ESG-Investments „Anlagechancen durch Steuern auf Zucker und Junkfood“

Nina Hodzic, Senior ESG-Expertin bei NN Investment Partners (bisher ING Investment Management) | © NN Investment Partners

Nina Hodzic, Senior ESG-Expertin bei NN Investment Partners (bisher ING Investment Management) Foto: NN Investment Partners

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Frau Hodzic, Sie haben kürzlich eine Abhandlung über gesunde Ernährung geschrieben, dort beschreiben Sie Adipositas, also Fettleibigkeit, als eines der zentralen sozialen Probleme unserer Gesellschaft.

Nina Hodzic: Überernährung ist mittlerweile ein größeres Gesundheitsrisiko als Unterernährung. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation waren 2014 über 1,9 Milliarden Erwachsene übergewichtig, ein Drittel davon sogar adipös. Die Zahl der Fettsüchtigen steigt nicht nur in den Industrieländern, sie wächst mit zunehmendem Wohlstand auch in den aufstrebenden Volkswirtschaften, insbesondere in Chile, Mexiko, Russland und Brasilien. Fettleibigkeit erhöht das Risiko von Erkrankungen wie Diabetes, Arthritis und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Nicht zuletzt bedeutet all dies auch nachlassende Produktivität.

Nach einem Bericht des McKinsey Global Institute zählt Fettleibigkeit zu den drei größten vom Menschen verursachten sozialen Lasten weltweit. Die Kosten für ihre Folgen schätzt McKinsey weltweit auf zwei Billionen Dollar. Die Gefahr der Adipositas haben schon viele erkannt und versuchen, gegenzusteuern. Daraus ergeben sich interessante Investmentgelegenheiten in den Bereichen Gesundheitsfürsorge und Biotechnologie, Lebensmittelhersteller sowie Unternehmen des Gesundheits- und Fitnesssektors.

Welche Gegenentwicklungen können Sie erkennen?

Viele Regierungen bemühen sich bereits aktiv, die Kosten der Fettleibigkeit zu senken. Die medizinische Forschung wird gefördert, es gibt Aufklärungskampagnen mit dem Ziel, das Essverhalten zu ändern, und gesundheitsschädliche Produkte werden besteuert. So hat Norwegen eine Zuckersteuer eingeführt, die auch für Erfrischungsgetränke gilt. In Dänemark, Frankreich, Finnland, Ungarn und Lettland werden ebenfalls zuckerhaltige Lebensmittel und Getränke besteuert. Selbst in den Emerging Markets ist eine solche Entwicklung zu beobachten: In Mexiko wird eine Steuer von fünf Prozent auf Junkfood und Softdrinks erhoben.

Setzt das die Unternehmen unter Druck?

Eine wachsende Zahl von Lebensmittel- und Getränkeherstellern ergreift mittlerweile Maßnahmen. Sie verkleinern Portionsgrößen, verwenden gesündere Zutaten, reduzieren Zucker, Fett und Salz und informieren transparenter auf Verpackung und Etikett. Das schützt nicht nur vor potenzieller Besteuerung, sondern die Produkte werden für ernährungsbewusste Verbraucher attraktiver. Gerade im Lebensmitteleinzelhandel mit organischen Produkten, wo es hohe Gewinnspannen gibt, bestehen interessante Chancen. Aber auch außerhalb der Nahrungsmittelbereichs bietet dieser Trend Anlagechancen.

Zum Beispiel?

Die Förderung eines gesünderen Lebensstils dürfte dazu führen, dass sich immer mehr Menschen sportlich betätigen. In den Emerging Markets steigt mit wachsenden Einkommen des Mittelstands auch das Interesse an Sport. Hinzu kommt die Überalterung der Bevölkerung in vielen Teilen der Welt. Auch hier rücken Sport und regelmäßige Bewegung verstärkt in den Mittelpunkt, da die Senioren mehr Zeit mit Sport und körperlichen Aktivitäten verbringen. Die Aktien von Unternehmen, die im Bereich Fitness, Sport sowie Sportbekleidung tätig sind, sind gut aufgestellt, um von diesem Trend zu profitieren.

Und wie nutzen Sie das Thema konkret in Ihren nachhaltigen Portfolios?

Bei NNIP stehen wir in engem Kontakt mit Unternehmen verschiedener Sektoren, um sie in die richtige Richtung zu lenken. Ein Unternehmen in unserem Portfolio, das das Thema gesunder Lebensstil ernst nimmt, ist Asics. Der japanische Sportartikelhersteller wurde in der Überzeugung gegründet, dass Sport und Fitness die körperliche und geistige Gesundheit fördern. In einem eigenen Forschungsinstitut werden die neuesten Erkenntnisse über den menschlichen Körper mit den jüngsten technischen Fortschritten verknüpft, um die Produkte kontinuierlich weiterzuentwickeln. Das Unternehmen hat den Anspruch, Nachhaltigkeit als Prinzip in all seinen Prozessen und Produkten sowie über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg umzusetzen. Zum Spiel überprüft Asics fortlaufend die Arbeitsbedingungen in seiner Lieferkette.

Haben Sie ein weiteres Beispiel?

Eli Lilly ist eines der wichtigsten Unternehmen am Diabetesmarkt und führend bei der Herstellung von generischem Insulin. Das Unternehmen setzt sich für die Verbesserung der Gesundheit weltweit ein. Zum Beispiel bemüht sich Eli Lilly, neue Lösungen zur Betreuung von Zuckerkranken in armen Regionen zu entwickeln. Ein anderes Beispiel ist Axa.

Axa? Sie meinen den Banken- und Versicherungskonzern? Was hat der mit gesunder Lebensführung zu tun?

Axa bietet seinen Kunden Lösungen in den Bereichen Altersvorsorge, Vermögensverwaltung sowie Einkommenssicherung, die mit Kranken- und Pflegeversicherungen kombiniert werden können, vor allem im Hinblick auf die Langlebigkeit. Das Unternehmen setzt sich für die Finanzierung von Forschung und Präventionsstrategien ein, wie insbesondere die Früherkennung von Alzheimer und die Entstehung von Diabetes. Die von Axa unterstützten Forschungsprojekte decken ein breites Spektrum unterschiedlicher Disziplinen ab, zum Beispiel Lebensrisiken, sozioökonomische Risiken und Umweltrisiken. Dazu stellt das Unternehmen umfassende, leicht zugängliche medizinische Informationen zur Verfügung.

Spielt das Thema gesunde Ernährung auch bei Ihren Ausschlusskriterien eine Rolle?

Wir haben unsere Investitionen in Produzenten reduziert, die mit einer ungesunden Lebensführung in Verbindung gebracht werden. Unsere Bestände von McDonald's- und Pepsico-Titeln haben wir ganz abgestoßen.