Absicherungsstrategien im Vergleich Wie man sein Anleiheportfolio für die Zinswende wappnet

Dag Rodewald leitet den ETF-Vertrieb der UBS Asset Management in Deutschland und Österreich

Dag Rodewald leitet den ETF-Vertrieb der UBS Asset Management in Deutschland und Österreich

„Lower for longer“ – mit diesem Motto, das für viele Anleiheinvestoren zur Normalität geworden ist, könnte es bald vorbei sein. Jenseits des Atlantiks ist es schon so weit: Mit dem Zinsschritt im vergangenen Dezember hat die US-Notenbank Fed deutlich gemacht, dass sich die USA auf einem anhaltenden Weg langsam, aber kontinuierlich steigender Zinsen befinden. Und sollte das angekündigte Ausgabenprogramm des neuen Präsidenten Donald Trump die Binnenwirtschaft tatsächlich ankurbeln, könnte es bald noch schneller aufwärtsgehen.

Doch auch in einigen europäischen Ländern zeichnen sich die Grenzen der bisherigen Politik ab. Einerseits bewegen sich die Zinsen vielerorts bereits auf dem Nullpunkt oder gar darunter, und andererseits könnte sich auch hierzulande die makroökonomische Lage ändern.

Wenn Wachstum und Inflation wieder anziehen, verliert die lockere Geldpolitik ihre Grundlage. Die Zinswende zeichnet sich also ab – und professionelle Investoren müssen sich darauf einstellen.

Schwere Zeiten für Anleihe-Investoren

Schon heute ist das Umfeld für Anleihen herausfordernd. Jahre der geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen, darunter unkonventionelle Instrumente wie Anleihekaufprogramme seitens der Zentralbanken, haben ihre Spuren hinterlassen.

Viele wichtige Benchmarks erbringen historisch niedrige Renditen. So ist etwa die Rendite des Barclays Global Aggregate Bond Index von rund 9 Prozent zu Beginn der 1990er Jahre auf aktuell nur noch knapp über einem Prozent gefallen.

Im selben Zeitraum ist die modifizierte Duration von 4,6 auf 6,9 Prozent gestiegen. Die Sensitivität gegenüber Zinsveränderungen hat damit einen historischen Höchststand erreicht. Das hat zwei Gründe: Zum einen wirken sich die niedrigen Kupons neu begebener Anleihen aus. Zum anderen nutzen die Emittenten das aktuelle Umfeld, um ihre Finanzierung auf längerfristige Kredite auszurichten.

 Quelle: Barclays Point, UBS Asset Management (per 31. Oktober 2016)

Niedrige Verzinsung und höhere Sensitivität bilden eine gefährliche Mischung – denn wenn die Zinssätze steigen, dürften Investoren Schwierigkeiten bekommen, die Kapitalverluste mit Zinszahlungen auf dem heutigen Niveau auszugleichen.

Zudem droht eine weitere Gefahr: Mit den steigenden Zinsen könnte auch die Volatilität an die Anleihemärkte zurückkehren. Denn diese wird im Wesentlichen durch die Veränderungen der Preisrendite getrieben. In Zeiten langfristig fallender Zinsen haben sich konstant hohe Preisrenditen gegenüber den Kupons zum dominierenden Faktor entwickelt und die Volatilität gedrückt. Historisch betrachtet ist das jedoch eine eher ungewöhnliche Konstellation, die mit einer Zinswende zu einem Ende kommen könnte.