Anlagechancen mit Seitwärtspapieren So wird die Unsicherheit zum Verbündeten

Wellenreiten leicht gemacht: Derzeit ergeben sich Einstiegschancen wie sie nur selten in den vergangenen Jahren vorgekommen sind. | © Getty Images

Wellenreiten leicht gemacht: Derzeit ergeben sich Einstiegschancen wie sie nur selten in den vergangenen Jahren vorgekommen sind. Foto: Getty Images

Die Volatilität ist zurück an den Märkten. Nach einem außergewöhnlich ruhigen Jahr 2017 gab es bereits Ende Januar und Anfang Februar heftige Turbulenzen. Seit etwa Mitte Oktober hat sich die 30-Tages-Volatilität sogar verdreifacht. Die Tagesschwankungen in der US-Technologiebörse Nasdaq 100 haben in dieser Zeit im Schnitt 1,7 Prozent erreicht, im Februar waren es noch 1,2 Prozent. Der Nasdaq verlor die gesamten Jahresgewinne, die in der Spitze fast 20 Prozent ausgemacht hatten.

Der VIX, das Volatilitätsbarometer für den S&P 500, ist in diesem Jahr bisher um mehr als 70 Prozent gestiegen und könnte den stärksten Jahresanstieg seit 2007 erreichen. Auch der VDax-New, das Volatilitätsbarometer für den Dax, ist in diesem Jahr ähnlich kräftig angesprungen. Der deutsche Leitindex hat im Jahresverlauf rund 15 Prozent an Wert eingebüßt.

Gründe für diese Entwicklung an den Märkten sind nicht nur in der Sorge vor einer möglichen globalen weltwirtschaftlichen Abschwächung aufgrund des Handelsstreits zwischen den USA und China zu suchen, sondern auch in den zahlreichen negativen Überraschungen, die die jüngste Bilanzsaison in den USA und Deutschland geboten hat.

FAANG-Aktien im Abschwung

Dabei verlief die US-Quartalssaison insgesamt auf den ersten Blick erfreulich. Laut den Daten der Researchfirma FactSet haben etwas mehr als 60 Prozent der Unternehmen aus dem S&P 500 die Umsatzprognosen der Analysten übertroffen. Bei den Gewinnen liegen eindrucksvolle 78 Prozent der Unternehmen über den Gewinnschätzungen der Analysten. Umso ernüchterter waren viele Investoren über die schwachen Ausblicke vieler Technologieunternehmen, woraufhin die Aktien eingebrochen sind.

So blieben auch die beliebten FAANG-Aktien (Facebook, Apple, Amazon, Netflix und die Google-Konzernmutter Alphabet) nicht verschont und enttäuschten Investoren auch mit ihren Geschäftsausblicken. Die Aktien haben nicht nur seit ihrem Septemberhoch mehr als 20 Prozent verloren, sondern auch schlechter abgeschnitten als der marktbreite S&P 500.

Die Volatilität bietet Einstiegschancen…

Die gestiegene Volatilität an den Aktienmärkten bietet aber auch Einstiegsgelegenheiten für Aktienkäufer, wie sie sich nur selten in den vergangenen Jahren ergeben haben.

Etwa bei Apple. Das Papier des größten börsennotierten Unternehmens der Welt gehört zu den Favoriten bei zahlreichen Anlegern. Die Aktie hat aktuell vom Rekordhoch bei rund 233 US-Dollar rund 25 Prozent eingebüßt. Auf so einen Kursrückgang mussten Neueinsteiger lange warten: Ab Mai 2015 ging es mit der Apple-Aktie ähnlich stark bergab, allerdings über einen deutlich längeren Zeitraum. Erst ein Jahr später konnte sich die Aktie nachhaltig erholen.

Noch schlimmer als den iPhone-Hersteller hat es Nvidia, die größte Aktie aus dem US-Halbleitersektor, getroffen. Seit ihrem Hoch Anfang Oktober bei knapp 290 US-Dollar ist die Aktie um nahezu 50 Prozent eingebrochen. Für einen solchen Rückschlag müssen Nvidia-Investoren schon weit zurückblicken. Vom Oktober des Jahres 2007 bis zum Frühjahr 2008 verlor die Aktie ebenfalls etwa die Hälfte ihres Werts.

… etwa in hart getroffenen Dax-Aktien

Enttäuschend verlief die Bilanzsaison im Herbst 2018 auch in Deutschland. Viele Dax-Unternehmen hatten nicht nur mit dem Handelsstreit zwischen den USA und China sowie steigenden Rohstoffpreisen zu kämpfen, sondern zusätzlich mit hausgemachten Problemen. So haben Daimler und BMW ebenso eine Gewinnwarnung abgegeben wie HeidelbergCement, der Dialysespezialist Fresenius Medical Care und die Mutter Fresenius.

Deutschlands größter Stahlhersteller ThyssenKrupp gab Anfang November die zweite Gewinnwarnung in diesem Jahr bekannt. Hauptgrund ist ein Kartellverfahren in Deutschland. Daher treibt Vorstandschef Guido Kerkhoff die geplante Aufspaltung des Konzerns in zwei selbstständige, börsennotierte Unternehmen energisch voran. Die eine Firma soll sich vor allem auf das Stahlgeschäft fokussieren, die andere auf das Geschäft mit Aufzügen und Zulieferungen für die Autoindustrie. Nach der Meldung verlor die Aktie in den folgenden Tagen rund 15 Prozent.