Investmentstile Die besten aktiven Anleger bleiben passiv

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Auch „passive“ Fonds können starke Anpassungs- und Umschichtungsaktivitäten entfalten

Aktien- und Rentenindexfonds werden oft mit passiven Produkten gleichgesetzt. Aber dies ist zu oberflächlich, da sich Indizes in ihrer Konstruktion oftmals grundlegend unterscheiden. Es gibt umfassende Indizes, die ein repräsentatives Abbild von Wertpapiermärkten darstellen sollen – wie zum Beispiel der Stoxx Global 1800 für die globalen Aktienmärkte. Und es gibt Indizes, die bestimmte Teilsegmente repräsentieren – wie zum Beispiel der Dax für das Bluechip Segment des deutschen Aktienmarktes.

Darüber hinaus gibt es „synthetische“ Indizes, die nach bestimmten Investmentkriterien gebildet werden. Hierbei werden sowohl quantitative wie auch qualitative Kriterien zur Konstruktion herangezogen – wie zum Beispiel bei Minimumvarianz- oder Nachhaltigkeitsindizes. Sofern sie die Zielsetzung verfolgen, bessere Performanceeigenschaften als ein repräsentativer Index zu haben, werden die zugehörigen Fonds oftmals auch unter der Bezeichnung „Smart-Beta“ vermarktet.

Dem Ideal des passiven Investments kommen Fonds am nächsten, die sich kostengünstig umsetzen lassen und an einem möglichst repräsentativen Index orientieren. Jack Bogle startete vor genau 40 Jahren mit dem „Vanguard 500“ den ersten Publikumsindexfonds und begründete damit den Siegeszug des passiven Investments.

Er machte mit dem S&P 500 einen relativ umfassenden sowie einfach – und damit kostengünstig – zu replizierenden Aktienindex zur Grundlage seines passiven Produktes. Anleger sollten so möglichst unbelastet von Kosten und Fondsmanagerfehlern Zugang zur Ertragskraft des US-Aktienmarktes erhalten.

Inzwischen hat seine ursprüngliche Idee aber viele Abwandlungen erfahren, welche die ursprünglichen Intentionen zunehmend infrage stellen. In Europa sind vor allem Indexfonds auf hochliquide Bluechip-Indizes wie den Dax oder EuroStoxx 50 sehr beliebt, die sich zwar für die Anbieter kostengünstig herstellen lassen, aber den Gesamtmarkt (inklusive Small- und Mid Caps) nicht wirklich abbilden.

Während diese Fonds aber noch als relativ echte passive Produkte gelten können, ist dies bei Fonds auf der Basis von synthetischen Indizes weniger klar. Denn die ihnen zugrunde liegenden Auswahlkriterien basieren vielfach auf Strategien, deren Anlageergebnis den Markt übertreffen soll. Dies ist aber eigentlich das Ziel von aktivem Management. Synthetische Indizes werden auch teilweise sehr häufig umgeschichtet – an den Markt angepasst. Damit erfüllen sie Kriterien der am Anfang vorgestellten Definitionen für aktives Fondsmanagement.

Allerdings sind für die Umschichtungen keine menschlichen Fondsmanager verantwortlich, sondern von Menschen festgelegte Regeln, die entweder ein Indexkomitee oder ein Computeralgorithmus umsetzt. Ob aber alleine das Outsourcing der Entscheidungsverantwortung einen Fonds „passiv“ macht, ist sehr zweifelhaft. Zumindest handelt es sich um Hybrid-Produkte zwischen beiden Kategorien, und sie sollten auch als solche angesehen werden. Hierfür sprechen auch die Gebühren für synthetische Indexfonds, die zumeist zwischen denen von traditionellen aktiven Fonds und „echten“-Indexfonds angesiedelt sind.