Innovation gesucht Lebenswelt der Kunden ist das Smartphone und nicht die Filiale

Gründer Matthias Kröner ist Vorstand und Anteilseigner der Fidor Bank.  | © Fidor Bank

Gründer Matthias Kröner ist Vorstand und Anteilseigner der Fidor Bank. Foto: Fidor Bank

Gemeinsam mit der Bundesregierung bewegt sich die deutsche Bankenbranche im digitalen Neuland. Wenn es hierzu noch eines Beweises bedurft hätte, dann hat die Einführung von Apple Pay das ganze Dilemma offengelegt: Die heimischen Institute werden demnächst das lokal-digitale Payment-Angebot Paydirekt beerdigen – wobei lokal und digital zusammen schon mal keinen Sinn ergibt. Gedacht war das Investment von mehr als 600 Millionen Euro als Wettbewerber zu Paypal, jedoch in einem verzweifelten Kraftakt eine Dekade zu spät konzipiert.

Währenddessen hat Apple Pay nahezu im Vorübergehen den Mobil-Payment-Markt aufgerollt. Nur die Älteren unter uns können sich daran erinnern, dass auch mal die Deutsche Bank etwas zum Jubeln hat. Apple Pay und Mastercard haben dies ermöglicht.

Auf der einen Seite der digitale Siegeszug, auf der anderen Seite das Scheitern eines verkrampften, verspäteten Produktes, das aufgrund der vielen Köche an diesem Topf nicht aus dem berühmten Quark kam. Sparkassen und Volksbanken haben es nicht geschafft, ihr Zahlungssystem Paydirekt gegen Paypal durchzusetzen. Ein peinlicher Riesenflop.

Ein Zahlungsdienstleister wie Wirecard ist an der Börse mehr wert als die Deutsche Bank. Die Milliarden-Bewertung der Digitalbank N26 spricht ebenfalls eine klare Sprache. Unsere heimischen Befürchtungen sind derweil ganz andere: Die Bundesregierung ist besorgt und scheint einen Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank voranzutreiben. Manche empfehlen sogar einen Zusammenschluss der Deutschen Bank mit den Sparkassen.

Deutschlands Kreditinstitute wirken stellenweise ratlos. Sie geben seit Jahren riesige Beträge für Innovationen aus und kommen doch kaum vorwärts. Die Kooperation mit jungen Fintechs hat die großen Institute nicht wirklich vorangebracht, obwohl sie viel investiert haben. Viel wurde angekündigt, doch wurde auch viel erreicht?

Manche etablierten Häuser ziehen sich gar wieder zurück. Schon fühlen sich die ewigen Zweifler und Zauderer bestätigt. Wie schon in den 2000er-Jahren warten viele ab und hoffen klammheimlich auf ein Ende der Digitalisierungswelle. Wird dieses Ende auch tatsächlich kommen? Laut aktuellen Start-up Barometer Deutschland der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY hat das Finanzierungsvolumen im Fintech-Sektor kräftig zugelegt und ist 2018 auf insgesamt 659 Millionen Euro geklettert.