BdB-Chef Hans-Walter Peters „Taping beschneidet Persönlichkeitsrecht der Kunden“

BdB-Präsident Hans-Walter Peters fordert vom europäischen Gesetzgeber, die Taping-Pflicht für Finanzdienstleister zu überarbeiten. | © BdB

BdB-Präsident Hans-Walter Peters fordert vom europäischen Gesetzgeber, die Taping-Pflicht für Finanzdienstleister zu überarbeiten. Foto: BdB

Telefonische Beratungsgespräche müssen nach der europäischen Finanzmarktrichtlinie Mifid II nicht allein nur aufgezeichnet werden. Sie sollen auch stichprobenartig an Wirtschaftsprüfer weitergegeben werden, damit diese sie kontrollieren können. Darüber berichtet das „Manager Magazin“.

Die Pflicht, aufgezeichneten Gespräche auch an Dritte weitergeben zu müssen, sei selbst dem Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Hans-Walter Peters, lange nicht bewusst gewesen. Die Regeln der Mifid II sind seit Jahresbeginn 2018 wirksam. Von der Pflicht zur Informationsweitergabe habe Peters, der gleichzeitig als Co-Chef der Berenberg Bank vorsteht, allerdings erst Mitte 2019 erfahren. Peters sei „entsetzt“ gewesen – und mache seither Front gegen die Bestimmung. Dafür habe er auch Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing und Commerzbank-Vorstand Martin Zielke ins Boot geholt.

„Hier wurde das Persönlichkeitsrecht unserer Kunden heftig eingeschränkt. Das ist so nicht akzeptabel“, zitiert das „Manager Magazin“ den BdB-Chef. Die EU-Gesetzgeber seien mit der umfangreichen Pflicht zum sogenannten Taping „über das Ziel hinausgeschossen“. Die Anzahl telefonischer Beratungsgespräche sei seit Einführung der Mifid-II-Regeln bereits um die Hälfte zurückgegangen.

Eine Studie im Auftrag des Verbands Deutsche Kreditwirtschaft, durchgeführt von der Ruhruniversität Bochum, hatte bereits im vergangenen März erbracht, dass sich viele Kunden mit den Mifid-induzierten Änderungen kaum anfreunden können. Rund drei von vier Bankkunden wollten nach Möglichkeit lieber auf die Telefonaufzeichnung verzichten, etwas mehr als die Hälfte der Befragten sieht die Vertraulichkeit von Telefonaten mit dem Bankberater in Gefahr.

Für die Branche niederschmetterndes Fazit der Studie, die sich neben dem Taping auch um neue Informationspflichten und Kostenausweise drehte: Viele Kunden möchten sich künftig weniger stark am Kapitalmarkt engagieren und stattdessen auf unkomplizierte Anlageformen wie Tages- und Festgeld setzen – das exakte Gegenteil dessen, was in puncto Geldanlage von Fachleuten aller Couleur geraten wird.

Die Bundesregierung hat auf Basis der Stellungnahmen vieler Marktteilnehmer und Verbände Ende August zwei zusammenfassende Stellungnahmen an die Europäische Kommission versendet. Darin enthalten ist unter anderem die Forderung, auf die Telefonaufzeichnung verzichten zu können, falls Kunden das verlangten.

Die EU-Kommission will die Wirkung von Mifid II im kommenden Jahr auf den Prüfstand stellen.