Charttechnischer Jahresausblick Mit Value-Titeln besser durch das neue Jahr

Skulptur in Hong Kong: Erfolgsverwöhnte Investoren müssen umdenken | © Getty Images

Skulptur in Hong Kong: Erfolgsverwöhnte Investoren müssen umdenken Foto: Getty Images

Unabhängig davon, welchen Maßstab Anleger heranziehen: Zum Jahreswechsel 2018/19 zeigen sich weltweit nahezu überall negative Divergenzen. Dieses ganz wichtige Investmentthema im neuen Jahr offenbart sich auch in der charttechnischen Ausgangslage des Dax: Mit dem Bruch des Aufwärtstrends seit März 2009 (aktuell bei 12.734 Punkten) und einer Schulter-Kopf-Schulter-Formation wie aus dem Lehrbuch ereigneten sich für Investoren im deutschen Leitindex bereits im Herbst 2018 zwei wichtige negative Weichenstellungen. Die wesentlichen Voraussetzungen für eine Trendwende nach unten sind damit erfüllt und dürften Anleger in den deutschen Standardwerten auch im neuen Jahr beschäftigen.

Anleger stehen vor einem Regimewechsel: Während in den vergangenen Jahren Rückschläge gute Kaufgelegenheiten darstellten, lautet das Motto jetzt: „Sell the Rallies“. Diese Einschätzung würden wir nur revidieren, wenn dem Dax ein Spurt über die Nackenlinie der oberen Umkehr bei 11.800 Punkten gelingt. Ohne diesen Befreiungsschlag gilt unverändert ein Kursziel von rund 10.000 Punkten. Dabei handelt es sich um ein (Mindest-)Anlaufziel, welches charttechnisch sehr gut mit den Hochs vom Sommer 2014 harmoniert.

Outperformance bei Small und Mid Caps ist Geschichte

Eine Zäsur auf der Aktienseite ergibt sich auch mit Blick auf die deutschen Small und Mid Caps, die dem Dax lange Zeit die Show gestohlen haben. Dieser Trend hat unserer Ansicht nach 2018 ein Ende gefunden. Der MDax hat nach vier Quartalen in Folge mit kleinen Kerzenkörpern im vierten Quartal 2018 einen scharfen Ausverkauf erlebt, so dass auch hier eine abgeschlossene Toppbildung vorliegt.

Im Ratio-Chart zwischen den Mid Caps und dem großen Bruder Dax schlägt sich diese Entwicklung im Bruch des Abwärtstrends seit Anfang 2000 nieder. Der Trendbruch wird dabei durch positive Divergenzen im Verlauf der Indikatoren MACD und RSI bestätigt. Wir gehen somit von einer nachhaltigen Trendwende aus, die Anleger über den Jahreswechsel 2018/19 hinaus begleiten wird.

In die gleiche Kerbe schlägt der Ratio-Chart zwischen Dax und SDax: Hier wurde ein „bullisher Keil“ nach oben aufgelöst. Für in den letzten Jahren erfolgsverwöhnte Investoren in Small und Mid Caps dürfte die Titelselektion zukünftig deshalb noch wichtiger werden.

Comeback der Value-Titel

Hinsichtlich der Frage, ob in den kommenden Monaten eher Value-Titel oder Growth-Werte angesagt sind, lässt ein weiterer Trendbruch aufhorchen. Während in den letzten Jahren der Investmentstil „Growth“ gefragt war und sich die Outperformance im Vergleich zu Value-Papieren Ende 2016 nochmals verschärfte, erfordert die jüngste Entwicklung von Anlegern ein Umdenken. Der Hintergrund: Im Ratio-Chart liegen zwischen dem MSCI World Value und dem MSCI World Growth der Bruch des 2016er-Abwärtstrends sowie eine Rückkehr in den flacheren Baissetrendkanal seit 2014 vor.

Diese Gezeitenwende wird durch verschiedene quantitative Indikatoren bestätigt. Besonders auffällig ist die Bodenbildung im Verlauf der Relativen Stärke. Der lange Zeit gültige Trend „pro Growth – contra Value“ sollte damit im vergangenen Jahr sein Ende gefunden haben. Investoren sollten daher mit Value-Titeln – zumindest relativ gesehen – besser durch das neue Jahr kommen.