Handelskrieg und Asset Allocation „Mit Stockpicking lassen sich Zollbarrieren überwinden“

Thomas Kruse, CIO Deutschland bei Amundi: „Aktuelle Kursverluste kann man nicht nur dem Thema Handelskrieg zurechnen“. | © Amundi AM

Thomas Kruse, CIO Deutschland bei Amundi: „Aktuelle Kursverluste kann man nicht nur dem Thema Handelskrieg zurechnen“. Foto: Amundi AM

Trotz aller aktuellen Probleme erwarten wir als Basisszenario nur mäßige Zolltarife, die für verschiedene Grenzen eingeführt werden könnten. Allerdings beeinträchtigt allein schon die Gefahr eines globalen Handelskriegs unter Umständen das Wachstum vieler Volkswirtschaften. Wir haben bereits festgestellt, dass sich die Zuversicht auf das globale Geschäftsklima verschlechtert. Die allgemeine Verunsicherung könnte sich schnell auf die Investitionsbereitschaft auswirken.

Kommt es zur Erhöhung von Zolltarifen, erwarten wir einen massiven Einfluss der protektionistischen Maßnahmen auf den Welthandel. Davon unabhängig wird sich nach unserer Ansicht allerdings das weltweite Wachstum in den Jahren 2018 und 2019 fortsetzen. Sollten allerdings die Gespräche und Verhandlungen fruchtlos bleiben und ein echter Handelskrieg beginnen, befürchten wir tiefgreifende Rezessionseffekte. Dies gilt vor allem für Länder, die besonders in denjenigen Branchen exponiert sind, auf welche die Maßnahmen zielen. Dazu zählt insbesondere die Automobilindustrie.

Im Einzelnen haben wir folgende Einschätzungen:

Bei Aktien der Industriestaaten bevorzugen wir, speziell im Hinblick auf die Handelsaktivitäten, die USA gegenüber Europa. Innerhalb Europas liegt unser Fokus auf dem Vereinigten Königreich. Viele europäische Aktien haben in der jüngsten Vergangenheit Kursverluste erlitten. So ist etwa der deutsche DAX schlechter gelaufen als der breite europäische Index Stoxx 600. Doch die Kursverluste lassen sich nicht nur dem Thema Handelskrieg zurechnen. Auch die Verschlechterung laufender Aktivitätsindikatoren der europäischen Volkswirtschaften ist für die Kursentwicklung wichtig.

Für Aktien aus Schwellenländern sind die Handelshemmnisse besonders negativ, denn diese tendieren dazu, sowohl die weltweiten Inflationsraten als auch die US-Zinsen nach oben zu treiben. Außerdem vermindern sie die Investitionsabsichten und könnten sich auch negativ auf die Exporte einzelner Länder auswirken. Doch wir setzen auf Investmentstorys, die von derartigen Entwicklungen unabhängig sind.

Ebenfalls interessant sind jene Schwellenländer, denen es gelingt, negativen Zoll- und Handels-Effekten mit eigenen politischen Maßnahmen entgegenzuwirken. Dazu zählen Russland, Öl-exportierende Länder, China mit seiner auf Flexibilität ausgelegten Politik sowie Mexiko aufgrund seiner traditionell tief verwurzelten Wirtschaftsbeziehungen zu den USA.

Trotz aller Unberechenbarkeit der US-Politik und der Gefahr eines eskalierenden Handelsstreits gibt es für Investoren demnach keinen Grund, in Schockstarre zu verharren. Vielmehr bleiben verschiedene Möglichkeiten, in Assets zu investieren, die unter den US-Kapriolen vergleichsweise wenig leiden würden. So hängt etwa ein Investment in ein globales Emerging-Markets-Portfolio nicht ausschließlich von weltweiten Handelsrisiken ab – auch wenn diese zum jetzigen Zeitpunkt einen wichtigen Einfluss auf Investmentstrategien haben.