Disruption nach 130 Jahren Globale Autoindustrie setzt auf E-Autos

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Volkswagen mit angezogener Handbremse

Wie Daimler hat der weltgrößte Autobauer Volkswagen erhebliche Probleme mit WLTP, was die Auslieferungen und den Gewinn im laufenden Quartal belastet. „Wir werden über drei Monate voraussichtlich 30 bis 50 Prozent weniger Varianten anbieten können“, so Vorstandschef Herbert Diess. Die Belastung durch die WLTP-Umstellung könnte im laufenden Jahr mehr als 1 Milliarde Euro betragen. „In den kommenden Quartalen liegen große Anstrengungen vor uns – vor allem im Hinblick auf die Umstellung auf den neuen WLTP-Prüfzyklus. Auch der wachsende Protektionismus stellt die global vernetzte Automobilindustrie vor große Herausforderungen“, betonte Diess. Das spiegelt sich auch im Aktienkurs wider: Er weist in diesem Jahr ein sattes zweistelliges Minus aus.

Volkswagen muss ebenfalls kräftig in Elektroautos und schadstoffärmere Verbrennungsmotoren investieren, liegt der Konzern doch im Schnitt noch immer mehr als 20 Gramm CO2 über den Vorgaben der EU für 2020. „Das ist eine enorme Belastung, die in die Milliarden geht“, sagte Diess. Volkswagen will in den nächsten Jahren insgesamt 34 Milliarden Euro in Elektromobilität, autonomes Fahren und Digitalisierung investieren – das wird auf die Profitabilität drücken. Der Konzern möchte 2020 eine operative Marge von 6,5 bis 7,5 Prozent erwirtschaften. Im laufenden Jahr soll der gleiche Wert erreicht werden, allerdings vor Sonderfaktoren, zu denen vor allem die Belastungen aus der Diesel-Affäre gehören.

Continental-Chef: Autoindustrie vor dem tiefgreifendsten Wandel in ihrer Geschichte

Doch nicht nur die drei großen deutschen Autobauer stehen vor enormen Herausforderungen aufgrund gestiegener Regulierungsanforderungen und des Trends zu Elektroautos. Laut einer Studie der Beratungsfirma KPMG steht das Thema E-Mobilität auch ganz oben auf der Agenda der Automobil-Zulieferer.

„In der kommenden Dekade und danach durchläuft die Automobilindustrie weltweit den größten und tiefgreifendsten Wandel ihrer über 130 Jahre alten Geschichte“, bilanzierte Continental-Chef Elmar Degenhart. „Wir gehen diesen Wandel frühzeitig und vorausschauend an“, so der Firmenchef. Dazu werde die Antriebssparte zu Beginn des Jahres 2019 abgespalten, ein Teilbörsengang sei ab Mitte 2019 möglich. Die Sparte enthält die Technik rund um Verbrennungsmotoren, aber auch Teile für die Elektroantriebe.

„Conti zieht damit den Stecker beim Verbrennungsmotor“, urteilt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer über den Schritt. Der Umbau bei Continental sei auch ein Weckruf für andere Zulieferer. Treiber der Entwicklung ist nicht zuletzt China: Der Vorreiter bei E-Autos hat für alle Hersteller mit nennenswerten Umsätzen in China ab 2019 verpflichtende Mindestziele für E-Autos gesteckt. Wer diese Quoten nicht erfüllt, muss empfindliche Strafen zahlen.

Wie umweltfreundlich sind Elektroautos?

Allerdings kritisieren etliche Experten, dass Elektroautos nicht so umweltfreundlich seien wie häufig angenommen. Wenn der Strom für den Betrieb der Fahrzeuge statt aus erneuerbaren Energien mithilfe fossiler Brennstoffe produziert wird, entsteht für die Umwelt keine Entlastung. Darüber hinaus ist die Produktion der Akkus für Elektroautos offenbar deutlich umweltschädlicher als bislang angenommen. Laut einer Studie des schwedischen Umweltministeriums entstehen bei der Herstellung pro Kilowattstunde Speicherkapazität hohe Kohlendioxid-Äquivalente, die der Umwelt schaden. Der Studie zufolge kann ein Fahrzeug mit herkömmlichem Verbrennungsmotor acht Jahre gefahren werden, bevor es die Umwelt so stark belastet wie die Produktion des reichweitenstärksten Akkus für das Model S, der 750 Kilogramm wiegt. Fortschritte bei der Akkuproduktion sollen dieses Problem in den kommenden Jahren lösen.