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Börsengang des chinesischen Tesla-Rivalen Nio in New York: Nicht nur in China tüfteln innovative Elektroauto-Anbieter an der Zukunft der Mobilität

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Mitte September ist die Daimler-Aktie in die Nähe ihres Fünf-Jahres-Tiefs abgerutscht. Daimler-Chef Dieter Zetsche hat alle Hände voll zu tun, um den weltgrößten Premiumhersteller in eine aussichtsreiche Zukunft zu führen.

Um das zu schaffen, hat der Vorstandschef den größten Konzernumbau der Unternehmensgeschichte auf den Weg gebracht. Dazu soll die Daimler ab dem Jahr 2020 in drei eigenständige Sparten aufgespalten werden: Pkws und Vans sollen unter Mercedes-Benz gebündelt werden. Lastwagen und Busse unter Daimler Truck. Die Finanzdienstleistungssparte soll unter Daimler Mobility firmieren. Das Management verspricht sich von selbstständigen Sparten mehr Beweglichkeit. „Daimler formiert sich technologisch, kulturell und jetzt auch strukturell bestmöglich für die Zukunft“, sagte Zetsche. Die Aktionäre sollen auf der Hauptversammlung im Mai 2019 über die neue Struktur abstimmen.

Daimler schraubt Prognose für das Pkw-Geschäft nach unten

Die angespannte aktuelle Geschäftsentwicklung zeigt, vor welchen großen Herausforderungen Daimler steht. „Der Gegenwind ist enorm“, sagte Zetsche bei der jüngsten Vorlage der Halbjahreszahlen unmissverständlich. Zwar hat der Konzern im zweiten Quartal den Absatz ein wenig gesteigert, allerdings war der Umsatz leicht gesunken. Zudem brach der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 30 Prozent ein. Daimler musste in China höhere Rabatte gewähren, weil Kunden die sinkenden Zölle auf Autos aus Europa für Preisverhandlungen genutzt hatten, die Marge im Pkw-Geschäft fiel auf 8,4 Prozent. Das Unternehmen hat zudem damit zu kämpfen, dass es bei Pkws und kleinen Nutzfahrzeugen bei der Umstellung auf die neuen WLTP-Abgastests (Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure) hinterherhinkt. Dieses neue Prüfverfahren soll den tatsächlichen Spritverbrauch besser ermitteln als vorherige Tests. Durch die Verzögerung bei der Umstellung werden einige Modelle im dritten Quartal nicht verfügbar sein, erst im vierten Quartal soll Besserung eintreten. Das Ebit des Pkw-Geschäfts werde im dritten Quartal „deutlich“ unter dem Vorjahresniveau liegen, kündigte Zetsche an.

BMW spürt Margendruck

Im Gegensatz zu Daimler hat der zweitgrößte Premiumhersteller BMW keine wesentlichen Probleme mit WLTP. Zuletzt haben die Münchner ihre Gewinnprognose bestätigt, was kurzfristig für Erleichterung bei Anlegern gesorgt hat. Gleichzeitig will der Konzern beim Gewinn vor Steuern das Vorjahresniveau von 10,7 Milliarden Euro erreichen. Finanzchef Nicolas Peter warnte allerdings, dass er bei einer Verschlechterung des Umfelds, etwa bei Strafzöllen, Effekte auf den Ausblick nicht ausschließen könne.

Nachdem China im Juli die Strafzölle auf in den USA hergestellte Autos auf 40 Prozent erhöht hatte, hob BMW Ende Juli die Preise in China für die in den USA produzierten SUV-Modelle X5 und X6 um vier bis sieben Prozent an. Da BMW damit allerdings bei Weitem nicht den US-Zolleffekt wettmachen kann, werde dieser den Gewinn im laufenden Jahr um einen niedrigen bis mittleren dreistelligen Millionenbetrag drücken. BMW baut im Werk in Spartanburg (South Carolina) die Geländewagen der X-Reihe. Rund 100.000 von ihnen gingen 2017 nach China, auf die nun höhere Zölle zu zahlen sind. Außerdem belasten die vom Handelskonflikt befeuerten Rohstoffpreise auf Stahl und Aluminium den Konzern. Daraufhin ging die operative Marge im Pkw-Bereich im zweiten Quartal 2018 auf 8,6 Prozent zurück.

BMW will durch eine asiatische Produktion den chinesischen Strafzöllen ausweichen. So baut der Hersteller in seinem Werk in Thailand die Modelle der 3er, 5er und 7er Serie aus importierten Teilesätzen und Bauteilen aus lokaler Produktion zusammen. Zudem will BMW im laufenden Jahr die Investitionen in neue Technologien, wie Elektroautos und autonomes Fahren, von 6,1 Milliarden auf rund 7 Milliarden Euro steigern. „Wir bereiten uns konsequent auf die Anforderungen der Zukunft vor“, kommentierte Vorstandschef Harald Krüger. Die BMW-Aktie hat in diesem Jahr zwar weniger stark gelitten als Daimler, aber auch dieser Titel hat den Rückwärtsgang eingelegt.