Halbjahresausblick von HSBC Risikoscheu zwingt Anleger hinter strategische Rückzugslinien

Bronzeskulptur in der Wall Street, New York: Bullishe Marktkräfte erlahmen  | © Getty Images

Bronzeskulptur in der Wall Street, New York: Bullishe Marktkräfte erlahmen Foto: Getty Images

Jörg Scherer, Leiter des Teams Technische Analyse bei HSBC

Internationale Aktienmärkte

Vorab ein kurzer Rückblick: Die Aktienmärkte waren 2017 von einer extrem ruhigen, gleichmäßigen Aufwärtsentwicklung geprägt. So schwankungsarm hat sich 2018 bislang nicht entwickelt. Beispiel: Während der S&P 500 2017 nur an acht Handelstagen um mehr als 1 Prozent nach oben oder unten von seinem Vortagesschlusskurs abwich, war dies im bisherigen Jahresverlauf bis Ende Juni bereits 36 Mal der Fall.

Aufgrund der ungewöhnlich langen Haussephase seit März 2009 sollten die Bäume zukünftig nicht mehr in den Himmel wachsen. Dazu passen die im bisherigen Jahresverlauf realisierten Wertentwicklungen. So konnte der S&P 500 zwar um 1,61 Prozent zulegen. Investoren im Dow Jones (-2,04 Prozent), Euro Stoxx 50 (-4,96 Prozent) und Dax (-5,73 Prozent) mussten hingegen Kursverluste hinnehmen.

Aus charttechnischer Sicht war es zu Jahresbeginn noch zu früh, um ein unmittelbares Ende der Hausse zu prognostizieren. Inzwischen sind die internationalen Aktienmärkte wieder einen Schritt weiter als im Januar – idealer Ausgangspunkt für unsere nun folgenden Überlegungen zum zweiten Halbjahr 2018.

Stoxx Europe 600 (monthly): Wahrscheinlichkeit für einen Ausbruch nach unten steigt

Seit über einem Jahr läuft der Stoxx Europe 600 seitwärts. Im Mai hatte das Aktienbarometer einen klassischen „shooting star“ ausgeprägt, also ein bärisches Signal, das einen Umkehrpunkt anzeigt. Auch im Juni bot sich ein ähnliches Kursmuster.

Damit wird zum vielfach wiederholten Mal die Relevanz der Widerstandszone bei 401/408/415 Punkten untermauert. Diese Marken definieren die Schlüsselbarrieren, um die Seitwärtsphase der vergangenen 20 Jahre zu beenden. Aufgrund der negativen Candlestick-Muster erscheint eine bullishe Auflösung des Konsolidierungsmusters aber eher unrealistisch. Vielmehr steigt die Gefahr einer kurzfristigen Toppbildung.

Deshalb sollten Anleger die Nackenzone der möglichen oberen Umkehr aus dem Aufwärtstrend seit Herbst 2011, der 38-Monats-Linie (aktuell jeweils bei 368 Punkten), einem Fibonacci-Level (367 Punkte) sowie dem Tief vom August vergangenen Jahres (366 Punkte) unbedingt beachten. Ein Abgleiten unter diese Bastion würde eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation mit einem Abschlagspotenzial bis rund 320 Punkte vervollständigen. Fast noch schwerwiegender im Fall einer negativen Weichenstellung ist das dann steigende Risiko einer größeren Toppbildung.

Wenngleich per Saldo immer noch ein „Make-or-Break“-Szenario vorherrscht – die Wahrscheinlichkeit für einen Ausbruch nach unten nimmt zu. Deshalb sollten Anleger die Kumulationszone bei 365 Punkten als strategische Absicherung auf der Unterseite heranziehen.