Brian Levitt, Invesco Finanzmärkte sind keine Säbelzahntiger

Barack Obama und seine Frau Michelle. Die Gesundheitsreform des ehemaligen US-Präsidenten schürte bei Anlegern Ängste vor einem Stellenabbau in den USA. | © Getty Images

Barack Obama und seine Frau Michelle. Die Gesundheitsreform des ehemaligen US-Präsidenten schürte bei Anlegern Ängste vor einem Stellenabbau in den USA. Foto: Getty Images

Der amerikanische Schriftsteller Mark Twain schrieb einmal: „Es gab in meinem Leben viele Katastrophen. Einige sind sogar passiert.“ Anleger sollten sich diese Worte zu Herzen nehmen. Allzu oft verwenden sie wertvolle Zeit und Energie darauf, sich wegen aller möglichen Dinge Sorgen zu machen. Es lohnt sich jedoch, einmal rückblickend zu analysieren, ob die einst so gefürchteten Ereignisse tatsächlich eingetreten sind.

Tatsächlich ist es so, dass die vermuteten Szenarien entweder nie passiert sind oder aber gut in den Griff zu bekommen waren. Rund um den Globus sind die Aktienmärkte schon mit vielen Szenarien fertig geworden und haben sich als wahre Stehaufmännchen erwiesen.

2008: Sorge vor Fed-Reaktion auf Finanzkrise

Während der globalen Finanzkrise im Jahr 2008 fürchteten viele Anleger die geldpolitische Reaktion der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Investoren hatten damals die Sorge, dass die Geldpolitik der Fed zur Bekämpfung tief verwurzelter deflationärer Impulse massiv inflationstreibend wirken würde, weshalb das Zinsniveau in den USA auf neue Höchststände klettern und eine lang anhaltende Baisse an den Aktienmärkten eintreten könnten.

Tatsächlich sind die Inflationsdaten über den gesamten Zyklus hinweg niedrig geblieben. Die US-Zinsen haben nahe 2 Prozent verharrt und die US-Aktienindizes sind seit dem Jahr 2012 stetig auf neue Rekordhöchststände geklettert. So schloss der Aktienindex S&P 500 am 12. Juli 2019 erstmals über 3.000 Punkten.

2010: Ein Schreckgespenst namens Obamacare

Ein weiteres Beispiel ist die als Obamacare bezeichnete Reform des US-Gesundheitssystems unter dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama im Jahr 2010. Das Gesetz heißt eigentlich „US Patient Protection and Affordable Care Act“. Anleger fürchteten damals, dass der Beschäftigungsaufbau in Mitleidenschaft gezogen werden könne, wenn Unternehmen mit 50 und mehr Vollzeitbeschäftigten künftig eine betriebliche Krankenversicherung anbieten müssten.

Im Juni 2019 standen jedoch 151 Millionen US-Amerikaner auf den Gehaltslisten von Unternehmen, übrigens ein Rekordwert. 46,7 Millionen von ihnen – ebenfalls ein Allzeithoch – arbeiteten in Firmen mit 49 bis 500 Mitarbeitern. Darüber hinaus war die Zahl der offenen Stellen im Mai 2019 fast so hoch wie nie zuvor.