Schwellenländer-Anleihen Die Arabische Halbinsel schließt zu Europa und Asien auf

Skyline von Doha, Hauptstadt des Emirats Katar: Große ausländische Bevölkerungsanteile, als Gastarbeiter in den Golfstaaten, befeuern den Konsum.  | © Getty Images

Skyline von Doha, Hauptstadt des Emirats Katar: Große ausländische Bevölkerungsanteile, als Gastarbeiter in den Golfstaaten, befeuern den Konsum. Foto: Getty Images

Was haben Bahrain, Kuwait, Oman, Katar, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) gemeinsam? Diese sechs Länder des Nahen Ostens, alle auf der Arabischen Halbinsel gelegen, gehören zum Golfkooperationsrat (GKR, Englisch: Gulf Cooperation Council, GCC), eine politische und wirtschaftliche Allianz.

In der Vergangenheit entsprachen Anleihen aus den GKR-Ländern nicht den Kriterien für eine Aufnahme in Indizes für festverzinsliche Wertpapiere aus Schwellenländern. Der Hintergrund: Die GKR-Länder sind von hohen Pro-Kopf-Einkommen gekennzeichnet und ihre Anleihen weisen zumeist Investment-Grade-Ratings auf. Damit übersteigen sie in der Regel die Kriterien für die Aufnahme in Schwellenländerindizes.

Aufnahme der GKR-Mitgliedstaaten in den EMBI ab Januar 2019

Jüngst hat J.P. Morgan angekündigt, die Länder des Golfkooperationsrats in den Emerging Market Bond Index (EMBI) aufnehmen zu wollen. J.P. Morgan beabsichtigt, staatliche und halbstaatliche Anleiheemittenten der Länderallianz in der Zeit vom 31. Januar bis zum 30. September 2019 in den Index aufzunehmen. Ein wichtiger Meilenstein – nicht nur für die Region, sondern auch für das Anleihenuniversum an sich. Liquidität und Größe des Schwellenländer-Anlageuniversums nehmen zu, weil GKR-Anleihen zukünftig mehr Aufmerksamkeit internationaler Anleger auf sich ziehen werden.

Die Indexerweiterung eröffnet Anlegern die Möglichkeit, ab dem kommenden Jahr über Oman hinaus, sechster Mitgliedstaat des GKR und bereits im EMBI enthalten, auf der Arabischen Halbinsel zu investieren. Ab Ende Januar 2019 werden somit sämtliche GKR-Mitgliedstaaten im Index geführt.

Mit dem angekündigten Schritt wird das EMBI-Anleihenuniversum um Anleihen im Wert von rund 150 Milliarden US-Dollar erweitert, wie J.P. Morgan berechnet hat. Integriert werden die neuen GKR-Länder schrittweise über den genannten Zeitraum von sechs Monaten, wodurch sich die Gewichtung im Index jeden Monat um 2 Prozent erhöht. Nach Abschluss des Aufnahmeverfahrens dürfte die Region somit sehr ansehnliche 12 Prozentpunkte des Index ausmachen. Dadurch steigt die Gewichtung des Nahen Ostens im Index auf insgesamt 18 Prozent – womit die Region zu den Schwellenländern aus anderen Regionen wie etwa Europa (22 Prozent) und Asien (17 Prozent) aufschließen kann.

Neue Kriterien ermöglichen Indexerweiterung

Die von J.P. Morgan für die Aufnahme in den EMBI vorgegebenen neuen Kriterien für Schwellenländer sehen folgendermaßen aus: Das Pro-Kopf-Bruttonationaleinkommen des jeweiligen Landes muss unter 18.769 US-Dollar liegen. Zugleich muss das Kreditrating über drei aufeinanderfolgende Jahre hinweg unterhalb von Investment Grade (mit den Benotungen A-/A3) geblieben sein. Bislang war lediglich Oman aufgrund seines niedrigen Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukts als einziges GKR-Land im EMBI vertreten. Die übrigen GKR-Länder weisen höhere Einkommensniveaus auf als die meisten anderen Schwellenländer und ihre Anleihen haben Investment-Grade-Ratings.

Weil bislang alle GKR-Länder außer Oman nicht exakt zu den für den J.P. Morgan EMBI vorgegebenen Parametern passten, hat J.P. Morgan eine Änderung auf den Weg gebracht: Für den EMBI wird ein Kaufkraftparitätsverhältnis eingeführt. Die Kaufkraftparität (KKP) misst die Gesamtmenge an Waren und Dienstleistungen, die eine einzelne Einheit der Währung eines Landes in einem anderen Land kaufen kann. Die KKP kann als alternativer Wechselkurs einer Währung betrachtet werden, der jedoch auf tatsächlichen Preisen beruht. Der Ansatz von J.P. Morgan: Länder mit einem KKP-Verhältnis von weniger als 60 Prozent erfüllen die Anforderungen für eine Aufnahme in den Index, selbst wenn ihr Pro-Kopf-Bruttonationaleinkommen über der Einkommensobergrenze des Index liegt und sie über ein Investment-Grade-Bonitätsrating verfügen.

Emissionsvolumen am GKR-Anleihenmarkt auf Rekordniveau

Das Emissionsvolumen am GKR-Anleihenmarkt hat sich binnen eines Jahrzehnts eindrucksvoll gesteigert: Heute umfasst der Markt umlaufende Anleihen im Wert von mehr als 400 Milliarden US-Dollar (Bloomberg, Stand: Dezember 2017). Den Staatsanleihen von vier der sechs GKR-Länder haben renommierte internationale Kreditrating-Agenturen ein Bonitätsrating von „A1“ oder höher verliehen.

Mit ihrem jährlichen Anleihen-Emissionsvolumen haben die GKR-Länder erst kürzlich einen neuen Rekord aufgestellt: 2017 belief sich der Wert der begebenen Schuldtitel, die neben klassischen Anleihen auch Sukuk (islamische Anleihen, bei denen keine Zinsen auf das angelegte Kapital gezahlt werden) umfassen, auf rund 85 Milliarden US-Dollar. Dies war vor allem auf die Anstrengungen der Regierungen der GKR-Länder zurückzuführen, ihre Volkswirtschaften zu diversifizieren und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern.

Fazit: Gute Rendite-Risiko-Profile und breitere Diversifikation

Die Indexerweiterung signalisiert, dass die GKR-Region auf einem immer solideren Fundament zu stehen kommt. Anleger in GKR-Anleihen sollten bei ihren Investments jedoch die Auswirkungen von Schwankungen der Ölpreise sowie von ungünstigen geopolitischen Ereignissen berücksichtigen. Unserem Research zufolge weisen GKR-Anleihen in der Regel allerdings nur geringe Korrelationen zu den Ölpreisen sowie anderen festverzinslichen Anleihen auf. Stattdessen erschließen sie den Weg zu ausgewogenen Rendite-Risiko-Profilen und stellen ein Mittel zur Diversifikation von Portfolios dar.