Mangelware Private Equity Wenn Asset Allocation und Renditewunsch nicht zueinander passen

 Julien Zornig ist Partner bei der Private-Equity-Gesellschaft Astorius Capital aus Hamburg

Julien Zornig ist Partner bei der Private-Equity-Gesellschaft Astorius Capital aus Hamburg

Anfang Mai verkündete der Branchenverband Sachwerte und Investmentvermögen (BSI) eine Erholung der Märkte für Anbieter geschlossener Fonds in Deutschland. Über die Mitglieder dieses Verbands, der schätzungsweise zwei Drittel des Marktes repräsentiert, wurden im vergangenen Jahr 8,9 Milliarden Euro in Sachwerte investiert.

Beeindruckend an den Details der Meldung war der Umstand, dass mit 7,4 Milliarden Euro 83 Prozent dieser Mittel in Immobilien investiert wurden. Bei dem platzierten Eigenkapital geschlossener Publikums-AIFs waren Immobilien mit 62 Prozent auch mit Abstand die erfolgreichste Sparte. Private Equity liegt mit unter 4 Prozent dieser eingeworbenen Mittel auf einem erstaunlich niedrigen Niveau.

Vor einem Deutungsversuch muss man feststellen, dass abseits der von den BSI-Mitgliedern gemeldeten Daten durchaus Investments in Deutschland getätigt und entsprechend beworben wurden. Die Relationen dürften sich dabei allerdings nicht dramatisch unterscheiden.

Rendite-Wunsch an oberster Stelle

Nur wenige Tage später erscheint eine Marktanalyse von J.P. Morgan, in der Privatinvestoren über ihre Anlageerwartungen für 2016 befragt wurden. Hierin wird Private Equity von 33 Prozent aller befragten Personen als Anlageklasse mit der höchsten Renditeerwartung für 2016 genannt.

Selbstverständlich sind die beiden Datenpunkte unterschiedlich erstellt. Es wirft allerdings die Frage auf, warum die Angebotsseite in Deutschland weiter insbesondere nur auf eine tradierte Anlageklasse setzt. Die Anbindung von interessanten Immobilien, die nach einer Produktstrukturierung noch relevante Renditen ausweisen, gestaltet sich mittlerweile für viele Anbieter schwer bis unmöglich.

Meist wird argumentiert, der Anleger würde nichts als Immobilien nachfragen. An dieser Stelle kann man durchaus widersprechen – nicht zuletzt mit den Erkenntnissen der J.P. Morgan-Studie. Der Anleger interessiert sich letztlich für Renditen.

Weiter wird mit den simplifizierten Instrumenten der Kundenansprache argumentiert, Immobilien seien allgemein verständlich. Ein Unternehmensanteil über Eigenkapital, sei dieser nun börsennotiert oder nicht, hebt sich von der Komplexität davon allerdings nicht groß ab.

Die Branche und der dazu gehörige Vertrieb haben einiges Vertrauen der Anleger zurückerhalten, bedingt auch durch das Niedrigzinsumfeld. Wenn weiter mit aller (Finanzierungs-)Kraft auf die tradierten Anlagen gesetzt wird, kann dieses Vertrauen schnell sinken. Dazu braucht es auf der Vertriebsseite aber auch die Bereitschaft, nicht weiter alten Wein in alten Schläuchen anzubieten, sondern sich mit soliden unternehmerischen Beteiligungen zu beschäftigen.