Neue Deutsche-Bank-Studie 10 Auswirkungen des Ölpreissturzes

Die globalen Gewinner und Verlierer des Ölpreisverfalls | © Deutsche Asset & Wealth Management

Die globalen Gewinner und Verlierer des Ölpreisverfalls Foto: Deutsche Asset & Wealth Management

„Eine ganze Industrie betritt unbekanntes Terrain Der Ölpreis hat sich 2014 halbiert. Wo das Gleichgewicht im Ölmarkt wiedergefunden wird, ist schwer zu prognostizieren. Sowohl der relativ neue Schieferölsektor als auch die strategisch neu positionierte OPEC sind 2015 die großen Unbekannten im Markt. Der Preissturz führt auf Länder- und Sektorebene zu großen Verschiebungen mit Gewinnern und Verlierern. Wir rechnen in Summe aber mit einem Stimulus für die Weltkonjunktur und die Börsen.“ Mit diesen Worten leitet Asoka Wöhrmann, Investmentchef der Deutsche Asset & Wealth Management die aktuelle Studie "Schwarzes Gold? Die Folgen der Turbulenzen am Ölmarkt“ seines Hauses ein.

Die Studie beleuchtet die wesentlichen Einflussfaktoren des Ölpreissturzes, die Macht und Ohnmacht des Öl-Kartells OPEC, die makroökonomischen Folgen des Preisverfalls und die Konsequenzen für die Kapitalmärkte.

Am Ende mündet die Studie in folgende zehn Auswirkungen des Ölpreissturzes:

1. Im Ölmarkt wird 2015 eine steile Lernkurve durchschritten werden, da mit US-Schieferöl ein neuer Spieler am Markt existiert, dessen Verhalten in Stressperioden unbekannt ist. Der Strategieschwenk der OPEC erhöht die Volatilität im Ölmarkt. Jeglichen Ölmarktprognosen sollte man mit Vorsicht begegnen.

2. Insgesamt sollte der Preisrückgang die Weltwirtschaft beflügeln. Während die positiven Effekte über erhöhte Konsumausgaben früher greifen, wirken die negativen Effekte der rückläufigen Investitionen erst später.

3. Aufgrund des gegenüber der Realwirtschaft höheren Gewichts des Energiesektors in den großen Aktienindizes führt der Preisrückgang zunächst zu einem Gewinnrückgang, doch insgesamt werden die Börsen profitieren.

4. Die Zentralbanken gewinnen durch den Preisrückgang an Spielraum. Die Fed könnte ihre Zinswende verschieben, die EZB konnte einen weiteren Grund für ihr QE-Programm anführen.

5. Die kurzfristige Kapazitätsanpassung dürfte in erster Linie über ausbleibende Anschlussinvestitionen im US-Schieferölsektor erfolgen. Aufgrund kurzer Projektzyklen kann dieser Sektor jedoch schnell an den Markt zurückkehren. Mittelfristig können nur Kapazitätskürzungen bei Hochpreisproduzenten wie kanadischem Sandöl oder Tiefseeöl die Angebotsseite nachhaltig entlasten.

6. Kurzfristig dürfte die Preisuntergrenze bei den Grenzkosten, mittel- bis langfristig bei den Vollkosten des teuersten Produzenten liegen. Die Zahlenbasis dazu ist diffus und im Fluss. Die Grenzkosten könnten bei 20 bis 40 USD/b, die Vollkosten bei 60 bis 80 USD/b liegen.

7. Das größte Risiko sehen wir auf gesellschaftlicher Ebene in den vom Ölexport abhängigen, aber finanziell und politisch fragileren Staaten.

8. Für eine rasche Preiserholung im Rahmen unserer Prognose würden folgende Entwicklungen sprechen: die Investitionskürzungen nehmen weiter so dramatisch zu wie zu Anfang 2015; Schieferöl leidet unter größeren Refinanzierungsproblemen; Schieferöl bekommt politischen Gegenwind; es gibt größere ungeplante Produktionsstopps, insbesondere in den Krisenländern; die Nachfrage steigt aufgrund des niedrigen Preises oder eines besseren Wirtschaftswachstums schneller; die OPEC beschließt im Juni, die Produktion zu kürzen; Anleger investieren schon deutlich vor der Markt-bereinigung wieder in Öl.

9. Für eine langsamere Preiserholung sprächen folgende Entwicklungen: der USSchieferölsektor zeigt sich dank höherer Produktivität und Kostendeflation noch robuster als angenommen; finanziell notleidende Schieferölproduzenten werden von strategischen oder Finanzinvestoren gekauft; Saudi-Arabien nutzt seine Reservekapazitäten, um den Markt weiter zu fluten; die derzeit sehr hohen ungeplanten Produktionsstopps der OPEC gehen zurück; rekordhohe Öllager belasten den Markt länger; weniger Kapazität als angenommen verlässt den Markt, da die Firmen auf eine baldige Preiserholung hoffen.

10. Erst mit der Berichterstattung zum ersten Quartal 2015 wird sich die Datengrundlage bezüglich Investitionskürzungen, Produktionsplänen, Kostendeflation und Margendruck deutlich verbessern.