Thomas Davis im Gespräch „Wirecard konnte keine Klarheit schaffen”

Thomas Davis ist Portfoliomanager des PGIM Jennison Global Equity Opportunities Fund. | © Anna Mutter

Thomas Davis ist Portfoliomanager des PGIM Jennison Global Equity Opportunities Fund. Foto: Anna Mutter

private banking magazin: Herr Davis, Disruption schreiben sich derzeit viele Produkte auf die Fahne. Warum ist das Thema beim globalen Aktienfonds PGIM Jennison Global Equity Opportunities mehr als eine Marketing-Floskel?

Thomas Davis: Ein Markenzeichen des Fonds ist, dass er im Schnitt 35 bis 40 Aktien hält. Beim Aufbau eines derart konzentrierten Portfolios müssen wir wirklich einzigartige, disruptive Unternehmen aufspüren, die mit neuen Produkten oder Dienstleistungen etwas Besseres anbieten als bisher im Markt verfügbar. Wir interessieren uns nicht für Unternehmen mit Angeboten, die vor fünf oder zehn Jahren angesagt waren.

Wodurch zeichnen sich wirklich disruptive Unternehmen aus?

Davis: Disruptive Unternehmen per Definition bieten etwas gänzlich Neues und Innovatives, das sich in besonderer Form vom Wettbewerb unterscheidet. Zum Bei-spiel das Aufkommen des Smartphones 2007: Wie unglaublich schnell damals die Marktführer der traditionellen Mobiltelefon-Branche, Nokia und Motorola, praktisch vom Markt verschwanden, als Apple das iPhone herausbrachte und Samsung ein wenig später die ersten Smartphones auf Android-Basis. Diese Produkte waren einfach besser als alles, was es bis dahin auf dem Markt gab.

Wie passen nach dieser Definition die beiden Top-Positionen Amazon oder Tencent ins Portfolio?

Davis: Beide Unternehmen sind trotz längerer Präsenz am Markt weiterhin disruptiv. An Tencent haben wir uns früh beteiligt, als das Unternehmen noch ein Nachrichtendienst und Hersteller für PC-Spiele war. Das Management ist visionär und kreativ. Beim Aufkommen von Handyspielen war Tencent frühzeitig im Markt und ermöglichte seinen Nutzern, jederzeit und überall zu spielen. So baute man eine breite Basis an Kunden auf. Als weitere Einnahmequelle erschuf das Unternehmen sein eigenes soziales Netzwerk, um Werbeeinnahmen zu erzielen. Zuletzt hat sich Tencent voll und ganz dem Thema digitales Bezahlen verschrieben, damit Nutzer online Spiele kaufen und in diesen Spielen weiteres Geld ausgeben können. Tencent baute dafür ein eigenes Bezahlsystem, basierend auf Smartphones und QR-Codes. Heute liefert die Sparte digitales Bezahlen 15 bis 18 Prozent der gesamten Einnahmen. Mit Tencents Bezahl-App We Chat Pay können Nutzer online und offline zahlen, was dazu beiträgt, China zum ersten bargeldlosen Land zu machen.

Und Amazon?

Davis: Amazon ist ebenfalls weiterhin sehr kreativ darin, neue Ertragsquellen zu finden. Gestartet als E-Commerce-Plattform, dann kamen Web Services hinzu, später die Prime-Funktionen wie kostenloser Versand oder das Video-on-Demand-Angebot. Neuerdings können Anbieter Werbung auf der Seite schalten, um mit gesponserten Beiträgen oben in den Suchergebnissen zu erscheinen. Amazon hat auf diesem Weg in den vergangenen Jahren Milliarden US-Dollar an Werbeeinahmen erzielt und gleichzeitig so gut wie keine Kosten gehabt, weil sie nur die Darstellung auf der Seite leicht verändert haben.

Sie suchen nach Unternehmen mit höchster Wachstumsdynamik. Auf welche Kriterien kommt es dabei konkret an?

Davis: Das Umsatzwachstum ist das entscheidende Kriterium. Es gibt uns ein Indiz dafür, ob die Produkte oder Dienstleistungen des Unternehmens wirklich nachgefragt werden.