Family Office in der Praxis, Teil 5 Wie Family Offices Inhaberfamilien zusammenhalten

Alexander Koeberle-Schmid von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG: Familienchartas fassen Vereinbarungen zusammen, die den Fortbestand als Unternehmerfamilie sichern.  | © KPMG

Alexander Koeberle-Schmid von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG: Familienchartas fassen Vereinbarungen zusammen, die den Fortbestand als Unternehmerfamilie sichern. Foto: KPMG

Das Unternehmen ist verkauft, ein Family Office gegründet. Während der Inhaber früher durch die Werkshallen ging und mit Mitarbeitern sprach, besucht er heute das Family Office in einem gläsernen Bürogebäude, das in jeder beliebigen Stadt stehen könnte. Es geht nicht mehr um Kundenbedürfnisse, die neue Verpackung oder wie sich Produktionslinie verbessern ließe, sondern um Kursziele, Renditechancen, Kaufen und Verkaufen – und das vielleicht sogar im Sekundentakt.

Geld allein macht nicht glücklich. Denn es stiftet für sich genommen keinen Sinn. Auch wenn es in anderen Unternehmen sinnvoll und nachhaltig investiert ist, stellt sich am Ende die Frage, wie der Zusammenhalt der Familie und ihre Verbundenheit zum Family Office gestärkt werden können. Fünf Ansätze sind dabei denkbar, um diese Bindung zu festigen. Dabei kann das Family Office federführend unterstützen.

Sinn stiften

Ist das Unternehmen einmal verkauft, fehlt auf einmal das Ziel, ein Familienunternehmen über Generationen hinweg erfolgreich zu führen. Wenn das Vermögen seit vielen Jahren nur über ein Family Office gemehrt wurde, steigt zwar die Vermögensbilanz. Die emotionale Verbundenheit, das Sinnstiftende, bleibt dabei jedoch außen vor.

Hier kann der Family Officer eingreifen und Lösungen für ein gemeinsames Miteinander entwickeln, die den Übergang zwischen den Generationen vereinfachen und die Familie zusammenhalten. Dafür ist es ratsam, als Familie eine gemeinsame Vision und Ziele zu erarbeiten – sowohl für das Family Office, als auch für die Inhaberfamilie.

Auch mit der Dokumentation von Geschichte in Form von Narrativen wird Sinn und Identität gestiftet: Eine mit Anekdoten, Bildern und Portraits angereicherte Familiengeschichte in Form einer Familienchronik kann den Zusammenhalt fördern, indem dadurch an gemeinsame Erlebnisse und gemeinsame Werte erinnert wird.

Eine große Bindungswirkung hat auch gemeinnütziges Engagement, unter anderem in Form einer Stiftung, durch die soziale Projekte unterstützt werden. In diesem Rahmen sollte jedes Familienmitglied eingebunden werden, indem es neue Projekte vorschlägt, als Pate fungiert und die Projekte aktiv vorantreibt.