IT-Anwendungen Asien wird zum Gateway für Künstliche Intelligenz

Vor wenigen Jahren waren Roboterkellner in China noch etwas Besonderes: Die Geschwindigkeit, mit der immer neue technologische Durchbrüche erzielt werden, ist beispiellos.  | © Getty Images

Vor wenigen Jahren waren Roboterkellner in China noch etwas Besonderes: Die Geschwindigkeit, mit der immer neue technologische Durchbrüche erzielt werden, ist beispiellos. Foto: Getty Images

Weltweit verschärft sich der Wettlauf um die Nutzung neuer Technologien. Asien ist bei der Integration von Automatisierungsstrategien ganz vorne mit dabei. Auf die Region, die allgemein als die „Fabrik der Welt“ gilt, entfallen schon jetzt 65 Prozent der weltweiten Nutzung von Industrierobotern in der Fertigung, hat der Internationale Währungsfonds errechnet. Angesichts der rasant voranschreitenden Entwicklung innovativer Technologien gehen wir davon aus, dass intelligente Maschinen in naher Zukunft noch mehr Schritte in der industriellen Fertigung übernehmen werden.

Die als „vierte industrielle Revolution“ bezeichnete Entwicklung baut auf der umfassenden Digitalisierung unserer Lebenswelt auf. Die Geschwindigkeit, mit der immer neue technologische Durchbrüche erzielt werden, ist beispiellos. Wir gehen davon aus, dass sich insbesondere für Asien erhebliche Chancen bieten dürften, den KI-Markt zu erschließen. Die Region ist hier schon jetzt Vorreiter: Asien hat sich KI-Technologie für die Fertigung in verschiedenen Branchen schneller zu eigen gemacht als der Rest der Welt.

Asien wächst über den Westen hinaus

Einzelne Länder Asiens sind schon heute in einer glänzenden Ausgangslage, um sich technologische Fortschritte zunutze zu machen. Viele Anleger gehen falsch in der Annahme, dass die Region lediglich mit einer Kombination aus billigen Herstellern und kostengünstigen Exporteuren punktet.

Im Gegenteil: Mehrere asiatische Volkswirtschaften sind über die veralteten Strukturen vieler Industrieländer hinausgewachsen. Das lässt sich insbesondere in China erkennen, wo sich mobile Bezahlsysteme in beeindruckendem Tempo durchgesetzt haben. Zahlungen für Restaurantbesuche, Online-Bestellungen und Taxifahrten erfolgen hier flächendeckend per digitaler E-Wallet.

In welchen Ländern Asiens wird aus Science-Fiction Realität?

Landwirtschaftliche Produktion auf der Basis von KI dürfte die Agrarwirtschaft in Vietnam von Grund auf verändern. Mit Sensoren verbundene Smartphone-Apps können sowohl Warnmeldungen senden, etwa wenn der Wasserstand in einem bestimmten Gebiet zu niedrig ist, als auch Landwirte über die genaue Dosierung von zu verwendendem Dünger informieren. Schon jetzt wird in Gewächshäusern die Luftfeuchtigkeit gemessen: Intelligente Systeme erkennen den Ist-Zustand der Luftfeuchtigkeit und steuern punktgenau Ventilatoren, um Feuchtigkeit abzuführen und den exakten Soll-Zustand zu erreichen.

Südkorea dürfte im Bereich der KI-Umsetzung ebenfalls gut positioniert sein: Die Internet-Infrastruktur des Landes zählt bereits heute zu den schnellsten der Welt, nachdem sich die Regierung im Nachgang der asiatischen Finanzkrise des Jahres 1997 auf diesen Bereich konzentriert hatte, um die wirtschaftliche Erholung voranzutreiben. Südkorea verfügt deshalb bereits über ein landesweites Netzwerk für das Internet der Dinge (IoT) – das Long Range Wide Area Network (LoRaWAN) ist eine günstige und energieeffiziente Alternative zum WLAN.

China wiederum verfolgt einen dreistufigen strategischen Plan, um bis zum Jahr 2030 im Bereich der KI weltweit führend zu sein. Der Plan konzentriert sich darauf, führende KI-Technologie zu entwickeln, KI in die Bereiche Infrastruktur, Medizin, Fertigung und Landwirtschaft einzubinden und KI nicht zuletzt auch auf die nationale Verteidigung sowie die soziale Ordnungspolitik anzuwenden. Chinas ambitionierter Maßnahmenplan zielt unter anderem darauf ab, das Land mit seinen 1,4 Milliarden Menschen weniger stark auf die exportorientierte Fertigung auszurichten und es stattdessen zunehmend auf einen verbraucherorientierten Binnenkonsum umzustellen.

In China nutzen insbesondere Bewohner ländlicher Gebiete die Vorteile des Mobile-to-Mobile-Zahlungsverkehrs. Der Besuch einer stationären Bankfiliale kann damit entfallen. Auffällig ist: Die Marktdurchdringung von entsprechenden digitalen Systemen unterscheidet sich sehr deutlich von der Situation in den Industrieländern. Interessant hierbei: In der ehemaligen britischen Kronkolonie Hongkong, die im Jahr 1997 an China zurückfiel, finden Zahlungen nach wie vor überwiegend in bar oder mittels Kreditkarten statt.