Investmentstile Die besten aktiven Anleger bleiben passiv

Vorstand von Long-Term Investing Research – Institut für die langfristige Kapitalanlage: Karl-Heinz Thielmann

Vorstand von Long-Term Investing Research – Institut für die langfristige Kapitalanlage: Karl-Heinz Thielmann

In den letzten Wochen konnte man in der Finanzpresse wieder diverse Abgesänge auf das aktive Fondsmanagement lesen. Schlechte Performance-Zahlen für Publikumsfonds und hohe Mittelabflüsse für aktiv verwaltete Aktienfonds scheinen ein eindeutiges Signal zu geben: Aktives Fondsmanagement funktioniert nicht, die frustrierten Kunden laufen weg. Stattdessen rücken immer mehr kostengünstige Indexfonds und andere „passive“ Investmentprodukte in den Mittelpunkt des Investoreninteresses.

Doch ist aktives Fondsmanagement wirklich aussichtslos? Oder verbergen sich hinter der schlechten Performance grundsätzliche Probleme der Investmentbranche, die mit dem Unterschied zwischen „aktiv“ und „passiv“ nichts zu tun haben?

Unklare Begrifflichkeiten

Was genau ist eigentlich aktives Fondsmanagement? Der Begriff wird generell mit der Zielsetzung verbunden, durch bewusste Anlageentscheidungen eines Fondsmanagers „den Markt zu schlagen“. Was dies konkret bedeutet, ist aber nicht eindeutig, genau so wenig wie die genaue Abgrenzung vom vorgeblichen Gegenteil, dem passiven Management.

In der Literatur findet man zwei gängige Begriffsbestimmungen:

1) aktives Management = laufende Anpassung: Im Börsenlexikon der Deutschen Börse beispielsweise ist ein aktiv verwalteter Fonds definiert als „Investmentfonds, dessen Zusammensetzung von einem Fondsmanager beobachtet, überprüft und je nach Marktsituation angepasst wird.

2) aktives Management = ausnutzen von Marktineffizienzen: In der Broschüre „Aktives Management“ von Allianz Global Investors heißt es hingegen: „Dem aktiven Management liegt die Zielsetzung zugrunde, durch Ausnutzung von Ineffizienzen an den Kapitalmärkten eine bessere Wertentwicklung als ein adäquater Vergleichsindex (Benchmark) zu erzielen.“

Beide Definitionen scheinen ähnlich, sind es aber nicht. Die erste impliziert, dass der Fondsmanager versucht, Finanzmarktentwicklungen vorherzusehen. Er macht Kursprognosen und investiert auf deren Basis. Nach der zweiten Definition wird bevorzugt in Wertpapiere investiert, die vom Finanzmarkt falsch gepreist sind, unabhängig davon, welche Kursentwicklung kurzfristig erwartet wird.

Dies sind durchaus verschiedene Dinge. Denn Finanzmärkte sind durch viele Faktoren getrieben, die Korrektur von Ineffizienzen ist nur einer davon. Zudem gibt es Phasen, in denen Ineffizienzen entstehen. Gerade in solchen Perioden bedingen beide Definitionen ein völlig unterschiedliches Anlage-Verhalten, was an den Beispielen Warren Buffett und Voya Fonds deutlich wird.

Sind Warren Buffett und der Voya-Fonds aktive oder passive Anleger?

Für Warren Buffett sind Aktien Anteile an produktiven Unternehmen. Daher ist für ihn entscheidend, dass diese Firmen operativ langfristig erfolgreich sind, unabhängig davon, wie dies am Aktienmarkt bewertet wird. An seinen Anteilen hält er fest, solange die Gründe für den Erfolg anhalten, am besten dauerhaft. Dies kommt auch in einem seiner berühmtesten Zitate zum Ausdruck: „My favorite holding period is forever.“ – „Am liebsten behalte ich meine Aktien ewig“.

Buffett investiert in Qualitätsaktien, die nicht überbewertet sind. Er ignoriert Marktbewegungen, es sei denn, sie eröffnen ihm durch gravierendes Mis-Pricing von Aktien günstige Einstiegsmöglichkeiten. Die Wertentwicklung des Referenzindex ist für seine Anlageentscheidung völlig irrelevant.

Nach der ersten Definition wäre Buffett überwiegend ein passiver Anleger, da er sein Portfolio nicht in Hinblick auf erwartete Marktentwicklungen anpasst. Nach der zweiten Definition ist Buffett ein aktiver Anleger, da er mittels analytischer Methoden herauszufinden versucht, welche Unternehmen a) besser als ihre Wettbewerber sind sowie b) inwieweit dies im Marktpreis reflektiert ist.