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Stephen Allen Schwarzman hat an der Wall Street einen Ruf wie kein zweiter: 1947 in Philadelphia geboren, studierte er in Yale – er war Kopf einer Kampagne, die die 268 Jahre alte Regel kippte, wonach Frauen nicht in den Räumen der Studenten übernachten durften – und Harvard, gilt als einer der Erfinder von Private Equity.
Und Geld war ihm schon immer wichtig. Er übervorteilte sogar seine eigenen Geschwister – rein rechnerisch. In seiner Teenagerzeit betrieb Schwarzman gemeinsam mit seinen jüngeren Zwillingsbrüdern einen Rasenmäher-Service. Er holte die Aufträge rein, sie mähten den Rasen. 50 Prozent des Gewinns gingen an Schwarzman, 50 Prozent an seine Geschwister. Er selbst sagt dazu: „Es war ein guter Deal für uns alle. Denn meine Brüder waren sehr gut im Rasenmähen, aber anfangs zu jung, um eine angemessene Bezahlung mit den Nachbarn auszuhandeln. Das habe ich übernommen. So hatten wir alle etwas davon."
Mittlerweile gehört er zu den wohlhabendsten Menschen des Planeten. Im Jahr 2025 verdiente er rund 1,24 Milliarden US-Dollar – knapp unter seinem persönlichen Rekord von 1,27 Milliarden Dollar aus dem Jahr 2022, aber rund 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Davon entfielen 1,1 Milliarden Dollar allein auf Dividenden aus seinem Anteil von rund 20 Prozent an Blackstone; weitere 125,6 Millionen Dollar flossen ihm aus Incentive-Gebühren und dem sogenannten Carried Interest zu – dem Anteil an den Gewinnen der von Blackstone verwalteten Fonds. Sein Gesamtvermögen schätzt der Bloomberg Billionaires Index auf rund 44 Milliarden Dollar. Auch zahlt er Mitarbeitern gerne viel Geld, wenn sie das Geforderte leisten: „Die Vergütung spielt keine große Rolle, wenn die Person den Auftrag erfüllt."
Jahresverdienst 2021 bis 2025 in US-Dollar
- 2021: 1,10 Milliarden (davon 0,94 Milliarden Dividenden / 0,16 Milliarden Vergütung und erfolgsabhängige Gewinnbeteiligung (Carried Interest))
- 2022: 1,27 Milliarden (davon 1,02 Milliarden Dividenden / 0,25 Milliarden Vergütung & erfolgsabhängige Gewinnbeteiligung) ← Rekord
- 2023: 0,90 Milliarden (davon 0,78 Milliarden Dividenden / 0,12 Milliarden Vergütung & erfolgsabhängige Gewinnbeteiligung)
- 2024: 1,00 Milliarden (davon 0,92 Milliarden Dividenden / 0,08 Milliarden Vergütung & erfolgsabhängige Gewinnbeteiligung)
- 2025: 1,24 Milliarden (davon 1,10 Milliarden Dividenden / 0,13 Milliarden Vergütung & erfolgsabhängige Gewinnbeteiligung)
Quellen: Bloomberg, Fortune, SEC-Einreichungen
Das Ziel, mit Blackstone eine Billion Dollar zu verwalten, ist inzwischen längst geknackt: Mit einem verwalteten Vermögen von zuletzt 1,2 Billionen Dollar ist Blackstone heute der mit Abstand größte alternative Asset Manager der Welt.
Der Weg dahin begann vor nicht einmal 40 Jahren. Von seinen Vertrauten nur „Steve" genannt, machte er sich mit harten Restrukturierungsmaßnahmen seit der Unternehmensgründung von Blackstone 1985 einen Namen – nach einem holprigen Start.
Seine Gründungspartner, der frühere US-Handelsminister Peter George Peterson, der sich 2008 aus dem Unternehmen zurückzog, und Schwarzman hatten zunächst keine Idee, die Blackstone zum Fliegen brachte. Zwar waren beide an der Wall Street bekannt, weil sie zuvor in leitenden Positionen für die Investmentbank Lehman Brothers gearbeitet hatten. Doch auf sich allein gestellt, lief es überschaubar. Also ging Schwarzman ins Ausland. Das japanische Finanzhaus Nikko Securities wollte damals in Amerika Fuß fassen, hatte aber keine guten Kontakte zur Wall Street. Schwarzman flog nach Tokio und kam mit der Zusage für ein Joint Venture in Höhe von gut 300 Millionen Dollar zurück.
Freunde und Feinde sagen übereinstimmend: Der Blackstone-Gründer habe die besondere Fähigkeit, innerhalb kürzester Zeit ein Geschäft zum Abschluss zu bringen: „Ich glaube, dass alles, was wir tun, fast sofort profitabel sein sollte. Die Finanzwelt bewegt sich so schnell, dass, wenn man nicht im ersten Jahr profitabel sein kann, der Grund, warum man die Initiative gestartet hat, weg sein kann.“ Sein unbedingter Wille zum Erfolg sei jederzeit zu spüren. Dazu passt, was Jonathan Gray berichtet, der heute das Tagesgeschäft von Blackstone leitet und als Schwarzmans Kronprinz gilt. „Als ich Steve kennenlernte, wurde ich zu einem Tennismatch an seiner Seite eingeladen. Selten habe ich in meinem Leben so geschwitzt."
