An den europäischen Anleihemärkten Cocos bieten beste Erträge

Die riskantesten Emissionen europäischer Banken schlagen einen von Bank of America Merrill Lynch ermittelten Bond-Index, der 964 Papiere erfasst. Die Emittenten der im Index gelisteten Hochverzinslichen reichen von der spanischen Abengoa bis zur britischen William Hill. Die neuartigen bedingten Pflichtwandelanleihen brachten 9,12 Prozent, verglichen mit durchschnittlich 5,86 Prozent für den BofAML-Index. Die sogenannten Cocos werden begeben, um härtere Kapitalvorgaben zu erfüllen.

Die Cocos sollen dafür sorgen, dass die Rettung einer in Schieflage geratenen Bank die Investoren und nicht die Steuerzahler belastet. Sie werden als zusätzliches Tier-1- Kapital (AT1) gewertet. Unter Bankanleihen sind sie am riskantesten, weil sie kein festes Fälligkeitsdatum haben, weil Zinszahlungen nicht garantiert sind und weil sie abgeschrieben oder in Aktien gewandelt werden können.

“Gute Gesamterträge haben zusätzliches Kapital angezogen und das hat dazu beigetragen, die Steuerzahler von Risiken zu entlasten, wie von den Regulierern beabsichtigt”, sagte Chris Whitman, Leiter Risikosyndizierung weltweit bei der Deutsche Bank in London, in einem Telefoninterview am 19. Juni. “Die Instrumente bieten immer noch attraktive Kompensation für das tatsächliche Risikoniveau.”

Die Durchschnittsrenditen auf AT1-Bonds sind in diesem Jahr um 111 Basispunkte, oder 1,11 Prozentpunkte, auf 5,87 Prozent gefallen, zeigt der High Yield Contingent Capital Index von Bank of America Merrill Lynch. Die Erträge von Ramschanleihen europäischer Unternehmen sanken im selben Zeitraum um 69 Basispunkte auf 4,20 Prozent.

Banken platzierten in diesem Jahr Cocos im Volumen von rund 39 Milliarden Dollar, ergibt sich aus von Bloomberg zusammengestellten Daten. Damit erhöhte sich der Gesamtbestand der bedingten Pflichtwandelanleihen auf knapp 50 Milliarden Dollar. In der vergangenen Woche begaben Société Générale und Coventry Building Society Cocos in Dollar und Pfund mit einem Volumen von über 2 Milliarden Dollar.

“Diese Instrumente sind nicht ohne Risiko”, sagte Craig Veysey, Leiter Festverzinsliche bei Sanlam Private Investments in London. “Wenn das Eigenkapital des Emittenten aus irgendeinem Grund fällt, besteht eine durchaus reale Möglichkeit, dass der Kupon nicht gezahlt wird. Wenn ein isolierter Fall einer Bank aufträte, die in Schwierigkeiten geriete, dann würde man sich - auch das ist eine Gefahr - Gedanken über die Situation anderer Emittenten machen.”

Das zunehmende Emissionsvolumen und die wachsende Akzeptanz der Papiere durch die Investoren haben 2014 zu einem Jahr des Übergangs für zusätzliche Tier-1-Anleihen gemacht, sagte Paul Smillie, Analyst bei Threadneedle Asset Management in Singapur. Diese Entwicklung hat Barclays und die Credit Suisse Group veranlasst, dem Beispiel von Bank of America zu folgen und Indizes zu schaffen, die die Performance von Cocos verfolgen - was Smillie zufolge wiederum deren Akzeptanz erhöhte.

“Die verschiedenen Puzzleteile fügen sich zusammen”, sagte Smillie im Telefoninterview am 19. Juni. “Die Anleihen werden stärker akzeptiert. Sie entwickeln sich viel deutlicher zur Anlageklasse für Institutionelle, während anfangs vornehmlich Hedgefonds und Privatbanken als Käufer auftraten.”

Vorschriften der Europäischen Union sehen vor, dass AT1- Kapital bei der Berechnung von Kapitalquoten einen Anteil von bis zu 1,5 Prozent an den risikogewichteten Aktiva ausmachen kann. Solange die Staaten AT1-Papiere als Fremdkapital und nicht als Eigenkapital der Unternehmen betrachten, können die Zinszahlungen aus dem Vorsteuergewinn geleistet werden, was ihre Emission günstiger als die von Aktien macht.

“Andere Sektoren des Anleihemarktes bieten derzeit nicht die Erträge von Instrumenten auf dem Coco-Market”, sagte Robert Montague, leitender Kreditanalyst bei ECM Asset Mangement in London. “So einfach ist das.”