Studie der Universität St. Gallen Deutsche Unternehmerkinder wollen eigene Wege gehen

Was die Nachfolgebereitschaft von Unternehmerkinder angeht, liegt Deutschland im internationalen Vergleich hinten

Was die Nachfolgebereitschaft von Unternehmerkinder angeht, liegt Deutschland im internationalen Vergleich hinten

Familienunternehmen in Deutschland haben ein Problem: Die meisten Kinder wollen nicht in die Fußstapfen der Eltern treten. Statt in den heimischen Betrieb einzusteigen, suchen sie ihr Glück woanders und verfolgen ihre eigenen Karrierepläne. Das zeigt eine Studie der Universität St. Gallen (HSG) und des Beratungsunternehmens EY (vormals Ernst & Young).

Demnach wollen nur 0,8 Prozent der Befragten direkt nach dem Studium ins Familiengeschäft einstiegen. 4,2 Prozent können sich vorstellen, nach fünf Jahren die Nachfolge anzutreten.



Das gleiche Bild zeigt sich in Österreich und der Schweiz. Damit stehen die deutschsprachigen Regionen am unteren Ende der untersuchten Länder. Im weltweiten Vergleich können sich knapp 20 Prozent der Befragten eine Zukunft (direkt oder fünf Jahre nach dem Ende des Studiums) im elterlichen Betrieb vorstellen.

Die Autoren der Studie erklären die Differenz mit dem wirtschaftlichen Umfeld: Dort wo die Wirtschaft schlecht läuft, sind viele auf einen Arbeitsplatz im Familienunternehmen angewiesen. Sobald aber die Wirtschaft boomt, bieten sich den Kindern mehr Chancen für eine Karriere abseits des Familienbetriebs.

Töchter haben noch weniger Lust

So können die potenziellen Nachfolger ihre eigenen Pläne verfolgen und beispielsweise eine eigene Firma gründen. Denn der Umfrage zufolge sehnt sich ein Drittel von ihnen danach, ein eigenes Unternehmen aufzubauen.

Unterschiede gibt es auch zwischen den Geschlechtern. Töchter haben weniger Lust, im Familienbetrieb zu enden – unabhängig von Studienfach, Kultur und Geburtenreihenfolge, wie die Autoren schreiben.

Das ist auch der Fall, wenn das Familienunternehmen von der Mutter gehalten wird. Töchter würden eine unternehmerische Laufbahn als riskanter erachten als Söhne, sagt HSG-Professor Thomas Zellweger.