Globale Blue Chips „Die Aktie ist alternativlos“


Aktienanleger konnten sich in den vergangenen Jahren nicht beschweren. Es gab kaum einen Bereich, in dem kein Geld für sie zu verdienen war. Ein wichtiger Treiber der Aktienmärkte war – und ist – die Liquiditätsschwemme durch die großen Notenbanken. Auch ihre Niedrigzinspolitik kommt den Aktienmärkten zugute. Viele Investoren, vor allem aus dem institutionellen Bereich, die lange Jahre auf Staatsanleihen fokussiert waren, müssen sich, um ihre Verbindlichkeiten erfüllen zu können, in risikoreichere Gefilde sowohl im Anleihebereich als auch in die Aktienmärkten vorwagen.

Auch wenn die Aktienkurse in vielen Märkten schon ein ansehnliches Niveau erreicht haben, hält Jörg Wiechmann (Foto) einen Einstieg nicht für zu spät. „Das Hauptargument für die Aktie ist, dass sie alternativlos ist“, so der Vorstand der TOP Vermögensverwaltung AG aus Itzehoe. Globale Blue Chips, auf die er in seinem internationalen Aktienfonds IAC-Aktien Global setzt, hält er nicht für zu teuer. Klassische Bewertungskennziffern wie Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) oder Kurs-Buchwert-Verhältnis seien nahe an ihrem historischen Mittel. Die KGV etwa sieht er bei um dem 15-Fachen. „Und im Vergleich zu Anleihen, die sich in einer noch nie dagewesenen Blase befinden, sind Aktien ohnehin günstig bewertet“, argumentiert Wiechmann.

Vorsicht im Finanzsektor und im Konsumbereich

In einigen Sektoren ist er dennoch etwas vorsichtiger. Vor allem Finanzunternehmen sieht er skeptisch. „Lebensversicherungsgesellschaften sind aus unserer Sicht verkappte Anleiheanlagen“, so Wiechmann. Banken und Versicherungen hat er aufgrund der aktuellen Zinssituation, die sich in Europa auch nicht so schnell ändern dürfte, daher untergewichtet.

Auch den Konsumbereich beobachtet Wiechmann seit etwa ein bis zwei Jahren sehr aufmerksam. Dieser ist im Fonds mit 11 Prozent zwar noch nicht stark untergewichtet, aber doch geringer gewichtet als vor einem Jahr. „Investoren, die aus dem Anleihebereich kommen und dort nicht mehr genügend Rendite finden, wählen an den Aktienmärkten zunächst die Titel, die die höchste Sicherheit versprechen“, erklärt Wiechmann. Und dazu zählen die großen Qualitätsunternehmen aus dem Konsumbereich wie Nestlé oder Coca-Cola.

„Die Unternehmen haben berechenbare Geschäftsmodelle. Der Getränkekonsum zum Beispiel steigt in etwa mit der Weltbevölkerung und die Absatzpreise sind sehr stabil. Das macht Umsatz und Gewinn berechenbar. Bei Rohstoffunternehmen hingegen schwanken Absatzmengen und -preise deutlich stärker, was diese Branche deutlich riskanter macht“, nennt Wiechmann die Vorzüge. 

Überbewertungen können lange anhalten

Attraktiv macht solch berechenbare Aktien auch ihr anleiheähnlicher Charakter, die Dividende ersetzt den Zins. Und die Dividendenrendite ist hier trotz gestiegener Kurse in der Regel noch deutlich höher als die Rendite für Anleihen des gleichen Unternehmens. „Einige Unternehmen zeigen jedoch schon sehr ambitionierte KGV von über 20. Hier ziehen wir uns eher zurück“, so Wiechmann. Auch seine Nestlé-Gewichtung hatte er bereits deutlich reduziert, zuletzt aber wieder etwas erhöht.

Auch wenn er überbewertete Bereiche eher meidet, so ist ihm dennoch bewusst, dass Überbewertungen nicht gleich platzen müssen, sondern über viele Jahre anhalten können: „Man muss aufpassen, dass man nicht zu früh aussteigt.“ Das gilt auch für den Technologiesektor, der zurzeit am stärksten gewichtete Sektor im Fonds. Da auch hier die großen Titel schon gut gelaufen sind, denkt Wiechmann tendenziell über einen Abbau der Gewichtung nach.

Dividendenfokus birgt Risiken

Auch wenn Wiechmann große Qualitätsaktien im Fokus hat, so sind ihm die Dividenden nicht so wichtig. Er sieht sie zurzeit vielmehr als Marketingelement, um Investoren anzulocken, die regelmäßige Erträge mögen. „Nimmt man die Dividende als Auswahlkriterium, hat man ein hohes Klumpenrisiko. Auf wachstumsstarke Unternehmen und vor allem auf Technologieunternehmen müsste man dann weitgehend verzichten, Finanztitel wären hingegen klar übergewichtet“, so Wiechmann. Und darin sieht er durchaus ein Risiko, denn schließlich war in den vergangenen zwölf Monaten der Dividendenindex des MSCI World gegenüber dem breiten MSCI World rund 10 Prozentpunkte schlechter.