Die Prognosen von 14 Volkswirten So wahrscheinlich ist eine Geldflut in Europa

EZB-Chef Mario Draghi und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel auf einem Graffiti vor dem im Bau befindlichen neuen EZB-Gebäude in Frankfurt am Main | © DANIEL ROLAND/AFP/Getty Image

EZB-Chef Mario Draghi und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel auf einem Graffiti vor dem im Bau befindlichen neuen EZB-Gebäude in Frankfurt am Main Foto: DANIEL ROLAND/AFP/Getty Image

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Die Notenbanker der Währungsunion sind in dieser Frage offensichtlich gespalten. Ebenso uneins sind die Beobachter der Notenbankpolitik.

Bei der Abgabe von Prognosen muss die Frage schwachen Wachstums und niedriger Inflation berücksichtigt werden. Eine weitere Variable, die es zu beachten gilt, ist Deutschlands Abneigung betreffend eine Geldpolitik, die auf quantitative Lockerung (QE) setzt. Hinzu kommen praktische Überlegungen, ob und wie die Sache funktionieren würde.

Goldman Sachs geht mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:3 davon aus, dass QE kommt. Bei Morgan Stanley erwarten die Volkswirte den Schritt mit einer Wahrscheinlichkeit von 40 Prozent. JPMorgan Chase & Co sieht diese bei 50:50 Prozent. Im Gegensatz dazu haben HSBC, Barclays und Bank of America Merrill Lynch vollumfängliche QE-Programme in ihre zentralen Szenarien übernommen. Citigroup sagt sogar, dies könne vor Jahresende passieren.

Nachstehend eine Zusammenfassung von Berichten und Interviews, wie sich die Volkswirte aus größeren Banken zu dem Thema äußern:

Huw Pill, Goldman Sachs:

„QE in Form von Staatsanleihekäufen ist nicht Teil unseres Basisszenarios. Dieses geht von einer Seitwärtstendenz der wirtschaftlichen Entwicklung aus. Die Inflation dürfte auf niedrigem Niveau verharren. Wir glauben, das aktuelle Untergangsszenario zur Eurozone ist übertrieben.“

Jörg Krämer, Commerzbank:


„Wir waren eine der ersten Banken, die Ende August prognostizierten, dass die EZB Staatsanleihekäufe in großzügigem Umfang tätigen würde. Wir gingen davon aus, dass dies zu Beginn des nächsten Jahres eher als in diesem Jahr erfolgen wird.“

„Es ist viel wahrscheinlicher geworden, dass die Bank vor Ende des laufenden Jahres aktiv wird. Sorgen um die Wirtschaft haben Kursverluste an den Aktienmärkten ausgelöst. Sie machen es immer wahrscheinlicher, dass die EZB ihre zuversichtliche Prognose von 1,6 Prozent BIP-Wachstum für 2015 senken muss.“

David Mackie, JPMorgan Chase:


„Wir denken, die nächste Bewegung in der Realwirtschaft ist eine Verbesserung. Wir klammern uns an die Hoffnung einer Verbesserung. Wir glauben, wir haben die niedrige Inflation hinter uns gelassen. Die Inflationsdynamik verbessert sich von extrem niedrigem Niveau aus. Die zugrundeliegende Macro-Geschichte sieht langsam ein wenig besser aus.“

Elga Bartsch, Morgan Stanley:


„Sollte die EZB, entgegen unserer Erwartung, im kommenden Jahr ein voll umfängliches QE beginnen, würden wir erwarten, dass sie auf einem stärker koordinierten, wachstumsfreundlichen fiskalpolitischen Ansatz besteht. In diesem Fall erwarten wir auch ein Drängen der EZB auf entschlossenere Strukturreformen und ein Einhalten der Regeln des Stabilitäts- und Wachstumspakts. Diese Sorgen könnten durch Verknüpfung mit den Käufen adressiert werden. Das betrifft vor allem die Länder, deren Anleihen gekauft werden, und dass sie ihre entsprechenden Vorgaben erfüllen“ hinsichtlich des Pakts.

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