Alternatives Portfoliomanagement "Die Gesetze der Asset-Allokation können nicht außer Kraft gesetzt werden"

"Die Gesetze der Asset-Allokation können nicht außer Kraft gesetzt werden"

Betrachtung #1

Sales bleibt Sales. Auch bei Finanzprodukten. Man muss nicht Niklas Luhmann und Humberto Maturana studiert haben, um die auf Selbstreferentialität bauende Trägheit sozialer Systeme (LINK) zu erkennen.

Mitte Februar veröffentlichte das Handelsblatt eine Umfrage des Privat Finance Instituts der EBS Business School, in der mehr als tausend Bankberater befragt wurden. Sie zeigt, wie frustriert die Berater der konventionellen Banken sind und warum Provisionen bei der Kundenberatung nach wie vor entscheidend sind.

Darunter leiden müssen häufig die eigenen Kunden: 4 von 10 Berater geben an, dass ihre Vertriebsvorgaben dem Kundeninteresse „häufig“ oder „fast immer“ widersprechen.

Doch der Vertriebsdruck der Provisionsbanken belastet die Berater auch selbst: 4 von 10 geben an, dass sie die Vertriebsvorgaben der Bank persönlich belasten. Die Belastung sei so stark, dass jeder Vierte sogar in den nächsten drei Jahren seinen Job wechseln möchte.

Zusammengefasst bilden Privatanleger weiterhin eine beliebte Schafsherde, die darauf wartet, geschoren zu werden. Es bleibt abzuwarten, ob die Mifid-Überarbeitung einen Transparenzschub ermöglicht und zu übereinstimmenden Interessen zwischen Kunden und Bank führt.

Betrachtung #2

Auch klassische Asset-Manager, also jener Teil der Wertschöpfungskette, der interne sowie externe Vertriebsstrukturen mit neuen Publikumsfonds-Produkten versorgt,  bleiben der Tradition verschrieben.

Wie im ersten Teil der Serie ausgeführt, verharren sie in veralteten Allokationsmethoden. Mit unterdurchschnittlichem Erfolg. Um neue Stories für ihre Vertriebskanäle zu schaffen und die eigene Funktion als wertvoller Portfoliobestandteil zu sichern, zeigen sie durchaus Kreativität in der Schaffung neuer Trends. 

Doch bleibt zum Beispiel die Nachhaltigkeit von Nachhaltigkeitsfonds noch ein großes Fragezeichen, wie eine kürzlich erschienene Aufstellung aus dem Hause Feri Eurorating zeigt. Auch stellen Themenfonds oder auf Sektorrotation basierende Strategien alten Wein in neuen Schläuchen dar. Diversifikationseffekt ungenügend.

Zusammengefasst, stellen die gegenwärtigen Reformversuche am Geschäftsmodell im klassischen Portfoliomanagement Symptombehandlungen dar.

Betrachtung #3

Wir kochen alle nur mit Wasser. Der derzeitige „Mutualfundization“-Effekt bei Hedgefonds zeigt dies deutlich. Deshalb gilt für institutionelle wie private Investoren: klingt eine Strategie, eine Performance-Reihe, eine Produktstruktur zu gut um wahr zu sein, ist sie es auch.

Für Wunder sind andere Institutionen zuständig. Und selbst diese haben ihre Schwierigkeiten damit. Die Gesetze der Schwerkraft in der Asset-Allokation – wie zum Beispiel ein relativ stabiler Zusammenhang zwischen Risiko und Rendite - können nicht außer Kraft gesetzt werden.

>>Bereits von der PSC-Serie erschienen sind:

Teil 1: „Die Underperformance von Publikumsfonds ist seit Mitte des 20. Jahrhunderts stabil“

Teil 2: Ist „nicht grundsätzlich falsch“ denn gut genug?

Für Interessierte: In meinem „Alternative Portfoliomanagement“-Workshop mit der Wiener Börse gehen wir im Detail auf die Möglichkeiten und Grenzen gängiger und neu entwickelter Asset-Allokation-Methoden ein.

Auf Basis dieser neuesten akademischen, wie praktischen Asset-Allokation-Erkenntnissen, wird dem Teilnehmer ein Tool-Set an modernen Allokationsformen beigebracht. Es soll diesem zu einem diversifizierten Portfolio in Abstimmung mit den Vorgaben des jeweiligen Risikoprofils verhelfen.

Ziel ist die unmittelbare Anwendbarkeit des Erlernten im jeweiligen Aufgabenbereich. Das Seminar richtet sich an professionelle Finanzmarktteilnehmer wie zum Beispiel Vermögensverwalter, Pensionskassen, Stiftungen, Private Banker, Family Offices, Portfoliomanager in Banken et cetera. Weitere Informationen finden Sie hier.


Der Autor: Markus Schuller ist Gründer von Panthera Solutions, einem Beratungsunternehmen für strategische Asset Allocation im Fürstentum Monaco. Zuvor war er über zehn Jahre als Asset Manager und Produktentwickler bei Banken und Asset Managern tätig. Er kommentiert für diverse Qualitätsmedien den Markt und referiert regelmäßig auf Konferenzen zum Thema Asset Allocation.