aktienindex S&P 500 beendete 2019 inklusive Dividenden mit einem Plus von 31,5 Prozent. Damit zählt das Jahr zu den zwanzig besten US-Börsenjahren der vergangenen 90 Jahre (vgl. Grafik). Seit der Jahrtausendwende legte der breite US-Aktienmarkt nur 2013 noch stärker zu (+32,4 Prozent). Das beste Jahr seit Aufzeichnung war 1954 (+52,3 Prozent) – eines der Börsenwunderjahre nach dem 2. Weltkrieg, in dem US-Aktien erstmals wieder das Allzeithoch der Börseneuphorie vor dem großen Crash im Jahr 1929 überwanden.

Nicht wenige Anleger fürchten, die positive Entwicklung des vergangenen Jahres habe bereits zu viel vorweggenommen. „Geliehene Wertentwicklung“ sozusagen. Dass aber auf ein gutes Börsenjahr nicht zwangsläufig ein schlechtes folgen muss, zeigt der Blick in den Rückspiegel. In etwa 70 Prozent der Fälle war auch das Vorzeichen im Jahr danach positiv. Durchschnittlich brachte das „Jahr danach“ einen Ertrag von etwa zehn Prozent; der Median liegt sogar bei zwölf Prozent. All das liegt nahe am Schnitt der gesamten Historie, die beim S&P 500 in das Jahr 1928 zurückreicht.

Turbulenzen nach der Rally?

Im Umkehrschluss bedeutet das: In lediglich sechs Fällen folgte beim S&P 500 auf ein Aktienjahr, dass sich unter die „Top 20“ einreiht, ein Jahr mit negativem Vorzeichen. Natürlich ist die historische Wertentwicklung kein Indikator für die zukünftige Entwicklung.

Dass Anleger aber von einem guten Börsenjahr eine Skepsis für das folgende Börsenjahr ableiten, mag menschlich nachvollziehbar sein. Belegbar ist diese Skepsis nicht.

Ohnehin bringt der Blick auf Kalenderjahre langfristigen Anlegern wenig. Wer zwischenzeitlich Schwankungen aussitzt, kann seit 1950 auf goldene Börsendekaden zurückblicken. Wer 20 Jahre investiert war, erzielte mit US-Aktien seit 1930 im Schnitt eine Wertentwicklung von 11,8 Prozent, jährlich. In keinem 20-Jahreszeitraum gab es Verluste, im schlechtesten Fall gab es 5,6 Prozent p.a.

Besser langfristig investieren

Der lange Blick zurück lehrt uns, dass die Betrachtung relativ kurzer Zeiträume wenig bringt, temporäre Schwankungen kaum vorhersehbar sind und der Kursverlauf nicht immer den wahren Wert von Unternehmen abbildet. Fokussieren wir uns lieber auf die großen Trends. Auf dauerhaft niedrige Zinsen, den technologischen Fortschritt und ein langfristig moderates Wirtschaftswachstum. All das spricht unseres Erachtens langfristig für Aktien.

Trotz des guten Börsenjahres 2019 sind US-Aktien übrigens historisch gesehen immer noch nicht teuer. Die Bewertung der Aktien ist mit Blick auf die Gewinnentwicklung der Unternehmen und Börsennotierungen heute nicht höher als vor 30 Jahren.

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