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Flossbach von Storch Eine kurze Geschichte des Goldes

Arbeiter beim Goldgießen in Nevada: Eine sichere Asset-Klasse für turbulente Zeiten

Arbeiter beim Goldgießen in Nevada: Eine sichere Asset-Klasse für turbulente Zeiten Foto: imago images / Newscast

Zwanzig mal zwanzig mal zwanzig Meter. So groß wäre (etwas abgerundet) der Würfel, wenn man alles Gold, das jemals gefördert wurde, einschmelzen und zu einem Block fügen würde. Etwa die Hälfte von allem jemals geförderten Gold ist Schmuck, der weltweit seit Jahrtausenden verkauft, verschenkt oder vererbt wird. Der Rest liegt entweder in Barrenform in den Safes der Zentralbanken, dient als Rohstoff oder als Geldanlage.

Die vielleicht wichtigste Eigenschaft von Gold: Das Edelmetall ist ein Wertspeicher des Vermögens. Diese Funktion hatte Gold über Jahrtausende. Das sind die Ergebnisse einer Studie des Flossbach von Storch Research Institute, die wir im Folgenden zusammenfassen. Eine Reise in die Vergangenheit zeigt, wie Gold dabei half, den monetären Herausforderungen der Vergangenheit zu trotzen.

Als Schmuck wurde Gold bereits verwendet, als Menschen nach der Steinzeit damit begannen, Metall zu bearbeiten. Doch der lydische König Krösus soll der Erste gewesen sein, der 550 vor Christi Geburt offiziell gültige Goldmünzen prägen ließ.

Gold als Tauschmittel

Seine Schatzkammern waren prall gefüllt, auch weil er mehrere Minen zugleich ausbeuten ließ. Die Erfindung des Münzgelds ist ihm aber wohl nicht zuzuschreiben. Es wurden etwa 150 Jahre ältere Edelmetallklumpen gefunden, die griechische Händler abgewogen und mit einem Stempel versehen hatten. Münzen und Klumpen erleichterten Tauschgeschäfte beträchtlich: Zuvor mussten sich zwei Partner finden, die jeweils die Güter, die der andere nachfragte, in der gewünschten Menge anboten. Jetzt verfügten sie über ein Tauschmittel, das teilbar, kompakt, haltbar und werthaltig war.

Der römische Kaiser Cäsar belohnte seine Legionäre nach erfolgreichen Kriegen mit hohen Goldsummen. Sein Großneffe Augustus führte dann die erste Geldordnung ein, die auf Gold-, Silber-, Messing- und Kupfermünzen basierte. Dieses System gilt als Grundlage für alle europäischen Geldordnungen bis in die Neuzeit.

Nero sorgt für Inflation

Doch schon Kaiser Nero ließ aus dem vorhandenen Edelmetall immer mehr Münzen prägen und löste damit eine der ersten Güterpreisinflationen durch Geldverschlechterung aus. Sein Nachfolger Vespasian versuchte zwar, den Haushalt zu sanieren. Doch in den folgenden Jahrhunderten ging die Geldverschlechterung immer weiter. Im dritten Jahrhundert war die Qualität der Silbermünzen dann so schlecht, dass Händler ihre Annahme verweigerten. Goldmünzen blieben dagegen relativ stabil.

Kaiser Konstantin legte 309 mit dem „Solidus“ als neue Goldmünze die Grundlage für eine neue Leitwährung für Europa, die bis zur Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453 ihren Wert behielt. „Der Solidus war sozusagen der erste Euro“, erklärt Marius Kleinheyer, Analyst beim Flossbach von Storch Research Institute. In Mitteleuropa setzte erst Karl der Große eine einheitliche Münzprägung durch. Das Geldsystem wurde durch Silber dominiert. Der Kaiser stellte sich jedoch mit der gelegentlichen Prägung von Goldmünzen bewusst in die Tradition der Römer.

Neuzeit: Papiergeld und Goldstandard

Zahlreiche Erfindungen begleiteten den Aufbruch in die Neuzeit. Eine der wichtigsten: Mitte des 17. Jahrhunderts entstand das erste Papiergeld. Es wurde aus der Not geboren, als in Schweden Kupfermünzen als Folge des Dreißigjährigen Kriegs und der Spekulation der Bürger mit diesen Münzen knapp wurden. Schon wenige Jahre später musste die Bank, die es gedruckt hatte, in Staatshand überführt werden, weil sie mehr Papiergeld emittiert, als Kupfermünzen angenommen hatte. Ähnliche Probleme traten später in anderen Ländern auf. Gold, das zeigt auch dieses Beispiel, taugt als Wertspeicher besser als Papier.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts etablierten die führenden Industrienationen der Welt den Goldstandard. Nach der Gründung des Deutschen Reichs wurde 1873 die Goldwährung eingeführt. Das Papiergeld und die umlaufenden Scheidemünzen standen wertmäßig in einer festen Relation zum Goldkern der Währung. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs war die Zentralbank verpflichtet, die Scheine auf Verlangen in Goldmünzen einzulösen.