Die große Furcht der Aktien-Investoren Bärenmärkte oder der letzte Akt im Anlagezyklus

Bulle und Bär vor der Frankfurter Börse: Die Übergänge zwischen Hausse und Baisse sind schwer zu interpretieren. | © Deutsche Börse AG

Bulle und Bär vor der Frankfurter Börse: Die Übergänge zwischen Hausse und Baisse sind schwer zu interpretieren. Foto: Deutsche Börse AG

Das Börsenjahr 2018 war schon im frühen Verlauf enttäuschend. Zum Jahresende ging es an den Märkten jedoch richtig rund. Wir erlebten einen der schwärzesten Dezember aller Zeiten. Bisher konnte sich die Investment-Community doch sonst immer auf eine Jahresendrally einstellen und freuen. Oben drauf kam dann noch die böse Bescherung der Wall Street an Heiligabend. In der Nacht zum ersten Weihnachtsfeiertag erwischte es dann gar nicht so weihnachtlich-friedlich den japanischen Leitindex Nikkei mit einer im doppelten Wortsinne schwarzen Kerze – unter Chart-Analysten ein sehr negatives Zeichen. Das Jahr voller Hektik, Streit und Widersprüchen zeigt beim Blick über den Globus am Ende eine seltene Einmütigkeit, leider keine schöne: Tiefrote Aktienbörsen prägen das Bild von 2018.

Nicht wenige hatten sich das ganz anders vorgestellt: Erst im Herbst erhöhten bekannte Größen der Vermögensverwalterwelt ihre Aktienquoten deutlich und übergewichteten weit über das Normalmaß hinaus. Das wirkte schon in den Momenten, als diese Asset Manager so mutig agierten, sehr merkwürdig. Sprach doch vieles für eine überreife Phase im Hausse-Zyklus, ja vielleicht sogar schon für einen Bärenmarkt. Und bekanntlich fürchten Aktien-Investoren nichts mehr als diese letzte Phase eines Anlagezyklus, in der sich Aktienwerte nicht selten halbieren. 

Bärenmarkt so sicher wie das Amen in der Kirche

Die Börsengeschichte ist klar: Keine Hausse ohne Baisse. Ein Börsenzyklus umfasst Beides. Nach jeder Aufwärtsphase (Hausse- oder Bullenmarkt) folgt die Baisse (Bärenmarkt), in der traditionell ein Gutteil der zuvor hart erarbeiteten Performance in relativ kurzer Zeit wieder zunichte gemacht wird. Denn solange Menschen oder Gruppen von Menschen die Kurse an den Börsen „machen”, wird der übergeordnete Kursverlauf eben stark vom menschlichen Handeln und Verhalten und damit von Angst und Gier geprägt sein. Der jahrzehntlange Basistrend von Börsen stellt sich daher als eine Serie von Kurszyklen dar, in denen sich Haussen und Baissen in stetem Wechsel aneinanderreihen. Auf jede Baisse, nachdem sich der Bär ausgetobt hat, folgt ein neuer Bullenmarkt. Und sicher ist: Auf die aktuelle Hausse folgt eine Baisse. Oder sind wir schon im Bärenmarkt?

Wer den Bärenmarkt frühzeitig erkennt, ist im Vorteil

Zugegebenermaßen erkennt man einen Bärenmarkt nie in dem Moment, in dem er einsetzt, nämlich im Hoch des laufenden Börsenzyklus, sondern frühestens in seinem mittleren Verlauf. Insofern ist die Identifikation des Beginns eines Bärenmarkts nicht Wissen, sondern allenfalls Ahnung. Die Antizipation von Wendepunkten im Börsenzyklus ist dennoch so wertvoll für ein aktives Portfoliomanagement und seine Ergebnisse: Vermag ein Investor Bärenmärkte trotz allen Nebels zumindest einigermaßen kommen und gehen zu sehen, hätte er einen Schlüssel zu erfolgreichem Timing. Das klingt bedeutsam und irgendwie meisterbar, ist aber ehrlicherweise für die Erfolgreichen regelmäßig eine Herausforderung und Prüfung.

Wie auch immer: Für aktive Manager, die Markt-Timing als ihre Stärke erklären, ist die Defensive in Bärenmärkten zielbestimmend und Gradmesser für die Leistung. Angesichts seiner herausragenden Bedeutung für Aktienrenditen lohnt ein genauerer Blick auf den Bärenmarkt.