Flossbach von Storch Research Institute Selbstbewusste Frauen brauchen Aktien

Research-Analyst Marius Kleinheyer: Damit Frauen ihre Stärken bei der Aktienanlage ausspielen können, müssen sie sich mit dem Thema befassen. | © Flossbach von Storch

Research-Analyst Marius Kleinheyer: Damit Frauen ihre Stärken bei der Aktienanlage ausspielen können, müssen sie sich mit dem Thema befassen. Foto: Flossbach von Storch

In Zusammenarbeit mit dem GfK-Institut hat das Flossbach von Storch Research Institute letzten November eine Umfrage unter 10.000 Menschen in Deutschland durchgeführt. Dabei haben wir auch gefragt: „Angenommen, Sie legen zur Geburt Ihres Kindes oder Enkelkindes für mindestens 18 Jahre monatlich jeweils 100 Euro als Ausbildungssumme zurück. Wie würden Sie das Geld bevorzugt anlegen?“

Mit Aktien haben Anleger in der Vergangenheit deutlich höhere Erträge erzielt als mit Sparbüchern. In Zukunft wird der Unterschied sehr wahrscheinlich noch deutlicher ausfallen. Das scheinbar sichere Sparen auf festverzinslichen Konten ist zu einem Verlustgeschäft geworden, seit die Zinsen in der Nähe von null liegen. Da die Inflation alles andere als tot ist, verliert Geld – egal ob im Portemonnaie oder auf dem Konto – mit der Zeit seine Kaufkraft. Dagegen erhalten Sachwerte die Kaufkraft, weil sie in der Zukunft gegen mehr Geld eingetauscht werden können. Unter diesen Bedingungen sollte Geld langfristig in Sachwerte, wie zum Beispiel Aktien angelegt werden.

Aktien haben in Deutschland aber kein gutes Image. Aktien sind Spekulationsinstrument, das Spielzeug der Zocker, meinen die meisten. Die wenigsten verbinden mit Aktien gedanklich die Möglichkeit, über einen langen Zeitraum an Unternehmen und den Gewinnen, die sie erwirtschaften, teilzuhaben. Das ist aber nötig, um ein eigenes Vermögen für das Alter aufzubauen, wenn es keinen Zins mehr gibt. Zu oft gehen bei dem Thema die Rollladen sofort runter. Der Preis dafür ist hoch: selbstverschuldete wirtschaftliche Unmündigkeit.

Die Notwendigkeiten bei der Geldanlage sind für Frau und Mann die gleichen. Jeder, der für sein Alter vorsorgen muss, muss und kann sich frei entscheiden, auf welchem Weg er sein Ziel erreichen will. Die Anlagerenditen diskriminieren nicht zwischen den Geschlechtern.

Für Frauen wird aber das Thema Altersvorsorge in Zukunft noch wichtiger als für Männer. Frauen werden durchschnittlich älter und müssen daher für einen längeren Zeitraum vorsorgen. Gleichzeitig verdienen Frauen durchschnittlich weniger als Männer. Aufgrund von hohen Scheidungsraten funktioniert für viele Frauen auch die Absicherung im Familienverbund nicht mehr.

In den vergangenen 15 Jahren haben sich eine Vielzahl von Ökonomen, Soziologen und Psychologen mit dem Anlageverhalten von Männern und Frauen befasst und Unterschiede gefunden. Der Grund: Frauen scheuen Risiko eher als Männer.

Die Erklärungen dafür sind vielfältig. Eine im Jahr 2009 vorgenommene Studie der University of Chicago meint, dass das männliche Hormon Testosteron für die Unterschiede verantwortlich sei, Risiken einzugehen. Testosteron steigere den Anreiz für Wettbewerb und Dominanz, verringere Angst und verändere die subjektive Bewertung von Handlungen, die mit Belohnung oder Bestrafung verbunden sind. Da Männer durchschnittlich mehr Testosteron haben, sind sie auch durchschnittlich risikofreudiger.

Eine soziologische Erklärung, die zu diesem Befund durchaus passt, liefert eine Studie des Bonner Ökonomen Oded Stark aus dem Jahr 2015. Anknüpfend an vorherige Studien erklärt er, warum besonders alleinstehende Männer eher zu Aktien tendieren, während alleinstehende Frauen lieber risikofreie Festzinsanlagen bevorzugen. Auf dem Heiratsmarkt ist ein niedriger sozialer Status für Männer schlechter als für Frauen. Mit anderen Worten, Männer gehen mehr Risiken ein, um durch einen höheren sozialen Status bessere Chancen bei der Partnerwahl zu haben.

Andere Studien betonen, dass die Einstellung von Männern und Frauen im Wesentlichen auf die Kenntnisse über Geldanlagen und die damit gemachten Erfahrungen zurückzuführen sind. Vielleicht sind auch manche Frauen noch der Meinung, dass Investieren Männersache ist.

Wie auch immer, Überlegungen dieser Art können keinesfalls dazu dienen, die Risikoeinstellung eines bestimmten Menschen zu prognostizieren. Im Übrigen kann auch ein Mensch, der Risiko scheut, sich dazu durchringen, Risiko einzugehen. Die Scheu vor Risiko ist im Prinzip sogar sehr nützlich, wenn sie nicht zu einer totalen Blockade führt.

Vielleicht helfen selbstbewusste Frauen in Zukunft, die Aktie von ihrem schlechten Image zu befreien. Aktienanlage braucht Geduld, weil ihr Ertrag vor allem mit der Zeit entsteht. Und Frauen sind bekanntlich geduldiger als Männer. Damit Frauen aber ihre Stärke bei der Aktienanlage ausspielen können, müssen sie sich mit dem Thema befassen: in der Schule, mit Freundinnen, mit den Eltern – und vielleicht finden sie ja auch eine vertrauenswürdige Beraterin.