Blockchain Disruptive Technologie oder Hype?

Patrick Kolb ist seit Juni 2005 Portfoliomanager für globale Aktien bei der Credit Suisse

Patrick Kolb ist seit Juni 2005 Portfoliomanager für globale Aktien bei der Credit Suisse

Die Blockchain-Technologie hat viel Aufmerksamkeit erhalten, hauptsächlich aufgrund der Bedeutung von Bitcoin, dem zunehmenden Interesse und der steigenden Investitionen in Fintechs. Viel ist über das Konzept der Distributed-Ledger-Technologie geschrieben worden, zum Beispiel über ihr Potenzial, Unternehmensprobleme zu lösen.

Zurzeit beläuft sich der Gesamtwert aller Bitcoins in der Blockchain auf schätzungsweise 20 Milliarden US-Dollar oder rund 0,027 % des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 74 Billionen US-Dollar. Der Datenumfang der Blockchain liegt bei geschätzten 197 Gigabyte. Laut einer Umfrage des World Economic Forum (WEF) rechnen 57,9 Prozent der rund 800 befragten Führungskräfte und Fachleute aus der Informations- und Kommunikationstechnologie damit, dass bis 2025 rund 10 Prozent des globalen BIP in der Blockchain gespeichert sein werden.

Es überrascht nicht, dass die Finanzindustrie darauf erpicht ist, diese Technologie für sich zu erschließen: Banken rechnen damit, dass die Blockchain die Infrastrukturkosten bis 2022 um 15 bis 20 Milliarden US-Dollar pro Jahr senken könnte. Hinzu kommt, dass die Technologie die Möglichkeit bietet, bestehende IT-Infrastrukturen zu überholen, den Zeitaufwand für die Abwicklung von Transaktionen zu verringern und die Wertpapierbörsen zu vereinfachen.

Die Anwendungen bieten nach Ansicht von Marktteilnehmern noch umfassendere Möglichkeiten: Kundenidentitäten speichern, grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr abwickeln, Clearing und Settlement von Anleihen- und Aktiengeschäften. Auch lassen sich mit der Technologie Smart Contracts auszuführen, wie zum Beispiel Kreditderivate mit automatischer Auszahlung bei Insolvenz eines Unternehmens oder Anleihen, die regelmäßig Coupons an ihre Inhaber ausschütten.

Anwendungsbeispiele außerhalb der Finanzbranche

Auch außerhalb der Sphäre der Finanzdienstleistungen gibt es bereits Anwendungsbeispiele auf Grundlage der Blockchain-Technologie: Am 4. Oktober 2014 wurde die erste Ehe auf Blockchain-Basis registriert. Der Governance-Service wurde durch Bitnation bereitgestellt, einem dezentralen Governance-Dienstleister, der seine Dienste grenzenlos und dezentralisiert anbietet.

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Die Hochschule von Nikosia akzeptiert nicht nur Bitcoins zur Zahlung von Studien- und sonstigen Gebühren, sondern war auch die erste Bildungseinrichtung, die akademische Zeugnisse ausstellt, deren Echtheit per Blockchain überprüft werden kann. Auch das Amt für Wirtschaftsentwicklung der Isle of Man kündigte Pläne für ein erstes staatliches Blockchain-Testprojekt an. Das Amt will ein Register aller digitalen Währungsunternehmen entwickeln, die auf der Insel tätig sind.

Unserer Meinung nach ist die wichtigste Erkenntnis, dass es bei der Blockchain nicht nur darum geht, den Intermediär zu umgehen. Vielfach hat sie das Potenzial, Kosteneinsparungen zu ermöglichen, weil arbeitsintensive Prozesse automatisiert werden. Wir sind außerdem der Auffassung, dass eine robuste IT-Sicherheit von größter Bedeutung ist, da ansonsten das Potenzial dieser Technologie massiv eingeschränkt wird.