Philipp Vorndran zum Ölpreis „Ölpreis könnte sehr viel länger niedrig bleiben, als viele vermuten“

Philipp Vorndran, Chefanlagestratege der Boutique Flossbach von Storch

Philipp Vorndran, Chefanlagestratege der Boutique Flossbach von Storch

Der Ölpreis ist in den vergangenen rund sieben Monaten in der Spitze um fast 60 Prozent eingebrochen und notiert auf dem tiefsten Stand seit 2009. Als Hauptgrund gilt die massive Ausweitung der Produktion von Schiefer-Öl in den USA. Die Frage ist wohl weniger ob, sondern wann die Preise wieder anziehen. Wie sehen Sie die Entwicklung in den kommenden Monaten?

Philipp Vorndran: Schaut man sich den Terminmarkt an, liegen die Öl-Preise mit Liefertermin Dezember 2016 weit entfernt vom Preisniveau der vergangenen Jahre. Uns würde es nicht überraschen, wenn sich die Notierungen in den kommenden 24 Monaten zwischen 35 und 65 US-Dollar bewegen würden.

Wann wird die Erkenntnis der Endlichkeit neuer Ölquellen wieder dominieren und der Ölpreis sich wieder der 100-Dollar-Marke annähern?

Da einige Ölexportländer auf üppige Einnahmen angewiesen sind - zum Beispiel Russland -, erhöhen sie ihre Förderung trotz fallender Preise. Saudi-Arabien wiederum, das es sich dank seiner gut 700 Milliarden US-Dollar Devisenreserven eigentlich leisten könnte, die Produktion zu reduzieren, kürzt nicht, weil es die unliebsame Schieferölkonkurrenz verdrängen will, deren Produktionskosten auf etwa 50 bis 110 Dollar pro Barrel geschätzt werden. Doch das kann dauern, denn für bereits erschlossene Schieferöl-Vorkommen liegen die Kosten deutlich niedriger. Kurzum: Der Ölpreis könnte sehr viel länger niedrig bleiben, als viele das heute vermuten. Ali al Naimi, der Ölminister Saudi-Arabiens, hat kürzlich sogar behauptet, die Welt würde nie wieder einen Ölpreis von 100 Dollar sehen; die Aussage sollte vermutlich die harte Haltung Saudi-Arabien verdeutlichen.

Welche Investments sollten Anleger wählen, wenn sie in den kommenden ein bis zwei Jahren von wieder steigenden Ölpreisen profitieren wollen? Von welchen Investments raten Sie in diesem Zusammenhang ab?

Wir sind nur punktuell im Ölsektor investiert – und das auch nur in erstklassigen Konzernen. Unseres Erachtens ist der Preisverfall bei dem Großteil der Ölaktien noch nicht eingepreist. Wir halten uns deshalb zurück. Die beste Möglichkeit für Anleger, von den niedrigen Preisen zu profitieren, besteht derzeit darin, den Tank seiner Ölheizung aufzufüllen.