Umfrage 10 Fragen, 10 Antworten rund um „Nachhaltiges Investieren“

Umfrage: 10 Fragen, 10 Antworten rund um „Nachhaltiges Investieren“

7. Ist die Fondsbranche dabei, Standards für die Datenlieferung zu ihren Investmentfonds zu entwickeln?

Thomas Kruse, CIO Deutschland bei Amundi

Aufgabe der Asset Manager ist es, vertrauenswürdige Daten auszuwählen, um die ESG-Praktiken von Aktiengesellschaften und Wertpapieremittenten zu analysieren und zu bewerten. Die Daten sind dabei das zentrale Element: Asset Manager entwickeln verstärkt ESG-Strategien und benötigen daher dringend detaillierte Daten, da positive Finanzerträge auch von deren Genauigkeit abhängen. Früher haben Asset Manager häufig mit einem externen Datenlieferanten zusammen gearbeitet. Damit haben sie mehr oder weniger automatisch dessen Verständnis von Nachhaltigkeit übernommen. Denn jede spezialisierte Research- und Rating-Agentur bewertet nach eigenen Vorgaben. Heute stützen sich Asset Manager oft auf mehrere externe Quellen. Dies kann jedoch zu widersprüchlichen Ergebnissen führen. Mit der Entwicklung von ESG von der Nische zum Mainstream bauen immer mehr Asset Manager ESG-Abteilungen auf und schaffen ihre eigenen Standards für die Bewertung von Anlagen.

Wir können davon ausgehen, dass sich das Methodenspektrum in Zukunft weiterentwickeln wird, um die relevanten und zukunftsweisenden Kennzahlen zu entwickeln. Auch hier hilft die Digitalisierung. Dank der bereits heute verfügbaren riesigen Datenmengen sind Research-Agenturen, Asset Manager und Investoren nicht mehr nur von Informationen abhängig, die die Unternehmen über sich preisgeben. Hier mangelt es häufig noch an Offenheit und Transparenz. Fehlverhalten oder negative Entwicklungen werden eher zurückhaltend oder in hübscher Verpackung kommuniziert. Mithilfe anderweitig erhobener Daten kann das Unternehmen deutlich besser nach ökologischen, sozialen und Governance-Aspekten bewertet werden. Diese Möglichkeiten werden sich künftig noch verbessern.

Europäische Behörden und nationale Gesetzgebungen legten den Grundstein für Vorschriften und verschiedene Initiativen (EU-Recht der nichtfinanziellen Berichterstattung, TCFD-Empfehlungen) nach mehr Transparenz auf Seiten der Emittenten. Und es bleibt noch viel zu tun, damit die Unternehmen detaillierte Informationen zu ihrem Verhalten in Bezug auf Nachhaltigkeit, Sozial-Aspekte und gute Unternehmensführung bereitstellen.  
Die europäische Taxonomie, die sich heute in der Entwicklung befindet, wird die Finanzakteure dazu verpflichten, über die Nachhaltigkeit der von ihnen als "grün" bezeichneten Fonds zu berichten.
Die Europäische Kommission und die nationalen Regierungen werden definitiv diejenigen sein, die den Wandel ermöglichen. Ermutigt und beraten werden sie dabei von Finanzakteuren.

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