Marktkommentar Kein Bärenmarkt bei Anleihen in Sicht

Chris Iggo, Chef-Investmentstratege Fixed Income bei AXA Investment Managers

Chris Iggo, Chef-Investmentstratege Fixed Income bei AXA Investment Managers

Selbst Aktieninvestoren haben mittlerweile eingesehen, dass der lang erwartete Bärenmarkt bei Anleihen auf sich warten lässt. Daran dürfte sich vorerst auch nichts ändern. Spuren einer bevorstehenden Blase sehen wir derzeit auch nicht.

Das positive ökonomische Umfeld sorgt für gute Unternehmensgewinne, was den Markt für Unternehmensanleihen stärkt. Auch wenn die Renditen derzeit wenig beeindrucken – die Spreads dürften stabil bleiben. Angesichts der niedrigen Renditen bei Staatsanleihen bleiben Unternehmensanleihen daher interessant. Das gilt auch für High-Yield-Anleihen, bei denen die technischen Faktoren von Angebot und Nachfrage, aber auch die Fundamentaldaten, solide sind. Schwellenländeranleihen sowie Staatsanleihen von Peripheriestaaten sollten Investoren ebenfalls im Blick haben. Investment-Grade-Unternehmensanleihen, insbesondere aus den USA, sorgen dabei für Stabilität im Portfolio.

Eurozone – der neue sichere Hafen?

Beim britischen Markt sind wir derzeit vorsichtig. Gilts haben sich zwar vor dem Hintergrund des starken globalen Marktes erstaunlich stabil entwickelt. Allerdings fällt es uns angesichts der derzeitigen Entwicklung schwer, zu einem positiven Ausblick für das Vereinigte Königreich zu kommen. Ganz anders sieht es mit Europa aus, das von den verbesserten ökonomischen Aussichten, dem anhaltenden Kaufprogramm der Europäischen Zentralbank und der verbesserten politischen Lage seit den Wahlen in Frankreich profitiert.

Innerhalb der Eurozone halten wir Anleihetitel aus Spanien derzeit für besonders interessant. Italien gibt zwar weiter Anlass zur Sorge, aber angesichts der politischen Unsicherheit in den USA und dem Chaos in Großbritannien gibt es bereits Marktteilnehmer, die die Eurozone als neuen sicheren Hafen ansehen. Investoren müssen hier abwägen – unserer Ansicht nach scheinen die zwei bis drei Prozent Rendite, die am langen Ende des italienischen Anleihemarktes zu haben sind, das Risiko jedoch durchaus wert zu sein.

Zusammenspiel von Inflation und Geldpolitik

Für einen Dämpfer könnte der neuerliche Verfall des Ölpreises sorgen, der bereits zulasten der produzierenden Schwellenländer und einiger US-amerikanischer High-Yield-Emittenten geht. Anders als Anfang 2016 ist der aktuelle Preisverfall diesmal kein guter Kaufanlass. Noch hat der Markt kaum reagiert. Sollte der Ölpreis unter 40 US-Dollar pro Barrel fallen, könnte dies daher eine Korrektur nach sich ziehen.

In dieser Situation sollten Investoren das Zusammenspiel von Inflation und Geldpolitik genau beobachten. Denn fallende Öl- und Rohstoffpreise bedeuten auch, dass die Zentralbanken ihre Inflationsziele vorerst nicht erreichen. Daher hat der Markt entgegen der Ankündigung der US-Notenbank Fed nur einen weiteren Zinsschritt innerhalb der nächsten zwei Jahre eingepreist. Sollte sich die Inflationsrate allerdings wieder erholen, könnte die Fed ihre geplanten Zinserhöhungen tatsächlich umsetzen. Das kann sich als Risiko für einen Markt erweisen, der derzeit nicht daran glaubt, dass die Zinsziele erreicht werden.

Über den Autor:

Chris Iggo kam 2008 zu AXA Investment Managers. Als Chef-Investmentstratege verantwortet er die Investitionsprozesse im Anleihensegment von AXA IM weltweit und betreut zudem die Fixed-Income-Investmentteams in Europa und Asien.