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Marktausblick „Die Aussicht auf eine Steuerreform in den USA bleibt Schlüsselvariable“

Justin Thomson, leitender Investmentstratege bei T. Rowe Price

Justin Thomson, leitender Investmentstratege bei T. Rowe Price

Nachdem die starke Rally nach der US-Präsidentenwahl abzuebben scheint, stellt sich die Frage, in welche Richtung es in der zweiten Jahreshälfte gehen wird. „Solange das derzeitige Gewinnwachstum fortbesteht – wovon wir ausgehen – rechnen wir an den Aktienmärkten in der zweiten Jahreshälfte mit moderat steigenden Erträgen“, sagt Justin Thomson, Chief Investment Officer bei T. Rowe Price. Die potenziellen Zuwächse würden sich dabei voraussichtlich ausgeglichener auf Wachstums- und Substanztitel einerseits sowie Haupt- und Nebenwerte anderseits verteilen. Bei zyklischen Sektoren könne es hingegen wohl nur zu einem Aufwärtstrend kommen, wenn es einen frischen Impuls für das Wirtschaftswachstum gebe. Dies gelte insbesondere, da die globale Geldpolitik zunehmend weniger unterstützend wirke.

Das wirtschaftliche Umfeld bleibt positiv

„Es gibt gute Gründe für unseren Optimismus. Die Konjunktur ist in Kern-Europa wieder angesprungen und das Wirtschaftswachstum erholt sich in wichtigen Schwellenländern. Und obwohl die jüngsten politischen Ereignisse das Vertrauen der Investoren in Brasilien beschädigt haben, scheint das Risiko relativ gering, dass sich dies auf andere Schwellenländer überträgt“, erläutert Thomson. Es gebe ein plausibles Szenario, in dem die Steuersenkungen der USA, das reduzierte politische Risiko in Europa und der Optimismus von Unternehmen und Konsumenten dazu beitragen, die globale Expansion im zweiten Halbjahr zu unterstützen. Doch angesichts der Kontroversen, die es derzeit um Präsident Trump gebe, sei nicht klar, ob seine Regierung das politische Durchsetzungsvermögen habe, die geplanten Steuerreformen zu realisieren. Sollte Trump seine Pläne in die Tat umsetzen, würde dies sowohl das US- als auch das globale Wirtschaftswachstum anregen und die Gewinne in den Unternehmen weiter sprudeln lassen. „Ohne einen solchen Impuls, könnten die Aktienmärkte Gegenwind aus verschiedenen Richtungen bekommen“, so Thomson.

Denn in diesem Fall lässt möglicherweise die wirtschaftliche Dynamik nach, was durch die geplanten Zinsschritte der US-Notenbank Fed noch verschärft würde. In der Eurozone könnte es zu Unsicherheiten über die künftige Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) kommen, da die Erwartungen der Investoren auf ein baldiges Ende des quantitativen Lockerungsprogramms womöglich enttäuscht würden. Die monetären und steuerlichen Anreize der chinesischen Regierung könnten nachlassen, weil Peking das Kreditwachstum drosseln will. Das Überangebot am Ölmarkt und ein erneut sinkender Ölpreis würden die Aktien und die Finanzmärkte im Allgemeinen bedrohen.

Technologie-, Finanz- und Healthcare-Sektor bieten Möglichkeiten

„Die unsicheren Aussichten im Hinblick auf das globale Wachstum erschweren eine Prognose, ob zyklische oder defensive Sektoren in der zweiten Jahreshälfte den Ton angeben werden. Während wir Branchen wie Energie und Automobile untergewichten, bieten andere Sektoren selektive Möglichkeiten“, sagt Thomson. Dazu gehören Technologie, Finanzen und Gesundheitswesen (Healthcare). So schätzt er weiterhin das disruptive Potenzial von E-Commerce, Cloud-basierten Diensten und Social Media vielversprechend ein, obwohl einige Unternehmen bereits jetzt hoch bewertet seien. Regulatorische Änderungen, die es den Banken erleichtern, Kapital an die Aktionäre zurückzugeben, könnten ihre Eigenkapitalrendite verbessern. Und obwohl die Gesundheitsreform-Debatte eine gewisse Unsicherheit für die US-Anbieter auslöste, habe sich das regulatorische Umfeld für die Arzneimittelpreise zu einem Zeitpunkt aufgehellt, an dem die Biotechnologieforschung weiterhin bahnbrechende Produkte liefere.

Gesamtausblick für die kommenden sechs Monate vorsichtig optimistisch

Für den weiteren Verlauf dieses Jahres erscheint die Sicht vieler Analysten und Investoren relativ optimistisch, obwohl die Begeisterung für die zyklisch sensiblen Sektoren abgekühlt ist. „Ob wir in der zweiten Jahreshälfte eine Wiederbelebung des – durch die Trump-Versprechen ausgelösten – Reflationshandels sehen oder ob steigende Zinsen und langsameres Wachstum in einigen wichtigen Märkten Gegenwind bedeuten, ist bis dato noch unklar. Angesichts der Tatsache, dass der Ertragszyklus in den USA fortgeschritten ist, können Europa und Schwellenmärkte ein größeres Renditepotential bieten, obwohl eine Verschiebung der Kreditbeschränkung in China die Volkswirtschaften der Emerging Markets überproportional beeinflussen könnte“, resümiert Aktienexperte Thomson. Die Wirtschaftspolitik – insbesondere die Aussicht auf eine Steuerreform in den USA – dürfte eine Schlüsselvariable bleiben. „In diesem Umfeld sind fundamentales Research, Expertise bei der Aktienselektion und ein besonderes Augenmerk im Hinblick auf das Portfoliorisiko für den Investitionserfolg entscheidend“, sagt Thomson.