Weltwirtschaft im Aufschwung „Deshalb setzen wir jetzt auf europäische Aktien“

Lars Tranberg Rasmussen, Senior Analyst bei Danske Invest

Lars Tranberg Rasmussen, Senior Analyst bei Danske Invest

Im Januar spiegelten die Wirtschaftsdaten zwar weiterhin eine wachsende Globalkonjunktur wider. Doch wir erlebten einmal mehr, dass Politik für die Weltwirtschaft eine große Rolle spielt – sowohl diejenige der Zentralbanken als auch diejenige der gewählten Volksvertreter. Die größte Aufmerksamkeit zog natürlich der neue US-amerikanische Präsident Donald Trump auf sich.

Nach Trumps Wahlsieg herrschte an den Finanzmärkten zunächst großer Optimismus in Bezug auf einige von ihm angekündigte Initiativen. Im Januar konnten wir jedoch beobachten, wie die Bedenken im Hinblick auf den politischen und wirtschaftlichen Gestaltungswillen des neuen US-Präsidenten tendenziell zunahmen und die Vorfreude der Anleger allmählich nachließ.

Weltwirtschaft: Aufschwung setzt sich fort

Insgesamt gehen wir aber dennoch davon aus, dass die Weltwirtschaft ihr Wachstum in einem robusten Tempo fortsetzen und der Aufschwung unter anderem durch Zuwächse in der verarbeitenden Industrie getragen wird. Davon sollten vor allem die europäischen Aktienmärkte profitieren – und deshalb haben wir in unseren Portfoliolösungen, die wir im Namen unserer Kunden zusammenstellen, unser Engagement in europäischen Aktien erhöht.

Im Gegensatz dazu sind wir der Überzeugung, dass Unternehmensanleihen über ihr Ziel hinausgeschossen sind. Denn sowohl in den USA als auch in Europa sind ihre Renditen so stark gesunken, dass sie das Ausfallrisiko der Papiere unserer Ansicht nach nicht mehr ausreichend kompensieren. Daher haben wir uns entschlossen, unser Engagement in diese Anlageklasse zu reduzieren, und sind nun in beiden Regionen untergewichtet.

Insgesamt haben wir in unseren Portfolios somit Aktien im Vergleich zu unserem erwarteten langfristigen Niveau merklich übergewichtet.

USA: Wird Trump enttäuschen?

In den USA ist das Geschäftsklima nach wie vor robust. Nachdem die Unternehmen 2015 und 2016 ihre Lagerbestände abgebaut haben, hat sich diese Entwicklung mittlerweile umgekehrt. Somit trägt die Aufstockung der Lagerbestände inzwischen wieder positiv zum Wachstum bei. Auch der Arbeitsmarkt ist weiterhin solide. Die Arbeitslosenquote verharrt auf niedrigem Niveau, und wir rechnen mit einem fortgesetzten Anstieg der Löhne. Das erhöht den Druck auf die US-amerikanische Zentralbank (Fed), ihre Geldpolitik vom aktuellen niedrigen Zinsniveau aus zu normalisieren.

Seit der Präsidentschaftswahl haben die Finanzmärkte eine Antwort darauf herbeigesehnt, was Donald Trump in die Tat umsetzen wird, insbesondere in der Steuer- und Handelspolitik. Jetzt, wo er sein Amt angetreten hat, sehen wir etwas klarer – und ein umfangreiches Steuerpaket erscheint nun weniger realistisch. Im Wahlkampf verkündete der Kandidat noch, er wolle unter anderem Erleichterungen durch eine höhere Besteuerung von Importen und eine geringere Besteuerung von Exporten finanzieren. Doch die Aussichten, dass Präsident Trump dieses Versprechen tatsächlich erfüllt, sind nicht gut. Die Folge: Zur Finanzierung eines umfangreichen Steuerpakets dürfte weniger Geld zur Verfügung stehen. Somit haben die Finanzmärkte möglicherweise höhere Steuererleichterungen eingepreist, als Trump liefern kann.

In Bezug auf die Handelspolitik hat der Republikaner seinen Ankündigungen dagegen bereits Taten folgen lassen: Gleich an seinem ersten Arbeitstag im Weißen Haus hat er den Ausstieg der USA aus den Verhandlungen über das Freihandelsabkommen Trans Pacific Partnership (TPP) verordnet. Trump hat auch angedeutet, dass er gegenüber Mexiko einen härteren Kurs einschlagen wird – genau wie er im Wahlkampf angekündigt hatte. Unter der strengeren Handelspolitik werden unserer Ansicht nach weiterhin vor allem die asiatischen Länder leiden.