Sven Hoppenhöft vom Berenberg Vermögensverwalter Office „Stiftungsfonds brauchen Profis“

Im Interview: Sven Hoppenhöft vom Berenberg Vermögensverwalter Office

Im Interview: Sven Hoppenhöft vom Berenberg Vermögensverwalter Office

private banking magazin.de: Wächst die Zahl von Stiftungen, die sich an unabhängige Vermögensverwalter wendet?

Sven Hoppenhöft: Wir verzeichnen hier einen leicht steigenden Trend. Das lesen wir an den Depotkonteneröffnungen von Stiftungen ab, die Vermögensverwalter Jahr für Jahr in unserem Haus vornehmen. Allerdings ist es sehr schwer zu sagen, ob dies für die gesamte Branche gilt. Der Markt ist sehr intransparent. Der Aufklärungsbedarf ist jedenfalls hoch, da vor allem kleine bis mittelgroße Stiftungen im heutigen Zinsumfeld zu wenig Rendite und somit kaum Ertrag generieren.

private banking magazin.de: Was heißt: Das Stiftungsvermögen droht abzuschmelzen.

Hoppenhöft: So ist es. Kleinere Stiftungen werden in der Regel eher semiprofessionell betreut und nutzen die sich am Kapitalmarkt bietenden Möglichkeiten oft unzureichend. Ein Buy-and-hold-Ansatz zum Beispiel ist heute vielfach nicht mehr zielführend, aktivere Strategien sind gefragt. Dies bedeutet, dass das Einschalten von Asset-Management-Profis sehr viel wichtiger wird.

private banking magazin.de: Ein Problem dürfte auch das deutliche Übergewicht von niedrig verzinsten Anleihen in vielen Stiftungsportfolios sein.

Hoppenhöft: Da müssen wir differenzieren. Der Renten-Schwerpunkt ergibt sich zunächst einmal aus dem Sinn der Stiftung. Da sie grundsätzlich auf „Ewigkeit“ angelegt ist, muss sich dies auch in den konservativen Anlagerichtlinien niederschlagen. Doch ist die Hauptaufgabe die Erfüllung des Stiftungszwecks: Somit besteht mit der Ausnahme der Verbrauchsstiftung die Notwendigkeit, den Kapitalerhalt sicherzustellen, was mit einem rein traditionellen Rentenportfolio schwierig sein dürfte.

private banking magazin.de: Also mehr Risiko wagen? Ein solches Umdenken dürfte etlichen Stiftungsvorständen und Kuratoriumsmitgliedern nicht ganz leicht fallen.

Hoppenhöft: Sicherlich wird für den überwiegenden Teil des Stiftungsvermögens üblicherweise eine Anleihe mit hoher Bonität gegenüber einer High-Yield-Anleihe und einer Aktie bevorzugt. Dies bedeutet aber nicht, dass nicht auch Aktien als Vermögensanlage ausgewählt werden. Aber richtig ist auch: Aktien werden von vielen Stiftungsvorständen oft noch als zu risikobehaftete Anlage gesehen, obwohl sie höhere Renditen in Aussicht stellen. Hier muss man besser aufklären.

private banking magazin.de: Gemeinnützige Stiftungen dürfen nur eingeschränkt Rücklagen bilden. Was heißt das für das Asset Management?

Hoppenhöft: Richtig, Stiftungen unterliegen dem Grundsatz der zeitnahen Mittelverwendung. Doch können die Rücklagen der Stiftung als Puffer dienen. So können etwa realisierte Gewinne und Verluste aus der Vermögensverwaltung die Umschichtungsrücklage erhöhen oder verringern. Aber ich möchte nochmals betonen: Für den Vermögensverwalter stellt im aktuellen Niedrigzinsumfeld das Erzielen ordentlicher Erträge die eindeutig größere Herausforderung im Vergleich zur Dotierung einer Rücklage dar.

private banking magazin.de: Was ist, wenn ein Stiftungsfonds mal dauerhaft ins Minus rutscht?

Hoppenhöft: Das kann natürlich passieren, zumindest der Stiftungszweck könnte dann nicht mehr erfüllt werden. Dennoch: Erfahrungsgemäß ist das Risiko einer dauerhaft negativen Performance bei Einsatz eines professionell und aktiv gemanagten Stiftungsfonds deutlich geringer als bei einer selbst verantworteten und eher passiven Strategie in der Direktanlage.