Studie des CFA Institute Schattenbanken sind nicht die größte Gefahr für das globale Finanzsystem

Susan Spinner, Geschäftsführerin der CFA Society Germany, stellt jüngst die neue Umfrage des CFA Institute zum Schattenbankwesen vor

Susan Spinner, Geschäftsführerin der CFA Society Germany, stellt jüngst die neue Umfrage des CFA Institute zum Schattenbankwesen vor

Schattenbanken gehören einheitlich reguliert, finden 82 Prozent von mehr als 600 befragten Investmentmanagern, Research-Analysten und Consultants. Das zeigt die jüngste Befragung „Shadow Banking: Policy Frameworks and Investor Perspectives on Markets-Based Finance“ des CFA Institute. In einer ergänzenden Befragung, die ausschließlich unter 79 Finanzexperten in Deutschland durchgeführt wurde, waren es sogar knapp 85 Prozent.

Gigantische Kreditvergabe abseits der Banken

Der mit der Überwachung des globalen Finanzsystems befasste Finanzstabilitätsrat (FSB) beziffert das weltweite Volumen von Schattenbanken mittlerweile auf 75 Billionen Dollar – damit übersteigen sie das weltweite Bruttoinlandsprodukt um mehr als 120 Prozent. In die Kategorie fallen Finanzunternehmen wie Hedgefonds oder private Kreditfonds, die der Regulierung und den strengen Kapitalregeln (Basel III in Europa, Dodd-Frank in den USA) für Banken nicht unterliegen. Nach Berechnungen des IWF sind diese Schattenbanken in der Eurozone für 25 Prozent und in den USA für 50 Prozent der Kreditvergabe an Unternehmen verantwortlich.

Die Kreditvergabe durch Finanzinvestoren und andere Investmentvehikel kann erhebliche Vorteile wie Diversifikation, Wettbewerb und Effizienzsteigerungen für die Finanzierungslandschaft (Konzerne und KMUs) haben, wenn nachstehende Transparenz- und Anlegerschutzkriterien adressiert werden:
  1. Die größten systemischen Risiken gehen nach Ansicht der weltweit befragten Professionals derzeit von Schattenbanken in China aus (25 Prozent der Teilnehmer). Sollten die dortigen Investmentgesellschaften – Trust-Fonds – ins Wanken geraten, so könnte dies eine gefährliche Kettenreaktion auslösen.

    Die deutschen Finanzexperten sehen die größten Risiken dagegen in verschiedenen Formen von Schuldenfinanzierungen und Kreditverbriefungen (oder deren Zahlungsausfall), wie sie vor der Finanzkrise am amerikanischen Subprime-Hypotheken-Markt gesehen wurden (25 Prozent).

  2. Damit Schattenbanken eine begrüßenswerte, zusätzliche Finanzierungsquelle für die Realwirtschaft und nicht eine Gefahr für die langfristige Finanzstabilität darstellen, sprechen sich in Deutschland und weltweit mehr als die Hälfte der Teilnehmer für eine internationale Harmonisierung von Transparenzvorschriften und regelmäßige Offenlegungen sowie für eine Standardisierung der Verbriefung und Unterlegung von Krediten aus.

    Mit Blick auf Produkttrends rechnen die deutschen Studienteilnehmer mehrheitlich mit einer Zunahme von Collateralized Loan Obligations (58 Prozent) und Residential Mortgage Backed Securities (mit Grundpfandrechten auf Wohnimmobilien strukturierte Papiere, 51 Prozent), während Asset Backed Securities eher auf einem gleichbleibenden Niveau erwartet werden.

„Wichtig ist, dass die Aufsichtsbehörden nun rasch eine Kohärenz bei der Regulierung sogenannter marktbasierter Kredittätigkeit erreichen“, erklärte Rhodri Preece, Leiter Capital Markets Policy am CFA Institute und Autor des internationalen Reports. Er spricht sich auch dafür aus, die Regulierung stärker an den Bedürfnissen und Zielen der Kreditnehmer und Anleger zu orientieren.

„Die Ergebnisse der CFA Institute Studien untermauern die Wichtigkeit von Initiativen wie dem EU-Rahmenwerk für einfache, transparente und standardisierte Verbriefungen“, erklärt Mathias Moersch, Dekan der Fakultät International Business an der Hochschule Heilbronn.

Aufgrund der breiten Zustimmung aus Deutschland zur Standardisierung des Verbriefungsprozesses dürften die Fragen nach einem einheitlichen Europäischen Verbriefungsrahmen – dafür hatten sich 65 Prozent der Befragten ausgesprochen – und der Schaffung eines Sekundärmarktes (58 Prozent) hierzulande auf der politischen Agenda weiterhin weit oben stehen.

„Aufgrund des Aufstiegs alternativer Finanzierungsformen, zu denen ich neben Schattenbanken auch weitere neue Peer-to-Peer-Modelle oder Formen des Crowdinvesting zähle, müssen entsprechende Mindeststandards und Transparenzvorgaben für die Anleger erfüllt werden“, findet Susan Spinner von der CFA Society Germany. „Wir begrüßen Finanzierungsalternativen – gerade auch für die mittelständische deutsche Wirtschaft. Eine Kreditklemme befürchten wir für den deutschen Markt daher nicht“.