Gray kam Anfang der 1990er Jahre zu Blackstone, baute das Immobiliengeschäft auf.„ Das Wichtigste, was ich in all den Jahren von Stephen Schwarzman gelernt habe, ist: Es gilt immer, so groß wie möglich zu denken, den Horizont so weit wie möglich zu dehnen. Auf unser Geschäft übertragen heißt das: Die ganze Investment-Welt soll unser Kunde sein. Zu Beginn war das ein unrealistisches Ziel, heute sind wir näher dran, es zu schaffen.“ Gray selbst verdiente im Jahr 2025 insgesamt 302,6 Millionen Dollar, davon 206,5 Millionen aus Dividenden und 96,1 Millionen aus Carried Interest und Aktienprämien.
Fachkräftemangel gibt's bei Blackstone nicht
Schwarzman will immer die Nummer eins sein, duldet um sich herum keine Mittelmäßigkeit. Da kommt es auch schonmal vor, dass er Partnern seiner Gesellschaft „Happy Birthday“ zum Geburtstag vorsingt, ehe er sie Sekunden später für schlechte Deals anraunzt. „Man muss versuchen, in dem, was man tut, der Beste der Welt zu sein, ob das nun klappt oder nicht“, betonte er einmal in einem Interview.
„Wenn man diesen Anspruch an sich selbst hat, geht das nur schwer mit Work-Life-Balance einher. Das heißt nicht, dass wir kein tolles Familienleben haben oder dass wir uns nicht ehrenamtlich engagieren. Denn diese Interessen und Verantwortlichkeiten sollen natürlich in unser Leben einbezogen werden, das ist Teil des Wertesystems der Firma. Aber all das bedeutet, dass man weniger Schlaf kriegt.“ Eine 35-Stunden-Woche? Mit Schwarzman nicht machbar.
Dennoch, während auch in der Finanzwelt nach Fachkräften gesucht wird, hat die Firma keine Nachwuchsprobleme. Im Gegenteil: Auf 169 neue Plätze für Berufseinsteiger erhielt sie zuletzt rund 62.000 Bewerbungen. Und Schwarzman siebt aus. „Ein Unternehmen zu managen war mir nicht in die Wiege gelegt", sagt er. Gerade anfangs machte er Fehler, zum Beispiel im Einschätzen von Personen. „Wir brauchen Mitarbeiter, die eine Zehn sind – die also auf einer Skala von zehn auf zehn Punkte kommen. Manche können das sehr gut vortäuschen. Heute falle ich darauf nicht mehr herein.“
Ganz wichtig ist ihm bei seinen Mitarbeitern die Bereitschaft, sich weiterbilden zu wollen: „Es ist faszinierend, wie Menschen versuchen, sich von ihren Fehlern zu distanzieren, als ob sie nicht dabei gewesen wären, geschweige denn die Verantwortung getragen hätten.“ Das Erste, was Schwarzman immer tue, wenn etwas nicht so laufe, ist sich zu fragen: Was habe ich verpasst? Daraus ziehe er seine Lehren. „Das ist Teil der Kultur. Man beseitigt Prozessfehler, menschliche Fehler wie mangelnde Koordination.“
An jüngere Analysten bei Blackstone richtet er inzwischen eine überraschend uneitele Botschaft: „Setzt euch nicht so unter Druck wie ich es tat. Ich bin auf Maximum gegangen – in allem. Ich habe viel selbst erzeugten Stress aufgesogen, und tue das noch immer. Aber mittlerweile sind meine Nervenenden abgebrannt, sodass es mich gar nicht mehr stört.“ Den totalen Einsatz hat er selbst gelebt – empfehlen mag er ihn seinen Kindern nicht mehr.
Ein Imperium aus Immobilien, Private Equity und Kredit
Heute gehören Immobiliengeschäfte, Private Equity sowie Kredit- und Hedge-Fonds-Strategien zu den Tätigkeitsfeldern des Unternehmens, das übrigens auch Blackrock hervorbrachte. 1988 gründete Larry Fink den Vermögensverwalter mit acht Mitarbeitern als Tochter von Blackstone. 1992 wurde der Name Blackrock angenommen. 1994 folgte die vollständige Abspaltung von Blackstone.
Das Immobilien-Portfolio ist eines der größten der Welt, mit einem besonderen Schwerpunkt auf Lagerhäusern. „Ich kann Amazon nicht kaufen, also kaufe ich Lagerhallen, um am Erfolg teilzuhaben“, soll Schwarzman dazu gesagt haben. 2019 kaufte Blackstone für 18,7 Milliarden Dollar ein Portfolio aus Lagerhallen der Firma GLP aus Singapur, das 16,6 Millionen Quadratmeter umfasst. Neben tausenden Wohnungen in Deutschland gehört auch die Hotelkette Hilton zum Reich von Blackstone, was das Unternehmen zum viertgrößten Hotelbetreiber des Planeten macht – um nur einige Eckpfeiler zu nennen. Angefangen mit Immobilien hatte er zu einer Zeit, in der die Vermögensklasse als riskant galt: „Ein Teil des Erfolgs besteht darin, sich vorzustellen, was passieren wird, bevor es passiert."