Warren Buffetts Outperformance Seit 50 Jahren schlauer als der Markt

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  • „Business Schools bewerten komplexes Verhalten höher als einfaches. Aber einfaches ist effektiver.“ ("The business schools reward complex behavior more than simple behavior, but simple behavior is more effective.")

  • „Um erfolgreich zu investieren, muss man nichts von Beta, effizienten Märkten, moderner Portfoliotheorie, Optionspreisen oder Schwellenländern verstehen. Tatsächlich kann es besser sein, diese Dinge gar nicht zu kennen.“ ("To invest successfully, you need not understand beta, efficient markets, modern portfolio theory, option pricing or emerging markets. You may, in fact, be better off knowing nothing of these.")

Charlie Munger hingegen war um unmissverständliche Worte nie verlegen. In einer Rede mit dem sperrigen Titel „Academic Economics: Strengths and Faults After Considering Interdisciplinary Needs“ aus dem Jahr 2003 an der University of California in Santa Barbara lieferte er eine der gnadenlosesten Kritiken an der akademischen Ökonomie ab, die jemals publiziert wurden. In neun wohlbegründeten Punkten zerlegte er einen selbstbezogenen Wissenschaftsbetrieb, in dem mit viel Aufwand eine Unmenge von realitätsfernem und teilweise haarsträubendem Blödsinn produziert wird.

Als Kernproblem machte Munger bei der zeitgenössischen Ökonomie aus, das sie ihre multidisziplinären Wurzeln verlassen und sich von den übrigen Wissenschaften abgekoppelt hat. Weitere Kritikpunkte waren: fehlende Ethik wegen der Verleugnung der geistesgeschichtlichen Wurzeln; Neid auf die Physik, der sich in der Verwendung von scheinpräzisen Formeln und Zahlen zeigt; Überbetonung einer relativ irrelevanten Makroökonomie; die einzelnen Teile der Ökonomie passen nicht zusammen; Ignoranz gegenüber psychologischen Faktoren; Unterschätzung von Folgewirkungen ökonomischer Entwicklungen; Ignoranz gegenüber der hohen Bedeutung von Täuschung und Betrug im Wirtschaftsleben; sowie die Vernachlässigung von positiven oder negativen Anreizen.

Buffett, Munger und die von der Effizienzmarkthypothese geprägten Ökonomen ihrer Generation werden wohl keine gemeinsame Basis mehr finden. Lediglich einige jüngere Wirtschaftswissenschaftler wie Lasse H. Pedersen setzen sich relativ unverkrampft mit Berkshire Hathaway auseinander.

Grundsätzlich offenbart aber der Umgang der Mainstream-Ökonomie mit Buffet und Munger – und mit einigen anderen Phänomenen wie der Finanzkrise – einen schweren Mangel im Denken: Wenn man alles, was an realen Vorkommnissen nicht in den bisherigen Modellrahmen passt, entweder ignoriert oder zum Ergebnis von Zufallsprozessen erklärt, macht man sich nicht nur unglaubwürdig, sondern verhält sich im Grunde höchst unwissenschaftlich. Seit Mungers Ökonomie-Kritik von 2003 hat sich nur sehr wenig verändert, weshalb seine Punkte auch heute noch relevant sind.

Die Studie „Buffett‘s Alpha“ hat übrigens bestätigt, dass es zwei systematische Gründe für den großen Erfolg von Berkshire Hathaway gibt, er also definitiv kein Zufall ist:

  1. Der Fokus auf relativ sichere und günstige Qualitätsaktien, wobei es laut Pedersen gar nicht mal auf die konkreten Einzelwerte, sondern vor allem auf den Anlagestil ankommt; sowie

  2. die moderate Nutzung einer kostengünstigen und risikoarmen Verschuldung, die durch das Geschäftsfeld Versicherungen ermöglicht wird.