Das zeigt, wie schwierig eine mittel- oder langfristige Prognose sein kann. Das weiß auch Kurt von Storch. Das vierte Szenario sei eigentlich am wahrscheinlichsten, sagt er und zeigt eine Folie mit großem Fragezeichen. Witzig, aber wenig hilfreich, wenn man eine zukunftsfähige langfristige Anlagestrategie entwickeln will. Daher versucht der Vermögensverwalter es doch mit einer Zehn-Jahres-Prognose und zeichnet drei verschiedene Szenarien.
Szenario 1: Niedriges Wachstum, niedrige Inflation, unverändertes Zinsniveau
Im ersten Szenario beträgt die Zinslast des Bundes nur noch 6,3 Milliarden Euro - das entspricht weniger als 2 Prozent des Haushalts. Aufgrund des niedrigen Zinsniveaus strömen Investoren in Aktien und Betongold: Die Immobilienpreise sind weiter gestiegen, die Kurse und Bewertungen ertragsstabiler Unternehmen gehen durch die Decke. Der Goldpreis liegt bei über 2.000 US-Dollar pro Unze.
Banken, Versicherer, Pensionskassen, Stiftungen und deutsche Privatanleger leiden unter den Niedrigzinsen. Staatliche Rente schlägt Pensionskassen, Lebensversicherer wurden vom Staat aufgefangen, viele Stiftungen sind auf Spenden angewiesen, um ihren Stiftungszweck zu erfüllen. Das Bankgeschäft ist unprofitabel geworden: Um Abhilfe zu schaffen, verlangen Banken Strafzinsen bereits für Guthaben ab 10.000 Euro. Tresore sind ausgebucht, deutsche Sparer verzweifelt - als Folge nehmen soziale Spannungen zu.
